Palaterra - Eine Erde für die Erde

Wie kann man eine Erde ohne die umweltbedenkliche Verwendung von Torf herstellen, die sogar noch fruchtbarer ist? Eine Frage, auf die die Pfälzer Forscher von Palaterra eine Antwort im Amazonasbecken fanden: Sie heißt Terra Preta.

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2005 stieß Joachim Böttcher, Geschäftsleiter von Palaterra, auf das Phänomen der anthropogenen1 Terra Preta2. Wissenschaftler fanden die außerordentlich fruchtbare Erde im Amazonasbecken und sie weckte ihre Neugier. Denn eine solche Bodenbeschaffenheit ist untypisch für die Region und gab den Forschern ein Rätsel auf. Archäologen fanden schließlich zahlreiche auf eine Hochkultur hindeutende Tonscherben. Und mit diesem Fund bestätigten sie die Aussagen des Francisco de Orellana, der im 16. Jahrhundert als erster Europäer eine Expedition in das Amazonasgebiet unternahm. Er berichtete von großen Siedlungen mit mehreren hunderttausend Einwohnern, die in landwirtschaftlich hoch entwickelten "Gartenstädten" lebten. Aussagen, die man damals als Fantasterei abtat, wurden somit Jahrhunderte später bestätigt. Ein Forscherteam der Universität Bayreuth lieferte den Beweis, dass die Terra Preta von Menschenhand geschaffen wurde. Man wusste auch, wie alt der Boden ist und was darin zu finden ist, unter anderem Holzkohle, aber das große Rätsel blieb: "Wie wurde der Boden hergestellt?" Die Wissenschaftler versuchten organische Biomassen mit Holzkohle zu vermischen und zu kompostieren, aber das Resultat, ein Kompost, ist kein Vergleich zur Terra Preta. Denn das Besondere dieser Erde ist ihre stabile Fruchtbarkeit, vergleichbar mit einem Dauerhumus. Sie ist den anspruchsvollen Pflanzbedingungen des Amazonas gewachsen: hohe Temperaturen, eine Natur, die viel Biomasse entwickelt und viele Nährstoffe braucht.

Erzeuger-Reportage Palaterra, Herstellung

"Mir war klar: Wenn wir herausfinden, wie Terra Preta hergestellt wird, haben wir ein riesiges Potenzial, um zahlreiche Probleme in der Welt zu lösen", so Böttcher begeistert. "Und ich dachte, das kann doch nicht sein, dass wir das nicht herausbekommen!", erzählt er lachend von dem Moment, als es ernst wurde. Ihn hatte der Ehrgeiz gepackt, das Geheimnis der Terra Preta zu lüften. Ursprünglich war Böttcher am heutigen Palaterra-Standort in einem Unternehmen im Bereich der Umwelttechnik tätig und beschäftigte sich mit nachhaltiger Wasserwirtschaft. "In der Wasseraufbereitung hatten wir mit Mikroorganismen schon viel zu tun und es war für uns klar, dass Mikroorganismen für die Terra Preta eine zentrale Rolle spielen", so Böttcher über den Forschungsansatz. Böttcher und sein Team begannen damit, organische Biomassen gemischt mit Holzkohle zu fermentieren, also ganz bewusst nicht Sauerstoff hinzuzufügen, sondern Sauerstoff zu entziehen.

Sie verdichteten die Masse und deckten sie ab, um den Fermentationsprozess in Gang zu setzen. Optimiert wurde der Prozess, indem bestimmte Mikroorganismen geimpft wurden. Im ersten Versuch wurden vier Regentonnen mit vier verschiedenen Mischungen in einem Zeitraum von vier Wochen angesetzt. Das Substrat wurde auf einem 20 Quadratmeter großen Versuchsfeld getestet, man pflanzte schwach-, mittel- und starkzehrendes3 Gemüse. Das gleiche Gemüse wurde zum Vergleich auf dem Nachbarfeld mit Kompost gepflanzt. Nach drei Wochen dann die Ernüchterung: Die Pflanzen auf dem Kompostbeet wuchsen besser. Aber an Aufgeben war nicht zu denken, also gingen Böttcher und sein Team jeden Tag mit Hoffnung und einem Zollstock in den Garten. "Nach der vierten Woche haben sie richtig aufgeholt und man konnte sie sogar zwei Wochen früher als die Pflanzen im Kompostfeld ernten", erzählt Böttcher voller Freude. "Die Pflanzen im Terra-Preta-Beet haben sich besser entwickelt. Sie waren zwar nicht größer, aber viel vitaler und stabiler, sie hatten mehr Triebe, bessere Wurzeln und sahen gesünder aus. Das erste Wachstum ging in die Tiefe, nicht in die Höhe und das ist natürlich die bessere Basis", erklärt er. 2007 haben Böttcher und sein Team den Code Terra Preta geknackt. Was folgte, war die Entwicklung eines Konzentrats, das Terra Preta in ihren Eigenschaften ähnlich ist, das Palaterra Initial. Dieses Konzentrat kann überall weiterverarbeitet werden, indem es mit biogenen, organischen Reststoffen vermischt oder nachfermentiert wird. Biomassen können also dort verarbeitet werden, wo sie anfallen. Es ist ein regionales Konzept, das dazu beitragen kann, ein globales Problem zu lösen.

››› Das Gespräch führte Gabriele Storm

1 durch menschliche Aktivität (mit)gestaltet
2 portugiesisch: schwarze Erde
3 Bedeutet, wie viel Nährstoffbedarf eine Pflanze hat. Kohl ist ein Starkzehrer und braucht viele Nährstoffe.

Kurz gefasst

  • Palaterra setzt sich zusammen aus Palatina für Pfalz und Terra für Erde.
  • Am Standort Hengstbacherhof wird das Palaterra Initial hergestellt, das in anderen Erdwerken zur Herstellung von torffreien Kultursubstraten & Bodenverbesserern verwendet wird. Palaterra bietet neben dem Produktgeschäft innovative, schlüsselfertige Lösungen zur ökologischen Aufbereitung und Wiederverwertung von organischen Reststoffen in Landwirtschaft, Kommunen und Industrie an. Weitere Geschäftsfelder sind der umweltfreundliche Schutz unseres Trinkwassers vor Nitratbelastung und Mikroschadstoffen sowie der naturverträgliche Hochwasserschutz.
  • Gründung als Palaterra Betriebs- und Beteiligungsgesellschaft mbH 2011 
  • Mitarbeiter 10

Torferde, ein Klimakiller

Moore schützen das Klima. Im Boden ist die größte Menge an Kohlenstoff gespeichert, 1.600 Gigatonnen. In den Mooren, die nicht einmal 5 % der Erdoberfläche ausmachen, ist der allergrößte Teil des Kohlenstoffs gespeichert. Moore können der Atmosphäre permanent CO2 entziehen, in Deutschland 200 000 Tonnen pro Jahr. Wenn die Moore trockengelegt sind, tritt der umgekehrte Effekt ein, der gespeicherte Kohlenstoff wird freigesetzt.
Achtung: Manche Erden mit einem Anteil von 30–50 % Torf dürfen Bio-Erde genannt werden, bei Aussaaterde sogar bis 70 %.