Was "regional" für uns bedeutet

Wie regional ist die Obst- und Gemüsetheke im Alnatura Super Natur Markt und wo sind die Grenzen der Regionalität? Fernando Krokisius, Verantwortlicher bei Alnatura für den Einkauf von Äpfeln, Kohlrabi und Co., im Gespräch.

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Alnatura Magazin: Wenn ich in einem Alnatura Super Natur Markt einen Salat kaufe – wo kommt der her?
Fernando Krokisius: Das kommt ganz darauf an, in welche Filiale Sie gehen. In Bremen und Hamburg beispielsweise von Christiansen’s Biolandhof in Schleswig-Holstein. In Frankfurt, Königstein und Kriftel vom Luisenhof in der hessischen Wetterau und in München unter anderem von der Demeter-Gärtnerei Obergrashof in Dachau. Wir arbeiten mit vielen Partnerhöfen in ganz Deutschland zusammen. Wenn ein Produkt aus der Region verfügbar ist, dann bieten wir es in der Regel auch aus dieser Region an. Das heißt: Der Salat, den ein Kunde zur Saison in einer Münchener Filiale kauft, kommt auf jeden Fall aus Bayern. Im Kölner Markt kommt er aus dem Rheinland. Und in Karlsruhe aus Baden.

Produkte, die als "von hier" oder "aus der Region" gekennzeichnet sind, findet man ja immer häufiger in Supermärkten. Wann genau ist ein Produkt denn regional?
Da gehen die Empfindungen und Herangehensweisen auseinander. Regionalität liegt meist im Auge des Betrachters und hat viel mit gefühlter und gelebter Zugehörigkeit zu einem Ort oder einer Gegend zu tun. Empfindet ein Karlsruher einen Kohlrabi aus Konstanz noch als regional? Oder ein Stuttgarter den Salat aus Freiburg? Wahrscheinlich nicht – obwohl die Städte alle in Baden-Württemberg liegen. Deshalb reicht es meines Erachtens nicht, nur das Bundesland als Regionalitätskriterium zu betrachten. Das würde für unsere Filialen in Berlin und Hamburg auch bedeuten, dass wir dort kein regionales Gemüse anbieten könnten. Genauso wenig kann man sagen: Regional ist nur, was rund um den eigenen Kirchturm wächst. Mit zu engen Grenzen können wir in der Praxis nicht arbeiten. Sonst müssten unsere Kunden damit leben, dass wir nicht genügend Ware anbieten können. Wie man sieht: Regionalität ist immer eine Gratwanderung.

Wie haben Sie das "Problem" Regionalität gelöst?
Wir gehen vom Standort der jeweiligen Filiale aus und betrachten für die Auswahl der Partnerhöfe als festes Kriterium zunächst den Regierungsbezirk. Im Zweifel beziehen wir noch die Kriterien "Bundesland" und "Region" mit ein. Ein Beispiel: Unser Partner für die Stuttgarter Filialen, der Michaelshof der Familie Schäfer in Leinfelden-Echterdingen, beliefert auch unsere Filialen in Tübingen mit Demeter-Gemüse. Der Regierungsbezirk ist zwar ein anderer, aber ausschlaggebend ist hier die gleiche gelebte und gefühlte Zugehörigkeit zur Region Schwaben. Unsere Berliner Filialen bekommen ihr saisonales Gemüse aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Und in Hamburg vorwiegend aus Schleswig-Holstein und Nord-Niedersachen. Denn in den Städten selbst gibt es nicht genügend Anbaufläche und nicht ausreichend Bio-Höfe, die die von uns benötigten Mengen herstellen können. Nur für die Städte Hannover, Göttingen und Koblenz trifft unser Konzept aktuell noch nicht zu. Hier arbeiten wir mit Hochdruck daran, entsprechende Partnerhöfe im Umland zu finden.

Sortimentsmanager Fernando Krokisius

Wie sieht es mit saisonalem Obst aus?
Beim Obst können wir unser Regionalitätskonzept nicht so eng fassen, denn der Bio-Obstanbau in Deutschland ist schwieriger und riskanter als der Gemüseanbau. Deshalb arbeiten wir hier mit größeren, spezialisierten Erzeugern zusammen, die dieses Risiko tragen können. Hier gilt: so regional wie möglich. Die Filialen im Süden bekommen ihre Äpfel beispielsweise vom Bodensee, im Westen aus dem Rheinland und im Norden aus dem Alten Land.

Und wo kommt das Obst und Gemüse her, wenn in Deutschland die Saison vorbei ist?
Manche Produkte wie Erdbeeren oder Zwetschgen sind deutscher oder italienischer Herkunft. Tomaten, Zucchini oder Salat gibt es bei uns aber durchgehend. Hier halten wir uns beim Einkauf an klare Richtlinien, die insbesondere die Nachhaltigkeit betreffen. In Italien, Spanien und Frankreich haben wir langjährige Bio-Anbaupartner, mit denen wir vertrauensvoll zusammenarbeiten. Die Entscheidungskette lautet: erst regional, dann national, dann aus Europa.

Vielen Dank für das Gespräch!
››› Das Gespräch führte Kristina Rudy.

Sie wollen wissen, woher Obst und Gemüse in Ihrer Alnatura Filiale kommen? Fragen Sie einfach – unsere Mitarbeiter helfen Ihnen gern weiter!