Gastbeitrag: Bio schont Ressourcen

Im Dezember trifft sich in Paris wieder die Weltgemeinschaft, um darüber zu verhandeln, wie die Erderwärmung bei plus zwei Grad Celsius gestoppt werden könnte.

Wasserressourcen

Es ist nicht der erste Anlauf und es bleibt zu befürchten, dass dies nicht der letzte Versuch sein wird. Zwar sind im Vorfeld der Konferenz die Signale vonseiten der größten Klimasünder jetzt positiver als je zuvor, aber wird dies auch zu einem positiven Ergebnis führen? Fachleute warnen und weisen darauf hin, dass die bisherigen Bemühungen wenig erfolgreich waren und die Belastungen mit klimarelevanten Gasen wie zum Beispiel CO2, Methan oder Stickoxiden in der Erdatmosphäre eher größer geworden sind. Selbst bei Einhaltung restriktiver Maßnahmen hinsichtlich des Ausstoßes klimarelevanter Gase wird eine Erhöhung der Erderwärmung um plus vier Grad Celsius kaum zu vermeiden sein.

Was dies für viele Menschen heißt, ist absehbar: Ganze Inselgruppen werden verschwinden und an vielen Küsten werden weite Landstriche unter Wasser stehen. Das bedeutet für diese Menschen den Verlust ihrer Heimat und ihrer Lebensgrundlage. Zudem werden Naturkatastrophen zunehmen, und es wird eine sehr ungleiche Verteilung und damit auch einen ungleichen Zugang zu Wasserressourcen geben. Dies bedeutet auf der einen Seite, dass die Versorgung der Menschen mit sauberem Trinkwasser, die heute schon in vielen Teilen der Erde nicht gesichert ist, dramatisch schlechter werden wird. Auf der anderen Seite wird es auch sehr viel weniger Wasser für die Landwirtschaft geben, die schon heute über 70 Prozent des zur Verfügung stehenden Süßwassers unseres Planeten für die Erzeugung von Lebensmitteln nutzt. Eigentlich ist dies in den Bereichen der intensiven Agrarwirtschaft schon jetzt eine Übernutzung dieser wichtigen Ressource Wasser, das Lebensmittel Nummer eins. In aller Konsequenz bedeutet dies aber auch, dass zukünftig Menschen ihre Heimat nicht nur verlassen werden, weil Kriegswirren, Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit sie dazu zwingen, sondern es werden auch vermehrt Menschen ihre Heimat verlassen, weil sich die ökologischen Rahmenbedingungen dramatisch verschlechtern. Auch dies müssen sich die Verhandlungsführer bei der Weltklimakonferenz in Paris vor Augen führen.

Aber auch für uns gilt es, Rechenschaft über den Energie- und Wasserverbrauch zu geben, wenn wir unsere Einkäufe tätigen. Wenn wir zum Beispiel Lebensmittel aus den verschiedensten Teilen der Welt und zu jeder Jahreszeit kaufen, legen wir uns kaum Rechenschaft darüber ab, wie viel Wasser benötigt wurde, um beispielsweise Gemüse oder Obst dort zu erzeugen, und wie viel Wasser mit den Lebensmitteln von dort exportiert wird. Man spricht bei diesem indirekten Verbrauch von Wasser für Lebensmittel und auch für Konsumgüter von virtuellem Wasser. So beträgt der Trinkwasserverbrauch pro Person und Tag in Deutschland etwa 120 Liter, der Verbrauch an virtuellem Wasser aber 4 000 Liter. Viel von diesem virtuellen Wasser ist versteckt in unserem Einkaufskorb!

Wenn wir dabei ans Klima denken, gehört auch die Betrachtung der Energie hinzu, die zur Herstellung von Düngemitteln und Pestiziden und zur Herstellung und zum Einsatz von Maschinen und Geräten für die agrarindustrielle, auf den Export ausgerichtete Produktion von Lebensmitteln und deren Transport aufgewendet werden muss. Dass von diesen Lebensmitteln ein Teil schon auf dem Acker vernichtet wird und wir zusätzlich noch rund 30 Prozent wegwerfen, ist ein weiteres trauriges Kapitel der Verschwendung der Ressourcen Energie und Wasser!

Gegenwärtig illustriert die Wasserknappheit in Kalifornien der ganzen Welt, zu welchen negativen Konsequenzen eine Übernutzung der Ressource Wasser führen kann. Der Gemüse- und Fruchtgarten ganz Nordamerikas (zum Teil sogar der Industrieländer in der ganzen Welt) ist gefährdet! Und wenn wir unsere Tomaten (häufig außerhalb der Saison) aus Südspanien kaufen, wo große Wasserknappheit herrscht, tragen wir dort zum Wassermangel bei. Allerdings betrifft dies nicht nur die Erzeugung von Lebensmitteln. Ein deutliches Beispiel: der Aralsee in Kasachstan und Usbekistan, der zuerst durch die Anwendung von Pestiziden für die Baumwollproduktion vergiftet und dann durch die Übernutzung des Wassers in großen Teilen ausgetrocknet wurde. Mit enormem finanziellen Aufwand versucht Kasachstan nun, das völlige Austrocknen des Nordteils des Sees zu verhindern.

Daher ist es besonders wichtig, dass die Alnatura Bio-Bauern-Initiative (ABBI) ins Leben gerufen worden ist, um mehr Bauern in Deutschland dazu zu bewegen, auf den Bio-Landbau umzustellen. Denn dort wird mit den Ressourcen Energie und Wasser schon immer schonend umgegangen. Wenn die so erzeugten Lebensmittel aus der engeren oder weiteren Region stammen, dann ist damit nicht nur die Unterstützung einer bäuerlichen Landwirtschaft möglich, sondern es wird auch ein echter Beitrag zum Klima- und Wasserschutz geleistet. Daher ist es wichtig, dass diese Initiative über die Unternehmen Alnatura und Lebensbaum hinaus weitere Unterstützer findet. Alnatura Kundinnen und Kunden können durch den Kauf von Produkten mit dem Slogan "Gemeinsam Boden gut machen" ihren Beitrag dazu leisten.

›› Gastbeitrag Prof. Dr. Hartmut Vogtmann, Professor für Ökologischen Landbau an der Universität Kassel und Vorsitzender des ABBI-Beirats. Zuvor Präsident des Bundesamtes für Naturschutz und des Hessischen Landes­amtes für Regionalentwicklung und Landwirtschaft sowie Gründungsdirektor des For­schungs­instituts für biologischen Landbau in der Schweiz (FiBL).