Rebsorten

Welchen Einfluss haben sie auf den Wein?

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"Ich mag am liebsten Merlot" oder "Riesling hat mir zu viel Säure": Aussagen wie diese zeigen, dass viele Rebsorten-Namen sich im Gedächtnis der Weintrinker verankert haben.

Sie verbinden mit der Rebsorte eine Farbe, einen Geschmack, einen Stil, den sie mögen oder ablehnen. In der Tat hat die Rebsorte neben dem Klima, dem Bodentyp, der Lage und der Art der Weinbereitung entscheidenden Einfluss auf den Charakter und die Qualität eines Weines. Jedes Land, jede Weinbauregion und sogar oft kleinste Teilgebiete haben ihre gebietstypischen Rebsorten, die auch die Eigenschaften des daraus gewonnenen Weines prägen.

In den einzelnen Weinbaugebieten ist meist genau geregelt, welche Rebsorten in Weinen mit geschützter Ursprungsbezeichnung zugelassen sind. So gibt es Reben, die sich eher dafür eignen, in wärmeren, trockenen Gebieten angebaut zu werden, wie zum Beispiel die roten Sorten Tempranillo, Garnacha (Grenache) oder Monastrell (Mourvèdre), während sich andere in kühleren Klimata wohler fühlen. Zu ihnen gehört eindeutig die weiße Rebsorte Riesling. Zu den weltweit am häufigsten angebauten Rebsorten zählen die aus dem Bordeaux stammenden, aber inzwischen international eingesetzten Sorten Merlot und Cabernet Sauvignon. Platz drei im globalen Rebsorten-Ranking nimmt die weiße Rebsorte Airén ein, die vor allem in der spanischen La Mancha vorkommt und zu einfachen, frischen Weißweinen sowie zu spanischen Branntweinen verarbeitet wird.

Rote Trauben

Zurück zum Geschmack: Das Aromenspektrum und die Charakteristik einer Rebsorte erkennt man bereits, wenn man die Traube probiert. Ein Cabernet Sauvignon zum Beispiel hat ausgeprägte Cassisnoten, in unreifem Zustand ist es ein Ton von grüner Paprika. Diese Aromen kann man auch im Wein wiedererkennen, wenn die Fruchtcharakteristik nicht von zu viel Holzfasseinfluss dominiert wird. Die Farbe des Weins ist von der Stärke der Traubenschale und der Intensität ihrer Farbe sowie der des Fruchtfleisches abhängig. Die meisten roten Rebsorten haben weißes Fruchtfleisch. Deshalb können aus roten Rebsorten auch weiße Weine gekeltert werden, indem die Trauben gepresst und der Saft ohne die Häute vergoren wird. Zum Beispiel bestehen die meisten Champagner aus zumindest einem Anteil der roten Sorten Pinot Noir (Spätburgunder) und Pinot Meunier (Schwarzriesling). Die Gerbstoffe (Tannine) und die Farbe werden nämlich aus den Häuten extrahiert. Kleinbeerige, dickhäutige Trauben ergeben meist dichtere und phenolischere Weine, vorausgesetzt der Winzer möchte ausreichend Farbe und Tannine aus den Häuten gewinnen.

Riesling ist die wichtigste Rebsorte für deutsche Weißweine. Komplexe Fruchtaromen von Zitrus über exotische Früchte wie Maracuja und Mango bis zum Weinbergpfirsich können ihr zugeschrieben werden. Eine prägnante Säure gehört ebenfalls zu ihrer Charakteristik. Und trotzdem gibt es unzählige unterschiedliche Riesling-Stile, weil die Rebsorte den Bodentyp, auf dem sie wächst, besonders gut widerspiegelt. Probieren Sie einfach mal verschiedene Rieslinge – von der Mosel, aus der Pfalz oder aus Rheinhessen – und entdecken Sie die vielfältige Ausprägung dieser edlen Rebsorte selbst.

››› Susanne Salzgeber

Schon gewusst?

Die Weinrebe gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt und wird vermutlich seit fast 8 000 Jahren angebaut und auch schon sehr lange züchterisch verfeinert. Die heutigen Kulturreben stammen höchstwahrscheinlich von der Wildrebe Vitis vinifera subsp. sylvestris ab, aus der sich durch gezielte Kreuzung, Selektion oder Mutation über die Jahrtausende die heutigen Rebsorten entwickelt haben. Der römische Dichter Vergil (70–19 v. Chr.) schreibt über die Rebsorten, sie seien "zahllos wie die Sandkörner in der Wüste". Aktuell geht man weltweit von 8.000 bis 10.000 existierenden Rebsorten der europäischen Spezies Vitis vinifera aus. Die Wissenschaft über das Beschreiben und Abgrenzen der Rebsorten nennt man Ampelographie (Rebsortenkunde).