Neues Alnatura Ei: von Hühnern auf Rädern

Ein Gespräch mit Ludolf von Maltzan vom Ökodorf Brodowin

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Mobile Hühnerställe, kleine Herden, ­Demeter-Qualität, Bruder-Küken und regionale Erzeugung – dies sind die wichtigsten Merkmale des neuen Alnatura Origin Eies. Gelegt von Hühnern aus dem Ökodorf Brodowin in Brandenburg, erhalten es unsere Kunden in den Berliner Filialen.

Alnatura: Herr von Maltzan, wie kam es zur Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Alnatura?

Ludolf von Maltzan: "Wir liefern bereits seit acht Jahren frisches Demeter-Gemüse und -Milchprodukte an die Berliner Alnatura Filialen. Seit drei Jahren halten wir auch Hühner in mobilen Ställen, deren Eier wir bislang nur im Hofvertrieb angeboten haben. So kamen wir mit den Verantwortlichen von Alnatura auch über Eier ins Gespräch, insbesondere vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion zum Thema Tierwohl. Unsere Einstellung, was eine gute, möglichst artgerechte Hühnerhaltung ausmacht, ist praktisch deckungsgleich. Dazu kenne ich keinen Vermarkter, der so genau hinschaut wie Alnatura. Das hat uns gefallen, und so ist die Idee entstanden, gemeinsam für glückliche Hühner zu sorgen."

Ist das vielleicht die Antwort auf die Frage, ob zuerst das Huhn oder das Ei da war?
"Zumindest führen wir im Ökodorf Brodowin einen Perspektivwechsel durch. Die weitverbreitete Haltung schaut vor allem auf das Ei, das heißt es soll schmecken, jeden Tag und überall verfügbar sein und natürlich wenig kosten. Erst danach fällt der Blick auf die Legehenne, häufig zu ihrem Nachteil. Wir machen es umgekehrt: Wir schauen zunächst auf die Tiere, das heißt wir sorgen für ein wesensgerechtes Umfeld, kleine Herden, hochwertiges Futter und eine konstante Betreuung. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, ist ein perfektes Ei die fast zwangsläufige Folge. Insofern ist bei uns zuerst das Huhn da und dann das Ei."

Was heißt das konkret?
"Die Alnatura Origin Eier werden von zwei Herden mit lediglich je 220 Hennen gelegt. Zusammen mit vier Hähnen, auch das ist ungewöhnlich, leben sie in mobilen Hühnerställen. Das sind Ställe auf Rädern, die immer dann an einen neuen Platz gezogen werden, wenn die für Hühner wichtige Grasnarbe abgefressen ist. So haben unsere Hühner ständig frisches Grün sowie Abwechslung. Auch bekommen unsere Tiere hochwertiges Bio-Futter aus eigener und nachbarschaftlicher Erzeugung. Lediglich den Kalk und die Mineralstoffe, die bei uns nicht vorkommen, ›importieren‹ wir aus Thüringen. Beeindruckend finde ich auch, welch enges Verhältnis die Tiere zu unserem Hennenbetreuer haben. Man könnte meinen, die Hennen freuen sich über seine tägliche Anwesenheit."

Sind die Hühner auf Brodowin also glücklich?

"Das hat zumindest Bundespräsident Gauck gemeint, als er unseren Hof besichtigt hat (lacht). Glücklich würde ich mit ›wohlfühlen‹ übersetzen. Man sieht es unseren Hennen an, dass es ihnen gut geht. Sie müssen ja auch weniger Eier legen als die üblichen Hennen. Wir haben uns bewusst für ein Zweinutzungshuhn für Bio-Landwirte entschieden, weil wir dadurch sowohl die Hennen zum Eierlegen als auch die Hähnchen zum Mästen einsetzen können. Das nach wie vor gängige Töten der männlichen Küken von Legerassen findet bei uns deshalb nicht statt. Das Fleisch der Hähnchen bieten wir in unserem Hofladen sowie in unserem Café im Kloster Chorin an."

Können Sie trotzdem für jeden Tag genügend Eier garantieren?
"Nein, das wollen wir auch nicht. Unser Konzept ist nicht die Masse. Nur über viele und größere Ställe ließe sich eine tägliche Lieferung in gleichen Mengen ermöglichen. Mir ist wichtig, dass unsere Eier nicht in irgendwelchen Regalen verschwinden und so in die Bedeutungslosigkeit geraten. Wir berücksichtigen die natürlichen Legephasen der Hennen und genauso ihre Legepausen während der Mauser. Indem wir die beiden Herden zeitversetzt einstallen, können wir eine weitestgehende Kontinuität der Versorgung ermöglichen. Anfang April liefern wir das erste Alnatura Origin Ei. Wir müssen abwarten, wie die Alnatura Kunden das neue Ei und die damit verbundenen etwas höheren Preise annehmen."

Auf Brodowin arbeiten über 100 Menschen. Sind Sie mehr Manager als Landwirt?
"Unser Modell einer naturnahen und gleichzeitig modernen Landwirtschaft findet immer mehr Anhänger. Über 50.000 Menschen, auch Kollegen aus der Landwirtschaft, kommen jedes Jahr nach Brodowin. Über diese positive Resonanz freue ich mich, gleichzeitig setzt so ein wach­sender Betrieb voraus, dass ich immer mehr zum Manager werde. Doch im Herzen bin ich Landwirt. Damit das so bleibt, schaffe ich mir meine Freiräume. Dann verlasse ich meinen Schreibtisch und gehe aufs Feld und zu unseren Tieren."

››› Das Interview führte Volker Laengenfelder

Ludolf von Maltzan

Ludolf von Maltzan (52), ist Landwirt, Geschäftsführer sowie einer der Gesellschafter des Ökodorfes Brodowin. Mit rund 1 200 ha Land gehört der Hof zu den größten biodynamisch wirtschaftenden Betrieben Europas. Aus der ehem. Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG), gut 1 h nordöstlich von Berlin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin gelegen, haben Maltzan und die Mitarbeiter ein viel beachtetes Dorfkonzept aufgebaut. Heute beschäftigt das Ökodorf über 100 Menschen und ist damit ein wichtiger Arbeitgeber im Nordosten Brandenburgs. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat das Ökodorf Brodowin bereits 1995 zum vorbildlichen Gemeinwesen für Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft gekürt.