Mein Gemüsegarten im Juli

Das Beste am Juli? Die Beeren! Anja Waldmann, seit über 15 Jahren bei Alnatura, gewährt uns monatlich Einblicke in ihren Garten.

Platzhalter

Ich habe kaum das Gartentor hinter uns geschlossen, da sehe ich schon glückliche Gesichter und kleine pflückende Hände. Die Auswahl ist groß und ausnahmsweise – das ist bei diesen drei Kindern eher selten – für jeden Geschmack etwas dabei: von aromatischen Himbeeren und süßen Brombeeren über knackige Stachelbeeren bis hin zu den Roten und Schwarzen Johannisbeeren. Nur von den Erdbeeren haben uns die Schnecken kaum etwas übrig gelassen – aber wir wollen mal nicht so kleinlich sein. Die Beerensträucher hängen voll, vermutlich auch dank der Kompostgabe vom Frühjahr. In diesem Jahr reicht es wohl sogar für Kuchen, Kompott und Gelee. Sprich: Es gibt viel zu tun.

Dabei ist mein Thema im Juli das Gießen. Dachte ich am Anfang meiner Gartenlaufbahn noch "Das muss die Natur selbst regeln", lehrten mich die mickrigen Erträge – besonders im Vergleich zum fleißig gießenden Nachbarn – etwas anderes. Doch Wasser ist bekanntlich kostbar und mein schöner Garten leider nicht am Haus. Ziemlich unpraktisch, da am Nachmittag oft die Zeit für eine Stippvisite fehlt und ich mich am Abend nicht immer motivieren kann, noch einmal aufs Rad zu steigen und dann Gießkanne um Gießkanne vom Bach zum Gemüsebeet zu tragen. Wie froh war ich da, im Gartenratgeber zu lesen: im Hochsommer lieber zweimal wöchentlich gründlich wässern als täglich in geringen Dosen. Ist auch logisch, ein bisschen Oberflächenwasser dringt an heißen Tagen kaum in den Boden ein, es verdunstet zuvor. Das viele Wasser einer großen Gießkanne, aufgebracht auf einen Quadratmeter Boden, hat schon mehr Chancen, in tiefere Erdschichten und damit auch an die Wurzeln von Tomate, Gurke und Co. vorzudringen.

Selbstgemachter Dünger

Diese freuen sich jetzt in ihrer besten Wachstumsphase übrigens nicht nur über Flüssigkeit, sondern brauchen Dünger. Fest steht, Kunstdünger kommt für meine Bio-Pflanzen nicht infrage. Stattdessen werden die mittlerweile beerensatten Kin­der mit Handschuhen und Eimer ausgestattet. Ihr Auftrag: Brennnessel, Beinwell und den reichlich vorhandenen Giersch sammeln. Daraus machen wir eine Jauche, das heißt, wir übergießen das Sammelgut mit Wasser. Nach einigen Tagen und regelmäßigem Umrühren ist daraus eine Brühe geworden, deren Geruch kaum auszuhalten ist. Doch Nase zu und durch, denn hier stecken Stickstoff, Phosphor und all das drin, was die Gartenfrüchte zum Großwerden brauchen. Im Verhältnis eins zu zehn (Jauche zu Wasser) wird dann ge­gossen. Für schneckengeplagte Gärtner gilt übrigens: in den frühen Morgenstunden gießen. Ich gebe zu, mir ist das ­noch nicht oft gelungen. Aber wenn, dann ist es ein Erlebnis. Denn Amsel, Meise, Fink und Star sind längst schon da.