Im Einklang mit der Natur

Das Alnatura Magazin zu Besuch bei Gärtner Marc Hartmann im Alnatura Garten in Bickenbach.

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Im schilfbewachsenen Teich spiegelt sich die Spätsommersonne, Insekten summen, brummen, zirpen. Gärtner Marc Hartmann ist gerade dabei, die Büsche und Hecken im Garten der Alnatura Zentrale in Bickenbach herunterzuschneiden und so langsam alles winterfertig zu machen. Jetzt im September ist auch Apfelernte: Marc Hartmann pflückt sie von den Bäumen und stellt den Alnatura Mitarbeitern kleine Körbe voller knackiger Früchte hin – manchmal sind es auch Nüsse, Pflaumen oder Lavendelsträußchen. Der Garten wurde extra für die Mitarbeiter angelegt – hier können sie Meetings abhalten und in den Pausen einfach mal durchatmen. Auf dem Fußerlebnispfad können sie die Natur barfuß mit allen Sinnen erleben.

Hände beim Pflanzen

Was macht eigentlich das Bio-Gärtnern aus?

Marc Hartmann erklärt, dass beispielsweise nur mit Hornspänen gedüngt wird. "Unkraut" wird mit dem Messer entfernt und Nacktschnecken werden umgesetzt, mehr haben sie nicht zu befürchten. Mit der richtigen Bepflanzung kann man sie zudem auf Distanz halten: Sie mögen zum Beispiel keine Katzenminze oder Glockenblumen, also setzt er diese bevorzugt. "Was die Schnecken lieben, kommt lieber nicht in den Garten." Von diesem Wissen um das von der Natur ausgetüftelte Zusammenspiel verschiedener Pflanzen und Tiere lebt die ökologische Gartenarbeit. Vor allem die biologische Vielfalt ist wichtig: Alnatura unterstützt diese mit eigenen Bienenstöcken – den Nektar sammeln die gelb-schwarzen Insekten übrigens auf der sogenannten "Bienenschmauswiese" aus einer speziellen Saatgutmischung. Nur zweimal im Jahr mäht Marc Hartmann hier, denn wild blühende Wiesen als Nahrungsgrundlage für Insekten sind in freier Natur selten geworden.

Es gibt verschiedene Wege, Bio-Gärtner zu werden.

Die klassische Ausbildung zum Gärtner im dualen System verbindet Praxisphasen im Ausbildungsbetrieb und Theoriephasen in der Berufsschule. Sie dauert zwei bis drei Jahre. Der Praxisbetrieb sollte ein zertifizierter Bio-Hof oder Bio-Gartenbaubetrieb sein; der theoretische Teil beinhaltet dann eher konventionelle Methoden, selten ökologisches Fachwissen. Das eignen sich die Auszubildenden in der Praxis und durch ein tieferes Interesse am ökologischen Gärtnern an. Die Alternative hierzu ist eine freie Ausbildung zum Bio-Bauern auf einem biologisch-dynamischen Hof. Diese bietet der Demeter-Verband an drei Standorten in Deutschland an: in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Ein Schulabschluss ist nicht zwingend notwendig. In Theorie und Praxis beschäftigen sich die Auszubildenden hier schwerpunktmäßig mit den anthroposophischen Lehren Rudolf Steiners. Die Ausbildung ist allerdings nur in Baden-Württemberg staatlich anerkannt – Demeter-Höfe erkennen die Ausbildung aber an. Wer sich besonders für die Theorie interessiert, der kann sich auch für ein Studium entscheiden. Die Universität Kassel-Witzenhausen ist hier ein Vorreiter: Sie bietet als einzige Universität den Bachelor- und Master-Studiengang Ökologische Landwirtschaft an. Es gibt aber noch weitere Fachhochschulen und Uni­versitäten mit Studienangeboten zum ökologischen Land- und Gartenbau. Nach einem konventionellen abgeschlossenen Studium an einer Uni oder FH kann man sich seit 2002 durch das Traineeprogramm Ökolandbau des Forschungsinstituts für biologischen Landbau für die Bio-Branche qualifizieren. Hier geht es darum, wirtschaftliches Denken mit ökologischer und sozialer Verantwortung zu verbinden. Denn auch die ökologische Landwirtschaft ist ertragsorientiert; der Fokus liegt hier aber auf Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit, dem Wohl der Tiere und dem Erhalt biologischer Vielfalt.

Für Marc Hartmann ist die Pflege des Alnatura Gartens der Traumberuf: "Es erdet und beruhigt mich, in der Natur und mit der Natur zu arbeiten." Sein Lieblingsort ist der Teich mit seinem entspannenden Plätschern. Bevor er durch ein Praktikum in einer Baumschule zum Gärtnern kam, arbeitete er als gelernter Hotelfachmann auf Kreuzfahrtschiffen und in verschiedenen Dienstleistungsbereichen – umso mehr schätzt er nun die körperliche Arbeit unter freiem Himmel. Und wie sieht seine Arbeit im Winter aus? "Da gibt es dann ungewollten Wuchs im Teich auszudünnen, die Geräte wollen gepflegt werden und auch die Gartenmöbel aus Holz freuen sich über eine neue Lasur", lächelt der 42-Jährige. Neue Aufgaben stehen auch schon an: "Für die Zukunft sind weitere Themenbereiche im Garten geplant, zum Beispiel ein Waldgarten." Die Alnatura Mitarbeiter dürfen sich also darauf freuen, bald zwischendurch auch mal ein bisschen Waldluft zu schnuppern.

Der Weg zum Bio-Gärtner