26.02.2017

Wie lebe ich nachhaltig?

Der Einkaufsratgeber "Der Nachhaltige Warenkorb" bietet Konsumalternativen und Tipps für alle, die nachhaltig leben möchten: von Essen und Trinken über Wohnen und Bauen bis zur nachhaltigen Geldanlage.

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Achten Sie beim Einkauf darauf, ob ein Produkt nachhaltig ist? Immerhin rund 60 Prozent der Deutschen tun dies bereits. Das Angebot nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen wird immer vielfältiger, zum Beispiel hat sich der Umsatz von Bio-Lebensmitteln in Deutschland in den letzten 15 Jahren mehr als verdreifacht. Aber er liegt immer noch bei nur vier Prozent des Gesamtumsatzes. Und nachhaltiger Konsum endet nicht beim Essen: Das neue Smartphone lockt, die Abenteuerreise nach Indonesien, das Kleid im Schaufenster. In unserer Konsumgesellschaft ist es nicht immer leicht, nachhaltig zu leben.

Orientierung bietet "Der Nachhaltige Warenkorb". Den Einkaufsratgeber des Rates für Nachhaltige Entwicklung gibt es seit 2003, zunächst als Broschüre, mittlerweile auch als ­Internetseite nachhaltiger-warenkorb.de Der Nachhaltige Warenkorb liefert Faustregeln für alltägliche Konsumentscheidungen, unter anderem für den Kauf von Lebensmitteln, für Reisen, Wohnen und Bauen, Haushalt und Elektronik oder Mode und Kosmetik. Darüber hinaus bewertet der Ratgeber im Markt besonders gängige, empfehlenswerte Nachhaltigkeitssiegel sowohl unter ökologischen wie auch sozialen Aspek­ten. Das Informationsangebot wird regelmäßig aktualisiert und wissenschaftlich begleitet.

Die gute Nachricht des Nachhaltigen Warenkorbs: Niemand muss sein Leben von jetzt auf gleich umkrempeln, um etwas für das Klima und eine nachhaltigere Welt zu tun. Außerdem ist nachhaltiger Konsum nicht notwendigerweise teurer oder aufwendiger. Vor allem geht es darum, die "richtigen" Produkte zu kaufen, "anders" und bewusst nicht zu konsumieren.

Auf dem Wochenmarkt

Am meisten bewirken kann, wer bei Alltagsgewohnheiten ansetzt, zum Beispiel beim Essen und Trinken. Wer Bio-Lebensmittel kauft, unterstützt den ökologischen Landbau und schont die Umwelt. Bio-Lebensmittel müssen mindestens durch das grüne EU-Bio-Siegel gekennzeichnet sein. Diese Produkte erfüllen die Mindeststandards der EU. Tragen Bio-Eigenmarken das Siegel nicht, muss man davon ausgehen, dass die Mindeststandards nicht erfüllt ­werden. Höhere Standards garantieren zusätzliche Siegel von Anbauverbänden wie Demeter, Naturland, Bioland.

Wie umweltfreundlich Gemüse und Obst tatsächlich sind, hängt aber nicht nur vom Bio-Label ab. Wichtig ist, wie, wann und wo es erzeugt wurde. Außerhalb der Saison haben auch Bio-Tomaten eine schlechte Klimabilanz. Wachsen sie hierzulande im beheizten Treibhaus auf, fallen rund 9,2 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Tomaten an. Bei konventioneller Erzeugung sind es rund 9,3 Kilogramm. Am besten schneiden saisonale Tomaten aus der Region ab. Sie verbrauchen rund 85 Gramm (konventionell) beziehungsweise 35 Gramm (bio) CO2 je Kilogramm. Beim Einkauf sollten Sie daher sooft es geht saisonales Obst und Gemüse aus der Region wählen. So entfallen weite Transporte und lange Lagerung.

Wer sich zusätzlich für fair gehandelte Produkte entscheidet, leistet einen sinnvollen Beitrag für bessere Arbeits- und Lebens­­bedingungen in Entwicklungsländern. Das hat auch öko­logi­schen Mehrwert: Zwei Drittel der in Deutschland verkauften Produkte tragen neben dem Fairtrade- auch ein Bio-Siegel.

Beim Fleisch empfiehlt sich ein bewusster, reduzierter Konsum. Ernährungsphysiologisch empfohlen sind 300 bis 600 Gramm pro Woche, ein Sechstel der Menge, die wir derzeit durchschnittlich zu uns nehmen. Wer weniger Fleisch isst, spart Geld. Das eröffnet Spielräume für hochwertiges Fleisch aus artgerechter Tierhaltung und ökologischer Landwirtschaft aus der Region.

Was man sonst noch tun kann? Plastikverpackungen möglichst vermeiden, ebenso gänzlich auf Plastiktüten verzichten. Bei Säften und Mineralwasser zur Mehrwegflasche aus Glas greifen. Sie ist die umweltfreundlichste Verpackung auf dem Markt und kann bis zu 50-mal wiederverwendet werden. Wer Leitungswasser trinkt, spart ebenfalls Verpackungsmüll. Leitungswasser ist günstig, das in Deutschland am strengsten kontrollierte Lebensmittel und muss hohe Qualitätsanforderungen erfüllen.

Für alle Anschaffungen gilt: auf qualitativ hochwertige, langlebige und reparaturfähige Produkte setzen, egal ob bei Kleidung oder Elektronik. Das gilt besonders für Smart­phones, deren hochgiftiger Schrott auf Müllbergen in Entwicklungsländern Mensch und Umwelt schadet. Je länger ein Gerät genutzt wird, desto besser. Lieber reparieren statt wegwerfen, zum Beispiel im Repair Café.
Wer diese Dinge beachtet, hat bereits viel bewirkt. Am Anfang lohnt sich aber immer die Frage: "Brauche ich das wirklich?".

››› Gastbeitrag Yvonne Zwick. Die Referentin beim Rat für Nachhaltige Entwicklung betreut das Projekt "Der Nachhaltige Warenkorb".

Wer steht hinter dem Nachhaltigen Warenkorb?

Der Nachhaltige Warenkorb ist Teil des Informationsangebots des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Er wurde erstmals im April 2001 von der Bundesregierung berufen, 15 Personen des öffentlichen Lebens gehören ihm an. Der Rat entwickelt Beiträge für die Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, benennt konkrete Handlungsfelder und Projekte und macht Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen.

Weitere Tipps

sowie Bewertungen zu Siegeln, die für den nachhaltigen Konsum empfehlenswert sind, unter: