Die Qualität im Blick

Das Alnatura Magazin sprach mit André Lang, Produktmanager, und Gunther Weiss, Qualitätsmanager, darüber, wie aus einer ersten Idee ein Alnatura Produkt entsteht.

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Alnatura Magazin: Herr Lang, wie sieht die Arbeit eines Produktmanagers bei Alnatura aus?
André Lang:
Als Produktmanager hat man die ganze Produktionskette im Blick: die Idee für ein Produkt, die Rezeptur, den ausgewählten Hersteller, die Produktverpackung und die Resonanz der Kunden. Wir wollen Produkte entwickeln, die es noch nicht in Bio-Qualität gibt, aber auch bestehende Produkte weiterentwickeln – ein ständiger Erneuerungsprozess. Dabei arbeiten wir eng mit dem Qualitätsmanagement zusam­men, weil wir hohe Qualitätsmaßstäbe für die Alnatura Produkte haben. Auch bekommen wir regelmäßig Feedback vom Verbraucherservice, wie die Reaktionen der Kunden sind. Im Auftrag des guten Geschmacks verkosten wir selbst sehr viel. Da muss man aufpassen, dass man genug Sport macht …

Herr Weiss, wie kann man sich die Zusammenarbeit mit dem Qualitätsmanagement konkret vorstellen?
Gunther Weiss:
Während des "Produktlebenszyklus", den André Lang gerade skizziert hat, greifen wir Qualitätsmanager bei verschiedenen Phasen ein, in denen wir ein Produkt überprüfen. Wir orientieren uns dabei am "Leitfaden Produktentwicklung". Darin hat Alnatura eigene Qualitätsvorgaben formuliert, die über die EU-Bio-Verordnung hinausgehen. Anhand derer prüfen wir die Rezepturen, schauen beispielsweise, wie viele verschiedene Zutaten als Bindemittel enthalten sind, und versuchen, möglichst die Anzahl zu reduzieren. Uns sind schlanke Rezepturen am liebsten. So können die Kunden sie leicht nachvollziehen. Auch aus Sicht der Qualitätssicherung ist das ein Vorteil, denn: je weniger Zutaten, umso weniger ist zu prüfen.

Inwiefern gehen denn die Qualitätsvorgaben von Alnatura über die EU-Bio-Verordnung hinaus?
André Lang:
Ein Beispiel: Alnatura setzt in den Produkten seiner Marke gar keine Aromen ein. Frucht­joghurt mit Erdbeeraromen aufzupeppen ist von vorneherein tabu – auch wenn das laut EU-Bio-Verordnung möglich wäre.

Was tut Alnatura darüber hinaus, um die hohe Qualität der Produkte zu gewährleisten?
Gunther Weiss:
Wenn die Rezeptur für ein neues Produkt steht, der Hersteller ausgewählt ist, klar ist, woher die Rohstoffe kommen und wie die Produktion abläuft, lässt Alnatura alles noch einmal von externen Experten, dem Arbeitskreis Qualität, überprüfen. Diese unabhängigen Fachleute entscheiden letztendlich, ob es produziert wird und in den Handel kommt oder nicht. Es kann auch sein, dass wir auf Rat der Experten hin noch Anpassungen am Produkt vornehmen. Sobald eine positive Entscheidung vorliegt, geht die ­Produktentwicklung weiter voran.

Werden Produkte auch nach ihrer Einführung im Handel weiter kontrolliert?
Gunther Weiss:
Natürlich! Wir holen immer wieder Produkte aus den Märkten, um sie sensorisch zu überprüfen oder im Labor analytisch testen zu lassen. Jede Reklamation, die bei uns eingeht, wird einzeln erfasst und dokumentiert. Das machen wir akribisch und können so erkennen, ob es bei einem Produkt irgendeine Unstimmigkeit gibt. Fällt uns etwas auf, gehen wir dem nach. Wir suchen nach Verbesserungsmöglichkeiten oder nehmen das Produkt aus dem Handel, wenn es etwas Gravierendes ist. Durch dieses System können wir vermeiden, dass die Kunden mit einem bestimmten Produkt nicht zufrieden sind. Fehler kann man nie ganz ausschließen, doch es ist wichtig, aus ihnen zu lernen. Sie sind eine Grundlage, um immer wieder besser zu werden, ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess.

Wie lange dauert die Produktentwicklung unter Berücksichtigung aller Qualitätskriterien?
André Lang:
Das ist sehr unterschiedlich. Auf der einen Seite gibt es Produkte wie Bio-Gummibärchen, die jahrelang in der Warteschleife sind, bis die Entwicklung zufriedenstellend abgeschlossen ist. Auf der anderen Seite ist da ein Joghurt, welcher nur in einer anderen Packungsgröße eingeführt wird, das geht recht schnell. Es kann zwischen einem halben und einem Jahr dauern, bis ein Produkt auf dem Markt ist. Die Ausreißer nicht mitgerechnet.
Gunther Weiss: Schwierig kann es vor allem bei komplexen Produkten mit vielen Zutaten werden.

Was müssen Bewerber mitbringen, die im Produkt- beziehungsweise Qualitätsmanagement arbeiten möchten?
Gunther Weiss:
Sie sollten ein starkes Interesse an Bio-Lebensmitteln und dem ganzen Umfeld haben. Man muss da schon mit Herzblut rangehen! Wir wünschen uns Mitarbeiter, die Interesse an den Themen haben, die Alnatura bewegen, und auch Interesse an den Men­schen, die Alnatura tragen: den Mitarbeitern, Handelspartnern und Kunden. Für den Austausch mit ihnen brauchen wir Kollegen, die viel Empathie mitbringen. Wir wollen unsere Kunden begeis­tern. Dazu gehört, dass wir gern etwas für sie tun.
André Lang: Ja, das Herz muss einfach dabei sein. Ohne Offenheit, ohne die Lust, sich mit Bio weiterzuentwickeln, geht es nicht. Wir betreuen unsere Herstellerpartner sehr eng. Diese engen Beziehungen brau­chen keine leidenschaftslosen "Verwalter", sondern Menschen, die mit Sachverstand und Einfühlungsvermögen Marketing für Bio-Produkte machen wollen.

Haben Sie beide ein Lieblingsprodukt?
André Lang:
Der Bio-Räuchertofu, einfach weil er in allen Bereichen so toll einsetzbar ist – in der Gemüsepfanne, im Salat oder auch als Brotbelag.
Gunther Weiss: Momentan sind es die Bio-Gummibärchen. Nicht nur weil es eine große Herausforderung war, Bio-Gummibärchen ohne zugesetzte Aromen zu entwickeln – sie schmecken einfach toll. Und ich muss gestehen, wenn die für meine kleine Tochter im Schrank liegen, nasche ich ihr gern mal welche weg.

››› Das Gespräch führte Rena Schäfges.