Ayurveda

Die ayurvedische Medizin hat ihren Ursprung in Indien und wird dort traditionell seit Jahrtausenden praktiziert. Der sanskritische Begriff Ayurveda bedeutet "Das Wissen vom Leben" (ayus – Wissen; veda – Leben). Es ist eines der ältesten Naturheilsysteme der Menschheit und in den letzten Jahren auch in Europa bekannter geworden.

Ayurveda

Das Grundprinzip im Ayurveda ist die ganzheitliche Sichtweise auf den Menschen. Basierend darauf gilt es, die körperliche und geistige Balance des Menschen aufrechtzuerhalten. Im Falle von Krankheit (Imbalance) soll durch ayurvedische Therapieansätze die Balance wiederhergestellt werden. Wie in der ganzen Medizin ist auch in der ayurvedischen Medizin die Erhaltung und Förderung der Gesundheit ein entscheidender Aspekt. Ayurveda berücksichtigt neben der Ernährungslehre auch das Naturell des Patienten und die Rhythmen der Tages-, Jahres- und Lebensphasen, um Probleme zu beurteilen.

Die drei Doshas

Grundlage des Ayurveda ist eine Fünf-Elemente-Lehre mit Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Daraus setzen sich die drei Lebenskräfte, die sogenannten Doshas Vata, Pitta und Kapha, zusammen. Die Doshas sind nach der ayurvedischen Lehre für die Funktionsweise des Organismus verantwortlich. In ihrer Balance stellen sie Gesundheit dar. In ihrem Ungleichgewicht wird die Ursache für Krankheit gesehen. Dieses sucht der ayurvedische Arzt zu ergründen. Prävention und Therapie im Ayurveda basieren auf dem Erhalten und Wiederherstellen der Balance der Doshas. Es geht um deren Ausgleich.

Vata leitet sich von den Elementen Luft und Raum ab, den leichten Elementen. Vata ist leicht und beweglich, flexibel, schnell, kreativ und lebendig. Störungen von Vata zeigen sich als innere Unruhe, gestörter Schlaf, Erkrankungen des Nervensystems.

Pitta leitet sich vom heißen Element Feuer ab und hat Referenzen zum Wasserelement. Pitta ist heiß, scharfsinnig, dynamisch und zielgerichtet. Störungen von Pitta zeigen sich in Rötungen der Haut, Hitze im Körper und Entzündungskrankheiten.

Kapha leitet sich von den schweren Elementen Erde und Wasser ab. Daher ist Kapha schwer, träge, strukturiert und ausgeglichen. Störungen von Kapha sind geistige und körperliche Trägheit, Ansammlungen und Absonderungen von Wasser oder Schleim.

Vata, Pitta und Kapha sind im Ayurveda elementare Regulationsprinzipien, die die körperliche und geistige Natur des Menschen festlegen, seine Konstitution, also seine körperlichen und geistig-emotionalen Eigenschaften.

Das Spektrum der ayurvedischen Therapien ist vielfältig. Die Ernährung ist eine tragende Säule. Das Besondere in der ayurvedischen Medizin ist die Abstimmung der Ernährung in Bezug auf die Konstitution (auf Vata – Pitta – Kapha). In der Auswahl der Nahrungsmittel und Gewürze liegt die Behandlung. Zur Entgiftung und Ausleitung gibt es verschiedene milde Verfahren mit Diäten, Präparaten und abführenden Maßnahmen. Zur Wahl stehen ayurvedische Präparate. Neben rein pflanzlichen Präparaten werden auch mineralische und metallische Arzneimittel verwendet.

Weiter zielt die ärztliche Beratung auf ein Verhalten gemäß dem Biorhythmus. Yoga stellt mit seinen Aspekten von Körperübungen, Atmung und geistiger Ruhe und Klarheit eine Säule der indischen Gesunderhaltung dar. Als Marmatherapie bezeichnet man eine Behandlung von energetischen Schlüsselpunkten. Diese Vitalpunkte werden nach genauer Befunderhebung und mit Bezug auf den Zustand des Patienten gemäß uralter Erfahrung behandelt. Zur Erholung der Sinne in unserer sinnesüberlastenden Umwelt arbeitet man mit Aroma-, Klang- und Musiktherapie. Selbst in Kultur und Architektur verwirklichen sich ayurvedische Prinzipien, so in der vedischen Bauweise Sthapatya Veda, die die Baubiologie und die ökologischen Faktoren miteinbezieht.

Der Mensch wird im Zusammenhang mit seiner Umwelt gesehen und entsprechend weitsichtig behandelt. Hierbei gilt es, die moderne westliche Medizin mit den Naturheilsystemen in Einklang zu bringen, damit sich beide ergänzen. Ziel des Ayurveda ist die Harmonie der Doshas im Menschen, die ihn in Balance mit seiner Umwelt und damit zum gesamten Universum stellt.

››› Gastbeitrag Dr. Mary Jasmin Blumenberg

Dr. med. Mary Jasmin Blumenberg ist Ärztin in der Kinderheilkunde an der Kinderklinik Minden und zertifizierte Ernährungsmedizinerin. Neben der schulmedizinischen Ausbildung absolvierte sie das Ayurveda-Diplom und ist Dozentin an der Deutschen Ayurveda Akademie in Regensburg. Sie ist Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Ayurveda e. V.

Mehr Interesse?

  • ayurveda.de
    Deutsche Gesellschaft für Ayurveda e. V.
  • daegam.de
    Deutsche Ärztegesellschaft für Ayurveda-Medizin e. V.
  • ayurveda-verband.eu
    Verband Europäischer Ayurveda-Mediziner und Therapeuten e. V.
  • Ernst Schrott und Wolfgang Schachinger (Hrsg.):
    "Ayurveda: Grundlagen und Anwendungen", Trias Verlag, Stuttgart,
    3. Auflage 2016, ­Taschenbuch, ISBN 978-3-4321-0258-0, 34,99 Euro.