Etikettenkunde

Was das Kleingedruckte über die Qualität eines Weines verrät.

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Finden Sie sich auf Weinetiketten zurecht?

Wissen Sie, was Bezeichnungen wie IGT, Qualitätswein, Spätlese, DOC oder AOC oder g. U. bedeuten? Falls Sie diese Frage mit Ja beantworten können, verschwenden Sie nicht Ihre Zeit mit diesem Artikel, sondern öffnen Sie sich und Ihren Freunden eine gute Flasche Wein. Aber was heißt schon "gut"? Gut ist der Wein, wenn er Ihnen schmeckt. Egal, wo er herkommt, welche Rebsorten enthalten sind, von wem er erzeugt wurde und unabhängig davon, was die EU-Weinmarktverordnung oder das Deutsche Weingesetz regelt. Aber wie lässt sich Qualität beim Wein erkennen? An welchen Kriterien können Sie sich als Verbraucher orientieren?

Schon in der Antike wurde Wein in Qualitätsklassen geordnet, wobei der geografische Ursprung eine entscheidende Rolle spielte. Das älteste Gesetz stammt vom babylonischen Herrscher Hammurabi (1728–1686 v. Chr.), dessen Reich fast das gesamte Mesopotamien umfasste. In den europäischen Ländern gibt es traditionell das romanische System, das Weine nach dem Herkunftsprinzip beurteilt, und das germanische System, das die Traubenqualität in den Vordergrund stellt.

Beginnen wir mit der Herkunft, dem geografischen Ursprung: Weine mit geschützter Herkunftsbezeichnung aus Frankreich werden gekennzeichnet mit AOP (Appellation d’Origine Protégée). In Italien, Spanien und Portugal verwendet man für geschützte Herkunftsbezeichnungen die Abkürzung DOP (Italienisch: Denominazione di Origine Protetta)1. Das entspricht dem deutschen Wein g. U. (geschützten Ursprungs), früher QbA (Qualitätswein geschützter Anbaugebiete).

Die Abkürzung IGP (Indication Géographique Protégée)2 entspricht der früheren Bezeichnung "Landwein", also "Vin de pays". In Deutschland und Österreich lautet die entsprechende Bezeichnung nicht IGP, sondern Wein g. g. A. (Wein mit geschützter geografischer Angabe).

Was ist nun der Unterschied zwischen einem Wein g. U. (geschützten Ursprungs) und einem Wein g. g. A. (mit geschützter geografischer Angabe)? Ersterer steht in der Qualitätspyramide weiter oben und bezieht sich auf eine klar definierte Region mit Mindestanforderungen an die Qualität: zum Beispiel Regeln, die einen Höchstertrag bei der Ernte vorschreiben oder bestimmte Rebsorten, Anbau- oder Herstellungsmethoden vorsehen, die für diese AOP oder DOP traditionell sind und der Weintypizität etwa eines DOC Chianti entsprechen. Verfehlt ein Rotwein aus der DOC Chianti die vorgeschriebenen Kriterien, muss man ihn als IGT Toscana deklarieren. Alle Weine geschützten Ursprungs werden einer Prüfung unterzogen, die nach weinrechtlichen, chemischen und organoleptischen (Geruchs- und Geschmacksprobe) Kriterien erfolgt. Auf dem Etikett tragen sie eine amtliche Prüfungsnummer.

Die bloße Bezeichnung "Deutscher Wein" genügt nicht als geografische Angabe. Diese Weine gehören der untersten Stufe der Qualitätspyramide an und zählten früher zu den sogenannten Tafelweinen.

In Deutschland und Österreich exisitieren ausserdem das germanische System, das die Qualität des Weins nach seinem Mostgewicht, also dem Zuckergehalt der Trauben bei der Ernte beurteilt. Hier gibt es die klare Unterscheidung zwischen Qualitätswein und Prädikatswein.

Prädikatswein, in Deutschland zum Beispiel Kabinett oder Spätlese, stellt eine gehobene Kategorie der Qualitätsweine dar. An diese werden besondere Anforderungen bezüglich Mostgewicht, Zustand der Trauben und Art der Lese gestellt. Prädikatsweine müssen ein bestimmtes Mindest-Mostgewicht je nach Prädikatsstufe und Anbaugebiet aufweisen. Eine Anreicherung des Mostes mit Zucker vor der Gärung, in der Weinsprache Chaptalisation genannt, ist bei Prädikatsweinen nicht erlaubt. Warum reichert man den Saft mit Zucker an? Um am Ende einen höheren Alkoholgehalt zu bekommen. Bei der alkoholischen Gärung wird Zucker in Alkohol umgewandelt. Doch in Zeiten der Klimaerwärmung haben auch die nördlichen Weinanbaugebiete wie Deutschland und Österreich immer weniger Schwierigkeiten, Trauben mit einem hohen natürlichen Zuckergehalt und guter physiologischer Reife zu ernten und einen Wein mit ausreichend Volumenprozent zu produzieren. Anreicherung, also Hinzugabe von Zucker vor der Gärung, wird demnach für Qualitätsweine immer weniger wichtig. Stattdessen gewinnt die geografische Herkunft der Weine, die Bestimmung mikroklimatisch guter Lagen und Böden, immer mehr an Bedeutung. Der ökologische Weinbau spielt bei diesem Terroir-Qualitätsgedanken eine große Rolle.

››› Susanne Salzgeber

1 Denominação de Origem Protegida (Portugiesisch); Denominación de Origen Protegida (Spanisch)
2 Indicazione Geografica Protetta, auch IGT = Indicazione Geografica Tipica (Italienisch); Indicação Geográfica Protegida (Portugiesisch); Indicación Geográfica Protegida (Spanisch)