Adler - Der letzte Schrei?

Schreiadler stehen auf der Roten Liste der extrem gefährdeten Vögel – nur noch einhundert Brutpaare leben in Deutschland.

Der Schreiadler misst nur etwas über 60 Zentimeter und hat eine Flügelspannweite bis zu 170 Zentimetern, aber mit seinem schokoladenbraunen Federkleid ist der "Kleine" für viele Vogelfreunde auch der Schönste. Der Balzflug des Schreiadlers wird auch Girlandenflug genannt. Mit einem langgezogenen Pfiff oder quietschenden "Wiiiiik" lässt sich das Männchen vom Himmel fallen, um dann steil wieder an Höhe zu gewinnen.

Wer den Hochzeitsflug je beobachtet hat, ist fasziniert und eigenartig berührt. Nach kurzer Balz legen die Schreiadler Ende April bis Anfang Mai zwei Eier. Von den geschlüpften Jungen wird aber nur eines aufgezogen. Das Zweitgeborene wird durch die Attacken des Geschwistervogels am Fressen gehindert und stirbt. Dieses angeborene Verhalten wird als "Kainismus" bezeichnet. Bei ungünstigen Wetterlagen kümmern sich Schreiadler-Eltern besonders rührend um ihren Nachwuchs. An extrem heißen Tagen breiten sie beispielsweise ihre Flügel wie einen Sonnenschirm über dem Küken aus. Nach dem Schlüpfen der Jungen bleibt nur noch wenig Zeit für grazile Flüge: Jetzt heißt es hungrige Schnäbel stopfen! Der Nachwuchs frisst Kleinsäuger wie Wühlmäuse oder Amphibien. Es wirkt befremdend und skurril, aber der Flugkünstler jagt die Beute für sich und sein Junges am liebsten zu Fuß. Dabei läuft er flink über die Wiese, um sie zu erwischen.

Kein Raum zum Leben
Der Schrei des kleinen Adlers ist heute immer seltener zu hören. Es gibt noch einhundert Brutpaare in Deutschland. Längst stehen die extrem gefährdeten Vögel auf der Roten Liste und sind vom Aussterben bedroht. Wenn die Tiere nach ihrer langen, gefahrvollen Reise aus dem gut 10.000 Kilometer entfernten südlichen Afrika zurückkehren, suchen sie in ihrer "alten" Heimat oft vergebens nach geeigneten Brutgebieten. Denn der "Kleine" hat große Ansprüche an seinen Lebensraum: Er brütet am liebsten in dichten Laub- und Mischwäldern. Aber er braucht auch Feuchtwiesen in der Nähe, um Amphibien für seinen Nachwuchs zu erbeuten. Wo gibt es diese Lebensräume heute noch? Längst haben Land- und Forstwirtschaft die Heimat des kleinen Adlers verändert – und Schreiadler mögen keine Veränderungen. Die Feuchtgebiete wurden entwässert, einst blühende Wiesen in Maisfelder umgewandelt.

Ackern für den Adler
Die Deutsche Wildtier Stiftung engagiert sich seit Jahren für den Schreiadler. Der Sicherung von Brutgebieten und Lebensräumen wurde dabei seit jeher eine hohe Priorität eingeräumt. Um den selten gewordenen Adler zu retten, hat die Deutsche Wildtier Stiftung jetzt ein neues Schutzprojekt gestartet. Neben der maßgeblichen Förderung durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) wird das Projekt auch vom Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt. In fünf Schreiadler-Lebensräumen sollen modellhaft Maßnahmen zu seinem Schutz erprobt und so die Schreiadler- Vorkommen langfristig gesichert werden.

Die Projektgebiete liegen im Naturpark Feldberger Seenlandschaft und bei Teterow im Landkreis Güstrow. In den ausgesuchten Brutgebieten werden jeweils etwa 50 Hektar Offenland und Wald schreiadlergerecht bewirtschaftet. "Wir wollen mit den Land- und Forstwirten langfristige Verträge abschließen, damit der Schreiadler auch in Zukunft geeignete Lebensräume findet", sagt Andreas Kinser, Projektleiter bei der Deutschen Wildtier Stiftung. "Wichtig sind die Umwandlung von Ackerland in Grünland und Nutzungseinschränkungen in den Brutwäldern." Grundsatz im Projekt ist die Zusammenarbeit mit Land- und Forstwirten auf freiwilliger Grundlage und ein Ausgleich von wirtschaftlichen Nachteilen. "Ohne eine Zusammenarbeit schaffen wir es nicht, den Adler zu retten."

››› Gastbeitrag von Eva Goris, Deutsche Wildtier Stiftung

Und so können Sie helfen

Mit 50 Euro machen Sie möglich, dass ein Hektar Erlenwald für ein Jahr unberührt bleibt, also nicht forstwirtschaftlich genutzt wird. 150 Euro pro Jahr kostet es, damit bisher intensiv bewirtschaftete Grünlandflächen zu schreiadlergerechten Nahrungsgebieten werden können. 500 Euro pro Jahr kostet es, damit ein Hektar Weizenacker in eine Schreiadler-Grünlandfläche umgewandelt werden kann.

Die Deutsche Wildtier Stiftung

Ein Stimme für heimische Wildtiere! Wildtiere in Deutschland schützen und Menschen für die Schönheit und Einzigartigkeit der heimischen Wildtiere begeistern – das ist das Anliegen der Deutschen Wildtier Stiftung. Das Wissen über die Natur darf nicht verloren gehen. Deshalb bietet die Stiftung gerade Kindern und Jugendlichen viele Angebote, durch die sie Wildtiere erleben und mehr über sie erfahren. Mit konkreten Projekten erhält die Stiftung Lebensräume von Wildtieren in Deutschland und setzt sich bei Politik und Wirtschaft für ihren Schutz ein. Im Naturerlebnisprojekt Wildtierland Gut Klepelshagen im südöstlichen Mecklenburg-Vorpommern erleben Besucherinnen und Besucher auf über 2.000 Hektar Fläche heimische Wildtiere, die ohne Zäune und Gehege in Freiheit leben. Darunter sind auch zahlreiche seltene Arten. Die wildtierfreundliche Land- und Forstwirtschaft gibt den Tieren ihre Lebensräume zurück. Schirmherr der gemeinnützigen Deutschen Wildtier Stiftung ist Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog.

Deutschland braucht seine Wildtiere. Helfen Sie bitte, den Wildtieren eine Zukunft zu geben! Unterstützen Sie die Arbeit der Stiftung mit Ihrer Spende! Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, Konto 846 43 00, BLZ 251 205 10. Herzlichen Dank.

Deutsche Wildtier Stiftung, Billbrookdeich 216, 22113 Hamburg
Telefon 040 / 733 39 1880, Fax 040 / 733 02 78