Wehe, wenn die Wildsau kommt

Tierische Mutterliebe, dunkles Haarkleid, Steckdosen-Nase und die kleinen tragen schicke Streifen: Wildschweine.

Berlin, München, Hamburg – keine Orte, an denen man ein Wildschwein erwarten würde. Doch immer häufiger tauchen die Tiere auch in Randbezirken von Großstädten auf. Was sollen Menschen tun, wenn sie unerwartet im Garten, auf dem Spazierweg oder sogar im Stadtpark auf Schwarz wild treffen? Dann gilt es, vor allem Ruhe zu bewahren und den geordneten Rückzug anzutreten.
Dass immer mehr Wildschweine in die Städte vordringen, hängt hauptsächlich mit dem Fehlverhalten der Menschen zusammen. Achtlos weggeworfener Müll, Kompost im Garten und volle Abfallkörbe am Straßenrand locken die Tiere in die Stadt. Es ist für Wildschweine viel bequemer, im Wohlstandsmüll zu wühlen, als bei fester Schneedecke nach essbaren Wurzeln, Regenwürmern und Insekten zu graben. Regel Nummer eins lautet: Nicht füttern! Auch wenn die Wildschweine noch so zutraulich und possierlich erscheinen: Sie sind "wilde" Tiere!

Vom Hausschwein unterscheiden sich Wildschweine schon auf den ersten Blick durch ihr dunkles Haarkleid. Die schwarzen Borsten gaben dem Tier auch seinen Namen: Experten sprechen manchmal auch von Schwarzwild. Wildschweine haben einen kräftigen Nacken und einen keilförmigen Kopf. Sie können sehr gut hören und riechen, aber ziemlich schlecht sehen. Auf kräftigen Beinen gehen sie durchs Leben.

Ihre Jugendzeit verbringen sie in Familienverbänden, den sogenannten Rotten. Diese sind bei Landwirten gefürchtet, denn sie können erhebliche Fraßschäden in den Feldern anrichten. Eine Wildschweinrotte wird immer von einer "Frau", der Leitbache, geführt. Die bis zu 150 Kilogramm schweren, mächtigen Männchen, die Keiler, sind dagegen Einzelgänger. Nur im Winter, wenn die Paarungszeit der Wildschweine ihren Höhepunkt erreicht, trifft man auch Keiler in einer Rotte an. Nach drei Monaten, drei Wochen und drei Tagen bringt eine Bache dann bis zu zehn Frischlinge zur Welt.

Tierische Mutterliebe

Wildschweine

Anfang März werden die meisten Frischlinge geboren. Wildsauen sind "gute Mütter": Sie polstern für ihre Frischlinge das Lager, den sogenannten Kessel, mit Gras und Farn zu einem warmen Nest aus. Hier verbringen die jungen Wildschweine die ersten zwei Wochen ihres Lebens. Gegen natürliche Feinde wie Füchse, aber auch gegenüber Menschen verteidigt die Bache ihren Nachwuchs energisch. Wer beim Spaziergang einer Bache mit ihren kleinen Frischlingen begegnet, muss mit einem Angriff rechnen. Und dann ist Vorsicht geboten: Starke Bachen bringen mitunter über einhundert Kilogramm auf die Waage. Ihr Biss kann äußerst schmerzhaft sein. In der Regel verursachen sie schlecht heilende Quetschwunden. Spaziergängern ist deshalb dringend geraten, die Nähe der Frischlinge zu meiden. Auch wenn sie noch so niedlich aussehen, junge Wildschweine sind keine Streicheltiere. Durch geräuschvolles Ausatmen – der Jäger spricht von "Blasen" – warnen die Tiere sehr eindrucksvoll. Manchmal laufen sie auch direkt auf den vermeintlichen Feind zu, um dann abrupt zu stoppen. Diese Scheinangriffe sollen Eindruck schinden. Wer also unverhofft zwischen ein Muttertier und ihren Nachwuchs gerät, sollte sich zügig zurückziehen.

Wenn die Frischlinge noch sehr klein sind, sind sie besonders emp findlich gegen Nässe und Kälte. Drei bis vier Monate lang werden sie von der Bache gesäugt. Im Gegensatz zu Hausschweinen haben Wildschweine zehn Zitzen. Schon nach kurzer Zeit weiß jeder Frischling, wo sich "seine" Zitze befindet – der Experte spricht von "Zitzentreue". Erst im Alter von fünf Monaten verlieren die Frischlinge ihre Streifen. Zusammen mit dem Nachwuchs anderer Bachen leben sie gemeinsam in "Mutterfamilien". Die jungen "Männer" dürfen gemeinsam mit den "Mädels" im Familienverband bleiben. In ihrem zweiten Lebensjahr werden sie dann aus der Gruppe vertrieben.

››› Gastbeitrag von Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung

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