Tierschutz auf dem Teller

Leuchttürme für mehr Tierschutz in der Gastronomie

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Weniger ist mehr! Bei kaum einem anderen Lebensmittel ist dieser Leitsatz so zutreffend wie bei Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs. Doch nicht nur die Menge, auch die Qualität und Herkunft der ­Lebensmittel ist entscheidend: "Lieber halb so viel, aber dafür doppelt so gut", lautet daher die Empfehlung von Stifter Karl Ludwig Schweisfurth für einen mitweltverträglichen Fleischkonsum.

Dennoch stammen circa 90 Prozent der in Deutschland konsumierten Fleischwaren aus industrieller Intensivtierhaltung. Die Discounter bieten Massenware zum Tiefstpreis und versuchen regelmäßig, sich in Preisschlachten gegenseitig zu unterbieten. Doch die Dumpingpreise für Fleisch und Wurst verschleiern den wahren Preis, den wir alle für die Billigware bezahlen müssen. Denn bei industriell hergestellten Produkten tierischen Ursprungs eröffnen sich weitreichende negative Folgen für Umwelt, Ressourcen, Klima und Gesundheit.

Ausgezeichnet tierfreundlich: Federica Pulisci und Orazio Lacenere, Geschäftsführer des L’Amar in München

Auch sind in der industriellen Massenproduktion die Bedingungen in Sachen Tierwohl alles andere als optimal: Die Tiere leben in großer Zahl auf engstem Raum, können wesent­liche Verhaltensweisen nicht ausleben und leiden unter den zum Teil schmerzhaften Nebenwirkungen der Hochleistungszucht. Hinzu kommen Managementpraktiken, die mit erheblichen Schmerzen verbunden sind, etwa Schnabelkürzen beim Geflügel, Schwanzkürzen beim Schwein und Enthornen der Kühe.

Alternativen dazu gibt es durchaus: Kleine, ökologisch geführte Höfe, die nicht auf Masse, sondern auf Qualität setzen. Hier haben die Tiere Auslauf im Freien, bekommen artgemäßes Futter und werden idealerweise zum örtlichen Schlachthof verbracht und nicht Hunderte von Kilometern transportiert. Immer mehr Menschen möchten diese Alternativen durch ihr Kaufverhalten gezielt stützen.

Doch selbst wer sich in seinem privaten Umfeld sehr bewusst ernährt, steht in der Kantine, im Hotel oder beim Restaurantbesuch vor der Frage, wo eigentlich das Schnitzel herkommt, das auf seinem Teller liegt. Und obwohl es immer mehr Vegetarier und auch Veganer gibt, ist es längst nicht selbstverständlich, dass ein abwechslungsreiches Angebot an vegetarischen oder veganen Gerichten besteht.

Hier setzt "Tierschutz auf dem Teller" an. Das Projekt der Schweisfurth-Stiftung München und der Umweltbeauftragten der evangelischen und der katholischen Kirche in Bayern möchte auf die Tierschutzproblematik in der Außer-Haus-Verpflegung aufmerksam machen und Vorzeigebetriebe für ihr Engagement in Sachen Tierschutz in der Gastronomie ehren.

Tagungshäuser, Caterer, Kantinen, Restaurants und Hotels, die auf die Herkunft und die tiergerechte Herstellung der Zutaten tierischen Ursprungs achten, werden zertifiziert und mit einer Tierschutz-Kochmütze und einer Urkunde ausgezeichnet. So können alle sehen: Hier spielt nicht nur der Gast, sondern auch das Wohl der Tiere eine wichtige Rolle.

Küchen, die am Projekt "Tierschutz auf dem Teller" teilnehmen, unterzeichnen eine Vereinbarungserklärung, in der sie sich verpflichten,

  • mindestens 60 Prozent der tierischen Erzeugnisse aus tiergerechter, ökologischer Tierhaltung anzubieten,
  • auf tierquälerisch erzeugte Delikatessen zu verzichten, und
  • stets vegetarische und / oder vegane Alternativen anzubieten.

Restaurants, die teils ökologische, teils konventionelle Waren beziehen, dokumentieren ihre Wareneingänge. Diese Aufstellung wird von einem Zertifizierer ausgewertet. Bereits Bio-zertifizierte Betriebe reichen eine entsprechende Bescheinigung des betriebseigenen Kontrolleurs ein. Alle zwei Jahre wird die Einhaltung der Kriterien erneut überprüft.

Für ihr Engagement werden die zertifizierten Betriebe in einem feierlichen Rahmen mit der Tierschutz-Kochmütze und einer Urkunde ausgezeichnet. Die Preisträger sind Leucht­türme, die zeigen, dass es auch anders geht – und dass sich der Einsatz lohnt. Vorrangig wurden Betriebe im Großraum München prämiert – langfristig sollen jedoch auch deutschlandweit Restaurants, Firmenkantinen und Schulen ausgezeichnet werden.

››› Gastbeitrag Isabel Boergen, MSc., Projektleitung und wissenschaftliche Mitarbeit Schweisfurth-Stiftung München

Kurz gefasst

Träger des Projekts "Tierschutz auf dem Teller" ist die Schweisfurth-Stiftung München. Sie wurde 1985 von Ökopionier Karl Ludwig Schweisfurth gegründet. Der Schwerpunkt der Stiftungsarbeit liegt auf der Schaffung einer gerechten, nachhaltigen und verantwortungsbewussten Land- und Lebensmittelwirtschaft. Mit Veranstaltungen, Vorträgen und intensiver Projektarbeit möchte die Stiftung eine breite Öffentlichkeit ansprechen und Verhaltensänderungen anregen.