Das Kaninchen ist kein Osterhase!

Oberflächlich betrachtet gibt es eine gewisse Ähnlichkeit. Deshalb werden Wildkaninchen und Feldhasen häufig miteinander verwechselt. Doch sie sind recht einfach zu unterscheiden.

Oberflächlich betrachtet gibt es eine gewisse Ähnlichkeit. Deshalb werden Wildkaninchen und Feldhasen häufig miteinander verwechselt. Doch sie sind nur weitläufig miteinander verwandt und recht einfach zu unterscheiden. Die beiden sind sich verwandtschaftlich sogar so fern, dass es keine Kreuzungen zwischen Wildkaninchen und Feldhasen gibt.

"Wer sich Abbildungen unseres ›Osterhasen‹ genau anschaut und ihn mit seinem lebenden Vorbild vergleicht, erkennt sofort: Der Osterhase ist ein Feldhase und kein Kaninchen!", erklärt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. Denn Feldhasen sind viel größer und schwerer als Kaninchen. Ausgewachsene Exemplare wiegen bis zu fünf Kilogramm – ein Wildkaninchen hingegen bringt im Durchschnitt gerade mal anderthalb Kilogramm auf die Waage. Auch die langen Löffel fallen beim Feldhasen sofort auf. Kaninchen haben viel kürzere Ohren, wodurch ihr "Gesicht" runder wirkt. Die langen Hinterbeine des Feldhasen machen ihn zu einem sehr guten Sprinter über lange Strecken, Kaninchen flitzen dagegen auf wesentlich kürzeren Beinen möglichst schnell ins Gebüsch, wenn Gefahr droht. Ihre Streifgebiete liegen nie weit vom Heimatbau entfernt. Selten bewegen sie sich weiter als 800 Meter von ihrem Bau weg.

Tierischer Nachwuchs

Von Geburt an sind die Unterschiede zwischen Feldhase (Lepus europaeus) und Kaninchen (Oryctogalus cuninculus) unübersehbar. Kaninchen kommen nach einer Tragzeit von 28 bis 31 Tagen mit maximal 50 Gramm in einer gegrabenen Erdhöhle auf die Welt. Die Häsin (so heißt auch das weibliche Tier bei Wildkaninchen) hat in einer Satzröhre ein Nest gebaut, das sie mit Bauchwolle für die Jungtiere ausgepolstert hat. Meist kommen fünf Wildkaninchenjunge zur Welt. Sie sind nackt und blind, während der Hasen-Nachwuchs oberirdisch geboren wird und schon bei der Geburt ein Fell trägt. Hasenjunge können außerdem sofort sehen und laufen. Der Wildkaninchen-Nachwuchs wartet geschützt in dem verschlossenen Wurfbau auf die Kaninchen- Mutter, die in der Nacht kommt, um die Jungen zu säugen.

Einzelgänger und kontaktfreudiger Geselle

"Während Feldhasen Einzelgänger sind, lieben Kaninchen das gesellige Leben in Kolonien", nennt Goris einen weiteren Unterschied. Sie legen unterirdische Gänge im Bau an, graben dafür bis zu drei Meter tief ins Erdreich und bewegen sich in tunnelartigen Verbindungsgängen, die bis zu 50 Meter lang sein können, von einem Ende zum anderen. Es gibt einen gemeinsamen Kotplatz, der intensiv mit den Analdrüsen markiert und gekennzeichnet wird. Denn in der Kaninchen-Kolonie herrscht eine strenge hierarchische Sozialordnung. Es gibt ranghohe Häsinnen und Rammler und rangniedrigere Tiere, die manchmal sogar von der Fortpflanzung ausgeschlossen sind. Fremde Kaninchen haben in der Kolonie keine Chance. Sie werden sofort aus dem inneren Bereich des Baus vertrieben. Der Hase hingegen versteckt sich nicht in unterirdischen Bauten. Er legt sich stattdessen in eine Sasse. Das ist eine einfache Vertiefung auf dem Acker. Dort harrt er selbst bei eisigen Temperaturen aus und lässt sich im Winter dort sogar einschneien. Er ist auch bei Tage häufig zu sehen. Kaninchen hingegen sind vornehmlich dämmerungs- oder gar nachtaktiv und suchen bei Gefahr nach Möglichkeit sofort ein Versteck auf. Ihr gedrungener Körper eignet sich nicht für lange Laufstrecken bei einer Flucht. Der Feldhase dagegen ist kein Hasenfuß: Er schlägt Haken, verwirrt so seine Verfolger und sprintet mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde über den Acker. Ursprünglich kommen Wildkaninchen aus Spanien und Nordafrika. Schon früh hat der Mensch sie domestiziert und als "Stallhase" in Gefangenschaft gehalten.

››› Gastbeitrag Deutsche Wildtier Stiftung

Die Deutsche Wildtier Stiftung

Ein Stimme für heimische Wildtiere! Wildtiere in Deutschland schützen und Menschen für die Schönheit und Einzigartigkeit der heimischen Wildtiere begeistern – das ist das Anliegen der Deutschen Wildtier Stiftung. Das Wissen über die Natur darf nicht verloren gehen. Deshalb bietet die Stiftung gerade Kindern und Jugendlichen viele Angebote, durch die sie Wildtiere erleben und mehr über sie erfahren. Mit konkreten Projekten erhält die Stiftung Lebensräume von Wildtieren in Deutschland und setzt sich bei Politik und Wirtschaft für ihren Schutz ein. Im Naturerlebnisprojekt Wildtierland Gut Klepelshagen im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern erleben Besucherinnen und Besucher auf über 2.000 Hektar Fläche heimische Wildtiere, die ohne Zäune und Gehege in Freiheit leben. Darunter sind auch zahlreiche seltene Arten. Die wildtierfreundliche Land- und Forstwirtschaft gibt den Tieren ihre Lebensräume zurück. Schirmherr der gemeinnützigen Deutschen Wildtier Stiftung ist Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog.

Deutschland braucht seine Wildtiere. Helfen Sie bitte, den Wildtieren eine Zukunft zu geben! Unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung mit Ihrer Spende! Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 846 43 00, BLZ 251 205 10. Herzlichen Dank.

Deutsche Wildtier Stiftung, Billbrookdeich 216, 22113 Hamburg
Telefon 040 / 33 39 1880, Fax 040 / 733 02 78