"Huu-hu-huhuhuhuu" – der Waldkauz ist der Vogel des Jahres 2017

2017 wird es kauzig – der 47. "Vogel des Jahres" ist der nachtaktive Waldkauz. Seit 1971 wirbt der NABU jährlich mit einer ausgewählten Vogelart für den besseren Schutz der Natur. Im Waldkauz-Jahr startet der Naturschutzbund unter anderem die Aktion "NABU NachtnaTOUR" und ermöglicht Einblicke in das scheinbar verborgene Leben von Vögeln, Fleder­mäusen und anderen "tierischen Nachtschwärmern".

Platzhalter

Viele von uns kennen den Waldkauz vom Hören. Soll eine Nachtszene in Kriminalfilmen besonders spannend wirken, erklingt sein typisches "Huu-hu-huhuhuhuu" oder das scharfe "Ku-witt". Im wahren Leben balzen Waldkäuze mit diesen Rufen oder markieren ihre Reviere – vor allem im späten Herbst und Winter. Zahlreiche Mythen und Legenden ranken sich um die nachtaktiven Eulen: Galten sie im alten Griechenland als Inbegriff der Weisheit, kamen sie im Mittelalter als unheimliche Unglücksbringer in Verruf. Ganz anders in unserer Zeit. Spätes­tens seit den Harry-Potter-Filmen haben Eulen eine riesen­große Fangemeinde.

Baumhöhlen dringend gesucht! Doch Eulen leben nach wie vor gefährlich. Zwar nagelt sie niemand mehr zum Schutz vor "bösen Geistern" lebendig an die Scheunenwand – ein abergläubischer Brauch noch bis ins 20. Jahrhundert hinein. Vielmehr schadet der Mensch den Tieren auf "moderne" Weise. Waldkäuze brüten in alten Bäumen mit schönen großen Höhlen. Das Finden eines passenden Zuhauses gleicht jedoch zunehmend einem Sechser im Lotto. Denn der Nutzungsdruck auf unsere Wälder steigt. Für billiges Brennholz verschwinden Altbäume und Totholz – mit weitreichenden Folgen für viele Wald- und Beutetiere.

Flexibler Kauz – Noch ist der Waldkauz mit 43.000 bis 75.000 Brutpaaren die häufigste Eule Deutschlands, doch verdankt er das eher seiner Anpassungsfähigkeit als der Verbesserung ­seines Lebensraums. Längst bezieht er Quartier in städtischer Umgebung und lebt in Parks, Alleen oder auf Friedhöfen. Doch zu schnell fallen Altbäume hier einer übertriebenen Ordnungsliebe zum Opfer oder werden für Neubauten beseitigt. Auf Kauzens Speiseplan stehen neben Maulwürfen, Ratten oder Jungkaninchen bevorzugt Mäuse. Vor allem im Siedlungsbereich weichen Waldkäuze auf Vögel aus, wenn Kleinsäuger nicht verfügbar sind – keine Seltenheit bei zunehmendem Einsatz von Mäuse- und Umweltgiften.

Scharfsinniger Jäger – Das Wort "Kauz" gibt es nur im deutschen Sprachraum, es bezeichnet Eulen mit rundem Kopf ohne Federohren – wie den Waldkauz. Auch kaum ornithologisch bewanderte Menschen erkennen ihn gut an seinen großen runden "Knopfaugen", welche der circa 40 Zentimeter großen Eule ein freundliches Aussehen verleihen. Sie erfassen besonders viel Licht, sodass Waldkäuze auch im Dunkeln ausgezeichnet sehen. Wie alle Eulen haben sie besonders feine Sinne und sind damit perfekt an das Nachtleben angepasst. In schwarzer Nacht verlassen sich Waldkäuze ausschließlich auf ihr feines Gehör: Noch in hundert Meter Entfernung nehmen sie eine raschelnde Maus im Gehölz wahr.

Treue Seelen – Waldkäuze fliegen etwa 20 ­Minuten nach Sonnenuntergang los auf Nahrungssuche. Von der Jagd erholen sie sich in ihren Tagesverstecken. Sie sind nicht gerade leicht zu beobachten, aber meist zuverlässig am gleichen Standort zu finden. Denn der Jahresvogel 2017 ist in jeder Hinsicht ein treuer Kauz: Wird er nicht gestört oder vertrieben, verbringt er oft ein Leben lang ganzjährig im 25 bis 30 Hektar großen Revier. Das hilft ihm, auch harte Winter zu überleben, kennt er doch lohnende Nahrungsquellen und Verstecke sehr genau.

Waldkauzpaare bleiben für immer zusammen, wenn sie sich erst einmal gefunden haben. Ist das Nahrungsangebot ausreichend, brüten sie einmal im Jahr. Ab Februar legen Waldkauzweibchen ihre Eier und schon einen Monat später ist der Nachwuchs auf der Welt. Nach drei Monaten sind die Jungen flugfähig und beginnen ihr eigenes Leben, das in freier Natur bis zu 19 Jahre andauert.

››› Gastbeitrag Grit Schneider, Projektleiterin Kampagne "Vogel des Jahres" und Referentin Öffentlichkeitsarbeit NABU

NABU – Gemeinsam für Mensch und Natur

Seit 1899 setzt sich der NABU dafür ein, unsere Natur zu schützen und für zukünftige Generatio­nen zu sichern. Mit mehr als 600.000 Mitgliedern und Förderern ist er Deutschlands mitgliederstärkster Umweltverband. In den rund 2.000 NABU-Gruppen und 70 Infozentren in ganz Deutschland steht praktischer Naturschutz genauso auf dem Programm wie Lobbyarbeit, Umweltbildung, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit.

Weitere Informationen und Kontakt: