28.06.2019

Fragen und Antworten zur aktuellen Medienberichterstattung

In einigen Medien wird darüber berichtet, dass Alnatura im Jahr 2015 die Betriebsratswahl in einer Filiale blockiert habe. Dies entspricht nicht den Tatsachen. In der Berichterstattung wurde die Situation leider missverständlich und teilweise auch falsch dargestellt. 

Nachfolgend finden Sie Informationen zu den Themen Einkommen und Mitgestaltung bei Alnatura.

Sonderoeffnungszeiten

Zu den Werten der Alnatura Arbeitsgemeinschaft
Wir sind nach dem Prinzip der kollegialen Zusammenarbeit für unsere Kundinnen und
Kunden tätig. Wir arbeiten in flexiblen Teams mit flachen Hierarchiestrukturen und
Transparenz auf allen Ebenen. Unsere Arbeitsweise gründet auf Selbstverantwortung und Eigeninitiative, das heißt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können über alle Ebenen hinweg mitgestalten und sich einbringen. Mitbestimmung im Sinne einer aktiven und konstruktiven Mitgestaltung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist bei Alnatura gelebte Unternehmenspraxis und gehört zum Kern der Unternehmenskultur.

Für diese sinnstiftende und innovative Form der Zusammenarbeit – insbesondere in den
Alnatura Märkten – haben wir 2019 den "New Work Award" erhalten.

Vielfalt, Toleranz, Meinungsfreiheit und Selbstverantwortung sind für Alnatura die
maßgeblichen Leitlinien allen Handelns. Wir stehen ganz klar und ohne Kompromisse
gegen jegliche Form von Diskriminierung!  

Zur Einkommensgestaltung in den Alnatura Super Natur Märkten

Alnatura zahlt mindestens nach Einzelhandelstarif. Auch die Arbeitszeiten-Zuschläge wie Spät- und Nachtzuschlag, Sonn- und Feiertagszuschlag etc. werden gemäß Tarif gezahlt. In vielen Fällen liegen die Einkommen sogar über Tarif, zum Beispiel bei unseren Lehrlingen. Diese erhalten monatlich 100 Euro mehr als der Tarifvertrag vorschreibt. Auch in Bundesländern, in denen der Tariflohn unter dem Mindestlohn liegt, erhalten unsere Alnatura Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein höheres Einkommen als tariflich vorgesehen.

Zum 1. Mai 2019 hat Alnatura außerdem den bisherigen Alnatura Mindeststundenlohn von 10 Euro auf 12 Euro erhöht. Gesetzlich vorgeschrieben sind lediglich 9,19 Euro.

Darüber hinaus erhalten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Urlaubs- und Weihnachtsgeld, umfassende Sozialleistungen wie betriebliche Altersvorsorge und vermögenswirksame Leistungen, Entgeltumwandlung bei Fahrrad-Leasing etc.

Unsere Filial-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten bei einer 6-Tage-Woche 36 Urlaubstage – das Bundesurlaubsgesetz sieht lediglich 24 Tage vor.


Zusammenarbeit mit Betriebsräten
Seit 2010 gibt es in einem Alnatura Markt in Freiburg einen von den dortigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewählten Betriebsrat. Die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat ist vertrauensvoll und partnerschaftlich.

Da es bisher in keinem anderen Alnatura Markt Initiativen zur Gründung eines Betriebsrates gegeben hatte - oder wie in der Filiale in Bremen keine Mehrheit - wurden auch keine weiteren Betriebsräte gegründet.

In der Alnatura Arbeitsgemeinschaft gibt es zahlreiche Ansprechpartner/-innen und Vertrauenspersonen, an die sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jederzeit hierarchiefrei und vertraulich wenden können. Dieses Prinzip bewährt sich seit vielen Jahren.

Zur Situation in Bremen
In einigen Medien wird berichtet, dass Alnatura im Jahr 2015 Betriebsratswahlen blockiert habe. Dies ist falsch.

Zum Hintergrund: Die Medienberichte beziehen sich auf eine einzelne Filiale in Bremen.
Damals hatte sich in einer Wahlversammlung die Mehrheit der Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter unserer Filiale gegen einen Betriebsrat ausgesprochen, unter anderem weil sie diesen für die Vertretung ihrer Interessen innerhalb des Unternehmens nicht für nötig hielten.

In einem Verfahren, das von einer Verdi-Vertreterin durchgeführt wurde, war die Wahl zum Wahlvorstand für eine Betriebsratswahl gescheitert, weil eine Mehrheitsentscheidung nicht zustande kam. Einen zweiten Wahlgang hatte die Verdi-Vertreterin nicht zugelassen.

Einige Kolleginnen und Kollegen waren mit dem Ausgang der Wahl nicht einverstanden.
Seitdem wollen sie in einem gerichtlichen Verfahren die Einsetzung eines Wahlvorstands
erwirken.

Alnatura achtet selbstverständlich das Betriebsverfassungsgesetz. Wenn sich die Mehrheit der Mitarbeitenden in einem ordnungsgemäßen und demokratischen Prozess gegen die Wahl eines Wahlvorstands entschieden hat, dann gilt aus unserer Sicht, diese
Mehrheitsentscheidung zu respektieren und wenn nötig zu schützen. Deshalb hat Alnatura gegen die Entscheidung des Arbeitsgerichts Bremen, ohne nochmalige Wahlversammlung einen Wahlvorstand einzurichten, Beschwerde eingelegt.


Zum Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 20. Februar 2019
Lange Zeit war die Rechtslage unklar und wurde in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Nun hat das BAG in seiner Urteilsbegründung bestätigt, dass trotz Demokratiedefizit (welches wir bei einem fehlenden zweiten Wahldurchgang sahen), ein Wahlvorstand vom Gericht eingesetzt werden kann.

Das Gericht hat allerdings auch die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen gestärkt, worüber wir uns freuen. Die Richter haben entschieden, dass im Sinne der Eigenverantwortung und der Entscheidungsfreiheit, niemand gegen seinen Willen in einem Wahlvorstand eingesetzt werden darf. 

Wir sind dankbar für die Urteilsfindung, da es in dem Fall nun Klarheit für alle Beteiligten gibt.

Alnatura achtet selbstverständlich das Betriebsverfassungsgesetz. Ebenso selbstverständlich steht es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen jederzeit weiterhin frei, einen Wahlvorstand zu bilden. Jedoch darf niemand zu einer Mitwirkung "zwangsverpflichtet" werden.

So äußern sich die Mitarbeitenden des Bremer Markts selbst zu der Diskussion:

Die Situation vor Ort ist für unsere Filialkolleginnen und –kollegen belastend, nicht zuletzt durch die sich wiederholenden Medienberichte. Ausdruck hierfür ist ein Offener Brief von zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die zum Teil schon seit vielen Jahren und in Vollzeit in der betreffenden Filiale für Alnatura tätig sind. Die zehn Unterzeichner bringen in diesem Brief ihre Verbundenheit mit Alnatura zum Ausdruck:

"Wir finden es (die mediale Darstellung) uns gegenüber einfach ungerecht, da wir mit unserer Tätigkeit und mit unserem Arbeitgeber zufrieden sind. Denn wir arbeiten gern bei Alnatura, in unserer Filiale. Wir haben uns unsere berufliche Tätigkeit selbst ausgesucht und einen Arbeitsort gewählt, an dem wir uns verwirklichen können. Das haben wir bei unserem Arbeitgeber gefunden und wir wissen Alnatura durchaus zu schätzen. Seitdem dieses Thema (Betriebsrat) in unserer Filiale existiert, fühlen wir uns unter Druck gesetzt – nicht von Alnatura, sondern von unseren Kollegen, besonders von den Auftritten in der Öffentlichkeit. Die Art und Weise, wie hier 3 Mitarbeiter für sich entschieden haben, einen Betriebsrat zu gründen, ist für uns im Team nicht förderlich gewesen und hat Vertrauen gebrochen, das untereinander bestanden hat."

In Bremen handelte es sich um eine individuelle, lokale Thematik, die die Kolleginnen und Kollegen vor Ort längst untereinander geklärt haben. Der genannte Vorgang fand im Oktober 2015 statt und hat sich in keinem Alnatura Markt wiederholt.