Den Wald gestalten

Was macht eigentlich ein Förster? Das Alnatura Magazin hat Sebastian Seidl in sein Revier begleitet: den Staatsforst Ettersberg bei Weimar.

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Weich und federnd gibt er nach, der Boden unter unseren Füßen. Leichter Nieselregen benetzt unsere Regenjacken. Wir folgen Förster Sebastian Seidl über einen Waldweg zu seinem grünen Arbeitsplatz: in den Ettersberger Forst bei Weimar. Plötzlich bleibt er stehen, hebt seine Sprühdose und markiert eine Buche mit neonroter Farbe. "Die hier kommt weg", sagt er. "Dafür können aber andere Bäume wieder besser wachsen, weil ein Schacht entsteht, der ihnen mehr Licht, Luft und Raum gibt", erklärt er seine Entscheidung. "Unser Ziel ist, dass der Wald sich von selbst verjüngt und das gelingt so auch!" Diese sogenannte "Lichtstellung" im Wald sorgt außerdem dafür, dass es mehr Chancen für das Wachstum und Überleben seltener Pflanzenarten gibt.

Den Wald zu gestalten, ist eine von Sebastian Seidls liebsten Tätigkeiten. Seit 15 Jahren ist er in Diensten von ThüringenForst unterwegs und entscheidet, welche Bäume im Staatsforst Ettersberg gefällt werden, welche weiter wachsen dürfen – alles zugunsten des wertvollen Öko- und Wirtschaftssystems Wald. Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle. Der Förster muss immer im Blick haben, welche Auswirkungen seine Handlungen haben. Hat ein geschützter Vogel es sich beispielsweise in einer Baumkrone gemütlich gemacht und sein Nest dort gebaut, ist es selbstverständlich, dass eben dieser Baum nicht gefällt wird. Außerdem ist es ein Ziel von ThüringenForst, im Ettersberger Wald eine gesunde Mischung aus Bäumen jeden Alters und möglichst vieler Arten zu haben, die dem natürlichen Zustand am nächsten kommt, auch wenn es sich um einen Wirtschaftswald handelt. "So etwas dauert nicht selten einhundert Jahre. Erste Resultate sieht man zwar schon nach gut einem Jahrzehnt, dennoch ist der Waldbau keine Tätigkeit, die sofortige Ergebnisse beschert", sagt der Diplom-Forstingenieur. Und die Artenvielfalt in seinem Revier kann sich sehen lassen: Es gibt über 25 Baumarten, darunter Buche, Esche, Fichte, Kiefer, Ahorn sowie Obstgehölze und viele mehr.

Förster Sebastian Seidl

Der Alltag eines Försters wird größtenteils von drei Aufgabenkomplexen bestimmt. Zum einen durch die Holzernte. Dabei müssen naturschutzrechtliche Vorgaben beachtet werden und Bodendenkmäler wie Gräber oder Burganlagen werden geschützt. Zum anderen ist die Beförsterung der Wälder von Kommunen und Privatleuten ein großer Aufgabenkomplex. Die erfahrenen Förster beraten, zeichnen Bäume aus und helfen bei der Holzernte. "Außerdem unterstützen wir das Umweltamt beispielsweise bei der Pflege von Streuobstwiesen und helfen beim Mähen", beschreibt Sebastian Seidl seine vielfältigen Aufgaben. Drittens gehört auch die Jagd zum Försterberuf. Es gilt den Wildtierbestand zu kontrollieren und zu regulieren. Dabei geht ein Förster jedoch nicht immer selbst auf die Jagd, sondern setzt hierfür unter anderem auch Jäger ein. "Gäbe es beispielsweise zu viele Rehe, dann wäre der ›Verbissdruck‹ so hoch, dass der Wald nicht mehr wachsen würde", erklärt Sebastian Seidl.

Dennoch ist ein Förster nicht ständig im Wald unterwegs, sondern hat viele organisatorische und planerische Aufgaben zu bewältigen. So muss das geerntete Holz gemessen werden, die Zahlen müssen erfasst und verbucht werden. Für jeden Waldbereich gibt es Bestandsbeschreibungen, in denen dargestellt ist, welche Holzarten sich dort finden und wie die jungen Bäume zuwachsen. Nur dann lassen sich sogenannte Nutzungspläne erstellen, die vorgeben, wie viel Holz geerntet werden darf. "Wir schlagen nicht mehr ein, als nachwächst, nutzen also nur so viel Holz, wie nachkommt, meist sogar noch ein Stück darunter", erläutert er dieses Prinzip einer nachhaltigen Holzernte.

Wenn die Zeit und das Holz reif sind, geht es hinaus in den Wald. Bei den großen Holzmengen genügt allerdings keine reine Menschenkraft. Große Maschinen rücken an, denn der Forstberuf hat sich in den letzten Jahrzehnten stark technisiert. "Wir arbeiten viel mit Maschinen, die Handarbeit ist weniger geworden", sagt Sebastian Seidl. "Durch diesen Wandel wird vieles vereinfacht, dafür wird das Aufgabenfeld größer. Die Reviere heute sind oftmals doppelt so groß wie vor 20 Jahren", beschreibt er die Auswirkungen. "Aber es gibt auch weniger Unfälle, die Sicherheit ist größer geworden."

Förster Sebastian Seidl

Wir verlassen den Ettersberger Forst beim Brennholzplatz. Der wurde angesichts der steigenden Nachfrage nach dem Energieträger Holz eingerichtet. Hier können Privatleute das erworbene Holz entweder selbst vor Ort zerkleinern oder es abholen lassen. "Manchmal rückt da die ganze Familie an und dann geht’s los. Den meisten macht das eine Riesenfreude!", sagt Sebastian Seidl. Im Vorbeigehen verabschieden uns nun einige große Holzstapel – die Vorboten des Holzeinschlags, der jetzt im September/Oktober beginnt. "Wenn die ›Saftruhe‹ eintritt, wird das Laubholz geerntet. Der Herbst und der Winter sind die arbeitsintensivsten Phasen im Wald. Da ist man jeden Tag draußen", sagt Sebastian Seidl. "Überhaupt ist das vielleicht das Schönste an meinem Beruf, dass man die Witterungen alle so direkt mitbekommt", lächelt der 38-Jährige. "Und gegen die meisten Wetterkapriolen hilft ja ordentliche Kleidung!" Das können wir nur bestätigen – der Tag im Wald hat uns bereichert, trotz trübem Herbstwetter und Sprühregen!

Forstberufe

  • Höherer Forstdienst Studium der Forstwissenschaften (Master), danach 2-jähriges Referendariat. Mögliche Berufsfelder: Wissenschaftler, Referent, Forstamtsleiter etc.
  • Gehobener Forstdienst Studium der Forstwirtschaft (Bachelor), danach 1-jährige Anwärterzeit. Mögliche Berufsfelder: Revierleiter, Sachbearbeiter, Techniker etc.
  • Forstwirt/in 3-jähriger Ausbildungsberuf. Eine Meister- sowie Zusatzausbildungen (Forsttechniker, Landschaftspfleger, Berufsjäger etc.) sind möglich.
Mehr Infos unter thueringenforst.de  –› ThüringenForst –› Karriere, bdf-online.de (Bund Deutscher Forstleute) und forstwirtschaft-in-deutschland.de –› Forstwirtschaft –› Arbeitgeber Forstwirtschaft