Mein Gemüsegarten im August

Ein Gemüsegarten im August – das ist eine schwierige Sache. Zumindest, wenn man schulpflichtige Kinder hat, deren Sommerferien genau in diesem Monat liegen und die sich nichts sehnlicher wünschen, als ans große, blaue Meer zu reisen.

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Mein blumig ausgeschmückter Alternativvorschlag "Zelten im Garten" wurde einstimmig abgelehnt oder, besser gesagt, gar nicht wirklich ernst genommen. So sind wir also bald weg und der Garten muss drei lange Wochen ohne mich auskommen. Das Gute an der Kombination Gemüsegarten und August ist: In keinem anderen Monat kann man sich bei Freunden oder Nachbarn so großzügig für Gießdienste bedanken. Man überlässt ihnen einfach die Ernte. Doch bis dahin gibt es noch ­einiges zu tun, Rasen mähen beispielsweise. Zum einen sind drei Wochen für das Wiesengrün eine lange Zeit und zum anderen brauche ich den Schnitt, um ihn großzügig auf die Beete zu verteilen – in Fachkreisen Mulchen genannt. Diese Schicht von noch unverrottetem organischen Material schützt die Erdkrume vor Hochsommersonne und kann den Boden der Gemüsebeete feucht halten. Weniger zu tun für den "Pflegedienst". Noch einmal gründlich hacken, Unkräuter ziehen und mit verdünnter Brennnesseljauche für Nährstoffe sorgen – das war es dann auch an Hilfestellung für das Gemüsebeet.

Nun bereite ich die Tomaten auf meine Sommerpause vor. Sie stehen nicht auf dem Beet, sondern durften in diesem Jahr ins eigentlich stillgelegte Gewächshaus ziehen. Eigentlich stillgelegt? Nun ja, in einem Gewächshaus muss man immer gießen – selbst wenn es draußen in Strömen regnet. Von dieser Bürde wollte ich mich befreien, doch bisher hat beinahe jedes Jahr die Braunfäule unerbittlich zugeschlagen. Die Blätter und später auch Früchte der im Freien stehenden Tomaten wurden unansehnlich, fielen ab und an Ernte war nicht zu denken. Daher habe ich in diesem Mai kurzerhand, und von einem frühsommerlichen Motivationsschub getrieben, das alte Gewächshaus von Gerümpel und Unkraut befreit, um es stattdessen mit Tomaten, Basilikum und Knoblauchzehen zu bestücken. Und es sieht paradiesisch aus in diesem kleinen Glashaus. Die Tomaten müssen noch einmal gründlich ausgegeizt werden, das heißt, man entfernt sämtliche in den Blattachseln sitzenden Seitentriebe. Auch kappe ich, da bereits reichlich Früchte an den Pflanzen hängen, den Haupttrieb. So geht alle Pflanzenkraft in die schon gebildeten Tomaten, neue würden sowieso nicht mehr ausreifen. Und nun heißt es seufzend: auf in den Urlaub – und einen Bio-Bauern ausfindig machen, dessen Tomaten ich kaufen kann.