Haferkörner - warum keimen sie oft nicht?

Botaniker charakterisieren Hafer als einjähriges Rispengras; die lockere Rispe mit den Körnern ist 15 bis 30 cm lang, verzweigt und leicht abwärts hängend. Die spindelförmigen und tief gefurchten Körner sind bei der Reife mit einer Deckspelze und einer Vorspelze fest verwachsen. Der Hafer, der bei uns auf den Feldern wächst, ist also - wie auch Gerste oder Dinkel - ein Spelzgetreide. Der Mensch nutzt den Mehlkörper des Haferkorns - quetscht ihn zu Haferflocken oder schrotet ihn. Bevor der Mehlkörper genutzt werden kann, muss das Korn durch einen mechanischen Vorgang im Mühlenbetrieb entspelzt werden. Da der Spelz sehr fest am Korn ansitzt, lässt es sich nicht vermeiden, dass bei einem Viertel bis einem Drittel der Haferkörner der Keimling verloren geht. Dennoch darf der entspelzte Hafer als Vollkorngetreide ausgelobt werden.

Besondere Züchtungen sind seit ca. 100 Jahren als so genannter Nackthafer oder Nacktgerste auf dem Markt. Diese Getreidesorten haben keine Spelzen. Der Keimling ist im Korn, wird auch in der Regel beim Reinigen und müllereitechnischen Behandeln des Korns nicht entfernt. Dieses Getreide, das aufgrund seiner Anfälligkeit für Erkrankungen und damit etwas unsicherer Erträge bei uns nur selten angebaut wird, wird im Bio-Laden auch als Sprießkorn bezeichnet. Der Name bringt zum Ausdruck, dass man dieses Korn zum Keimen oder Sprießen bringen kann.