Mein Gemüsegarten im April

Es hängt wieder, das Türschild "Wir sind im Garten". Die sorgsam aufgezogenen, liebevoll behüteten Jungpflanzen dürfen endlich von der Fensterbank in die Freiheit entlassen werden, die Gartenerde in dem Fall.

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Das heißt: Gummistiefel überziehen, Proviant, Schaufel und Pflänzchen einpacken – es geht los. Und wer hätte es gedacht, Giersch, Löwenzahn und Quecke sind auch schon da. Sie alle sind noch ganz klein und zart, doch die Erinnerung an die vergangene Saison ist sehr lebendig. Schließlich haben wir viel Zeit mit Hacken, Jäten und notgedrungen auch Kochen zugebracht: Gierschsuppe und -omelett, Löwenzahnsirup, Queckentee und so einiges mehr. Doch mit den anfallenden Kräutermengen (ich verzichte diplomatisch auf die Vorsilbe "Un") wäre selbst die Schulküche der Kinder überfordert gewesen.

Ich besinne mich auf meinen Vorsatz, den Garten zu genießen, und glaube fest an den Erfahrungsschatz meines Nachbarn, der meint: "Nach sieben Jahren fleißigen Tuns ist das vorbei." Doch selbst wenn, eine andere Altbekannte begrüßt mit mir die neue Saison: die Nacktschnecke. Noch tut sie ganz unscheinbar und harmlos, doch ich weiß, das wird sich ändern. Spätestens wenn wir ihr unsere zarten Jungpflänzchen überlassen. Diese verströmen in den ersten Gartennächten – so sagt ein Fachbuch – sogar Duftstoffe, die Schnecken anlocken. Warum tun sie das? Die Schnecken sind ihr Feind Nummer eins, meiner in diesen Tagen übrigens auch. Was habe ich nicht alles versucht: Ich habe die Schnecken aufgelesen und davongetragen – es wäre interessant zu wissen, ob die vielen Exemplare am Folgetag die verstoßenen oder neue waren.

Ich habe Bierfallen aufgestellt – mit dem Erfolg, dass auch die Schnecken aus Nachbars Garten herüberkamen. Ich habe Eierschalen und Asche verteilt, um die Schnecken am Vorwärtskommen zu hindern – sie nahmen dennoch ihren Weg, vielleicht etwas langsamer, aber unbeirrt. Ich habe den Jungpflanzen Gefährten an die Seite gestellt – die Schnecken haben Wermut und Co. zwar verschmäht, die kleinen Bohnentriebe jedoch nicht. Und ich habe versucht, Frieden zu schließen, den Schnecken Salatblätter an den Beetrand gelegt – alles umsonst, sie wollen die Jungpflanzen.

Waren die Kinder anfangs noch etwas irritiert über meine Schnecken-Antipathie und Wutausbrüche, stimmen sie mittlerweile – seit sie ihren eigenen Beetstreifen pflegen – in das Klagelied ein. Ich bleibe ratlos zurück. Vielleicht sollte ich uns doch einmal Enten oder Hühner ausleihen. Denn hier liegt vermutlich der Ursprung allen Übels: In meinem Garten fehlen ausreichend natürliche Feinde, im klassischen Bauerngarten mit Tieren gab es sie. Dabei wäre es doch so einfach: Giersch, Löwenzahn und Quecke gibt es reichlich, doch die scheinen den Schnecken nicht zu schmecken.

››› Anja Waldmann arbeitet seit mehr als 15 Jahren bei Alnatura. Die Mutter von drei Kindern hat einen kleinen Garten, der alles kann: entzücken, beruhigen und doch auch immer wieder zeigen, wie viel Arbeit so etwas macht.