Passion Bio-Sortiment

Astrid Paefgen ist als Leiterin Sortimentsmanagement für die Super Natur Märkte zuständig, die 6.000 verschiedene Bio-Produkte führen.

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Wie wird man Sortimentsmanager? "Ganz einfach", sagt Astrid Paefgen, Leiterin Sortimentsmanagement bei Alnatura, "man bewirbt sich!" Denn einen klassischen Werdegang oder feststehende Anforderungen für Sortimentsmanager gibt es bei Alnatura nicht. Die studierte Biologin weiß, wovon sie spricht, denn auch sie ist sozusagen "Quereinsteigerin" gewesen. Neben Biologie hat sie Pädagogik und Geographie studiert, entdeckte dann aber, bevor es mit dem Alltag als Lehrerin ernst wurde, ihre Leidenschaft für den Handel, als sie bei einer deutschen Warenhauskette jobbte. Verkäuferin wollte sie nicht bleiben und bewarb sich auf eine Stellenausschreibung als stellvertretende Filialleiterin bei Alnatura in Köln. Über Stationen als Filialleiterin in verschiedenen Städten wechselte sie 2005 als Sortimentsmanagerin in die Zentrale in Bickenbach. Seit Ende 2008 leitet sie das Sortimentsmanagement bei Alnatura. Viele ihrer Kollegen haben Betriebswirtschaft studiert, aber auch Ökotrophologen sind unter ihnen vertreten. Wichtig sind vor allem drei Dinge, sagt sie: " Das erste ist Interesse an der Umwelt, also an der äußeren Wirklichkeit. Das zweite ist Lust und Liebe an dem, was man tut. Die Reflexion ist das dritte. Offen zu sein für Neues ergibt sich aus den drei genannten Punkten – vor allen Dingen durch das Interesse, jede Situation immer wieder neu zu bewerten." Abwechslungsreich, inspirierend und immer wieder he­raus­fordernd, so umschreibt Astrid Paefgen den Beruf eines Sortimentsmanagers. Natürlich gehört es dazu, am Rechner zu sitzen, Daten und Fakten zu analysieren und so ein Sortiment weiterzuentwickeln. Genauso wichtig ist es aber auch, Trends aufzuspüren, ihnen am besten einen Schritt voraus zu sein. Noch dazu muss ein guter Sortimentsmanager ein Gefühl dafür entwickeln, ob es sich um einen langlebigen Trend oder nur ein kurzes Aufflackern einer Innovation handelt. Das alles passiert nicht nur am Schreibtisch. Recherche vor Ort ist für diesen Beruf unabdingbar. "Ich liebe es, durch Supermärkte zu stöbern, Ladenaufbauten anzuschauen und Produkte auszuprobieren, das ist etwas Haptisches und ein ganz besonderes Erlebnis", erzählt Astrid Paefgen.

Inspirationen für neue Produkte und Sortimente ­liefern auch Alnatura Geschäftsführer Götz E. Rehn, die Mitarbeiter aus den Filialen und immer wieder die Alnatura Kunden. In den Filialen können sie ihre Anregungen zu Produkten abgeben. Der Alnatura Verbraucherservice gibt diese direkt ans Sortimentsmanagement weiter, wo sie dann ausgewertet werden. Manche Produkte oder Rohstoffe gibt es allerdings einfach nicht in Bio-Qualität.  

Eine Erfolgsgeschichte dieses Dialogs zwischen Kunden und Alnatura ist das Hildegard-Gewürz Galgant. Es wurde von den Kunden so oft nachgefragt, dass Alnatura sich irgendwann entschied, es ins Sortiment mit aufzunehmen. "Wir wären da gar nicht drauf gekommen, aber die Kunden haben schließlich auch ein Wörtchen mitzureden", lächelt Astrid Paefgen. Und wie lange dauert es nun, bis ein Produkt oder gar ein ganzes Sortiment neu im Alnatura Super Natur Markt zu finden ist? Keine einfache Frage, meint Astrid Paefgen, denn die Zeitspanne kann ganz unterschiedlich sein. Gespräche mit den Herstellerpartnern, Verkostungen, Qualitätstests und Preiskalkulationen gehören genauso zu den Aufgaben eines Sortimentsmanagers wie die Überlegung, wo in der Filiale das Produkt seinen Platz finden soll. Je nach Artikel und Sortiment kann das zwischen zwei Wochen und anderthalb Jahren dauern, wenn Artikel in der gewünschten Qualität noch nicht verfügbar sind. Frischeartikel sind häufig binnen kürzester Zeit im Sortiment. Bei Brot- und Backwaren geht es manchmal noch schneller – in der Regel 7 bis 14 Tage, Obst und Gemüse manchmal täglich. Bei einem neuen Sortiment hingegen ist der Aufwand größer, da ganze Märkte umgebaut werden müssen. Und: Für zwei Meter Raw- und Superfoods beispielsweise müssen natürlich andere Produkte weichen. Da heißt es, Entscheidungen treffen, andere Produkte auslisten oder umplatzieren. Viele dieser Prozesse müssen parallel koordiniert werden.

Astrid Paefgen selbst arbeitet nicht mehr so nah am einzelnen Produkt, sondern steht viel im Dialog mit ihren Mitarbeitern, den Teamverantwortlichen und dem Bereichsverantwortlichen. "Es macht Spaß, an dieser Nahtstelle Verantwortung zu tragen. Und es ist noch dazu eine sehr kreative und kommunikative Aufgabe, ein Sortiment gemeinsam strategisch weiterzuentwickeln", sagt sie.