Der Feldhase – Spitzensportler auf dem Acker

Wer an Hasen denkt, erinnert sich an seine Kindheit. Vor dem inneren Auge erscheint der Osterhase. Man geht auf Eiersuche und träumt sich zurück in eine Zeit, als man "Häschen in der Grube" sang.

Doch heute wissen nur noch wenige Menschen, wie der Feldhase läuft. Auf dem Acker ist Lepus europaeus, der Feldhase, ein Spitzensportler. Er kann drei Meter weit und zwei Meter hoch springen. Berühmt sind seine blitzschnellen Richtungswechsel. Er biegt abrupt ab und schlägt einen Haken, um seine Verfolger zu verwirren. Auf der Flucht flitzt der Hase mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde über den Acker.

Ein ausgewachsener Feldhase wiegt vier bis sechs Kilogramm. Besonders auffallend sind die bis zu 15 Zentimeter langen Ohren, mit denen er selbst leiseste Geräusche auffangen kann. Bei großer Hitze stellt er die langen Ohren in den Wind und leitet darüber erhöhte Körpertemperatur ab. Der Feldhase hat es gern warm und trocken. Am liebsten lässt er sich auf offenen Flächen mit guter Rundumsicht nieder. Er ist zwar kurzsichtig, doch das Fluchttier hat mit seinem Sichtfeld von nahezu 360 Grad den perfekten Überblick. In den Ackerboden scharrt er kleine Mulden, sogenannte Sassen. Bei Gefahr hockt er regungslos in dieser Erdmulde und im Winter lässt er sich dort sogar einschneien. Er liebt sein Heim und behält sein Revier meist ein Leben lang. Feldhasen sind übrigens Feinschmecker. Die Vegetarier ernähren sich von Klatschmohn, Kräutern und Gräsern, doch auch Getreide und Baumrinde knabbern sie zum Ärger der Landwirte und Förster gern.

Sein Name ist Hase, nicht Kaninchen

Kaninchen und Feldhase sind nur weitläufig verwandt und einfach zu unterscheiden. Der Hase ist viel größer und schwerer als das Kaninchen. Außerdem hat das Kaninchen kurze Ohren. Während Kaninchen nackt und blind in einer Erdhöhle auf die Welt kommen, wird der Hasennachwuchs auf dem freien Feld geboren, hat gleich nach der Geburt ein Fell und kann sofort sehen und laufen. Trotzdem bleiben die Kleinen während der ersten drei Lebenswochen ausschließlich in der Sasse. Kaninchen hingegen leben in Kolonien und verstecken ihre Jungen in weitverzweigten Bauten.

Bereits mit sieben Monaten ist der Feldhase geschlechtsreif und kann viermal im Jahr bis zu drei Junge bekommen. Die Paarungszeit beginnt im Januar und dauert bis September. Im März erreicht sie ihren ersten Höhepunkt. Mehrere Häsinnen und Rammler versammeln sich zur "Hasenhochzeit" auf dem Acker. Dann entscheiden die Häsinnen, mit welchen Rammlern sie sich paaren. Vorher liefern sich die Rammler auf dem Feld wahre Boxkämpfe. Sie schlagen mit den Vorderpfoten aufeinander ein, um ihre Kräfte zu messen. Innerhalb kürzester Zeit paart sich die Häsin mehrmals. Der Nachwuchs eines Wurfes kann deshalb unterschiedliche Väter haben. Außerdem kann die Häsin während der etwa 40-tägigen Tragezeit noch einmal trächtig werden. So können sich Embryonen unterschiedlicher Entwicklungsstadien in der Gebärmutter befinden. Das nennt man Superfötation. Die Häsin ist nur einmal am Tag für wenige Minuten nach Sonnenuntergang bei ihrem Nachwuchs, um zu säugen. Trotzdem ist sie keine "schlechte Mutter": Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, damit Fressfeinde wie Greifvögel und Rabenkrähen den Nachwuchs nicht finden.

Der Feldhase ist nicht akut in seinem Bestand bedroht, aber seine Zahl hat sich in den letzten Jahrzehnten stark reduziert. Hauptgrund sind die Folgen der intensiven Landwirtschaft. Es gibt nur noch wenige Hecken, Feldgehölze und Kräutersäume an den Ackergrenzen. Gerade die braucht der Feldhase aber als Nahrungsquelle und Deckung vor seinen Feinden. Viele Landwirte mähen ihre Wiesen oder pflügen ihre Flächen gerade dann, wenn die Häsin Junge hat. Die Kleinen können nicht flüchten und werden so zum Opfer der Maschinen. Ist das Frühjahr kalt und verregnet, sterben ebenfalls viele Junghasen.

››› Gastbeitrag von Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung

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