Überlebenskünstler Haselmaus

Winterschlaf und Winterruhe sind die perfekten Überlebensstrategien, wenn es kalt und in der Natur die Nahrung knapp wird. So zieht sich auch die Haselmaus im Winter zurück.

Der Goldene Oktober ist vergangen, November-Nieselregen beherrscht bald wieder die Großwetterlage. Viele Wildtiere verkriechen sich dann und verschlafen die kalte Jahreszeit bis zum nächsten Frühjahr. Winterschlaf und Winterruhe sind eine perfekte Überlebensstrategie, wenn es kalt und in der Natur die Nahrung knapp wird. Langschläfer profitieren von der Hilfe und Rücksichtnahme der Menschen. Laubhaufen dienen Grasfröschen, Erdkröten und Igeln wie eine dicke Decke als Schutz, um Eis und Schnee zu trotzen. Unter dem Laub finden sich Kellerasseln, Schnecken und andere kleine Zersetzer, die den Großen als Nahrung dienen. Zu viel Ordnung im Garten kann deshalb ein Todesurteil für Winterschläfer sein. So rauben Laubbläser vielen Tieren ihr dringend benötigtes Winterquartier.

Nicht nur Laub, auch Steinhaufen und Holzstapel dienen als Schlafplätze. Schmetterlinge wie das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs überwintern hingegen am liebsten in Kellern und auf Dachböden. Dort heften sie sich in stille Winkel und wirken wie tot. Insekten überleben die Kälte nur, weil sie eine Art Alkohol im Blut haben. Dieses Glyzerin funktioniert wie ein Frostschutzmittel und setzt den Gefrierpunkt des Insektenblutes herab. Nur dann können Eiskristalle die Zellen nicht zerstören.

Säugetiere haben andere Fähigkeiten entwickelt, um gut über den Winter zu kommen: Sie polstern ihre Schlafstätte aus, legen Vorräte an und fressen sich vorher eine dicke Fettschicht an. Trotzdem funktioniert der Trick mit dem Winterschlaf nur, wenn sie die Körpertemperatur bis auf drei Grad senken. Igel schlafen so bis zu vier Monate lang, Murmeltiere sechs Monate und Siebenschläfer sogar sieben Monate. Der Fettvorrat dient als Energiespeicher und isoliert gleichzeitig gegen die Kälte. Herzschlag und Atmung sind enorm verlangsamt, und Murmeltiere machen sogar minutenlange Atempausen!

Eichhörnchen, Dachse und Biber hingegen schlafen nicht: Sie ruhen nur.

In ihren Bauten und Höhlen sind sie reaktionsfähig. Manchmal gehen sie sogar auf Nahrungssuche, um die Vorräte aufzustocken. Weil sie nicht schlafen, sprechen Biologen von Winterruhe.

Sogar große Säugetiere wie Hirsche und Rehe können im Winter in eine Art Energiesparmodus verfallen. Dann reduzieren sie ihre Körpertemperatur, verringern ihren Herzschlag und vermeiden unnötige Bewegungen. Ihr Verdauungstrakt hat sich verkleinert, weil sie oft nur dürre Gräser und Brombeerblätter finden. Der Rothirsch fährt seinen Stoffwechsel so weit herunter, dass die körpereigene Heizung auf Sparflamme läuft. Sein Pansen fasst im Winter 60 Prozent weniger Nahrung als im Herbst. Wird die Ruhephase der Tiere gestört, brauchen sie viel Energie für die Flucht. Sie müssen den Stoffwechsel hochfahren und dafür die Körperheizung wieder anwerfen. Doch bevorzugte "Brennstoffe" wie Gräser, Kräuter und Flechten, Eicheln und Kastanien sind im Winter kaum zu finden. Häufig müssen Hirsche dann auf die Rinde der Bäume zurückgreifen. Dadurch entstehen die von den Förstern gefürchteten "Schälschäden". Spaziergänger sollten deshalb unbedingt auf den Wegen bleiben, damit die Tiere nicht aufgescheucht werden.

Die ersten Winterschläfer stehen erst im März wieder auf. Igel, Eidechsen, Erdkröten und Co. verlassen dann ihre Schlafstätten. Hummeln werden schon sehr viel früher wach. Wenn die Temperatur nur ein paar Tage bei plus fünf Grad liegt, "brummen" sie sich quasi warm. Der Siebenschläfer hingegen müsste eigentlich Langschläfer heißen, denn er kommt oft erst im Mai wieder zum Vorschein. Im Herbst liegt er schon im Tiefschlaf. Er hat sich nämlich bereits im September zurückgezogen.

››› Gastbeitrag von Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung

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