Waman Wasi: Weisheit und Wissen für die Zukunft bewahren

Waman Wasi ist eine Partnerorganisation des Kinderhilfswerks terre des hommes. In Peru hilft sie dabei, die stark gefährdete Lebensgrundlage für künftige Generationen zu sichern. Mit dem Kauf des Alnatura Peru Cafés haben Alnatura Kunden von 2011 bis 2012 das Projekt Waman Wasi unterstützt. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken.

In der peruanischen Amazonasregion San Martín ist der Klimawandel deutlich spürbar. Die Gesamtniederschlagsmenge ist zwar gesunken, doch wenn der Regen kommt, dann in gewaltigen Mengen. Wann er kommt, ist nicht wirklich vorhersehbar.

Daneben hat die allgemeine „Modernisierung" Einzug gehalten und viele traditionelle Lebensweisen verdrängt. Neue Anbaumethoden mit Monokulturen und Industriesaatgut ersetzen traditionelle landwirtschaftliche Produktionspraktiken mit Kulturpflanzen, die der Region angepasst waren. Abholzung und Entwaldung, insbesondere in der Nähe der Wasserquellen, fördern Trockenheit und Wassermangel.

Früher haben die Kleinbauern hier mehrere Pflanzenarten in Mischkulturen angebaut (z. B. Maniok, Mais, Bohnen, Erdnuss, Bananen etc.) und damit auch ihren Eigenbedarf gedeckt. Heute konzentrieren sie sich oft auf nur eine Pflanzenkultur für den Verkauf (z. B. Palmölplantagen). Das Saatgut müssen sie teuer einkaufen und wenn die Ernte schlecht ausfällt, verdienen sie weder Geld noch haben sie etwas zu essen.

Die neue alte Lebensgrundlage einer ganzen Region

Die Organisation Waman Wasi will die stark gefährdete Lebensgrundlage der Menschen in der Amazonasregion für künftige Generationen sichern: durch die Rückbesinnung auf das Wissen ihrer eigenen Vorfahren. Junge Menschen werden in den traditionellen landwirtschaftlichen und handwerklichen Methoden unterrichtet, um diese aktiv und nachhaltig wiederzubeleben. Außerdem ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei Maßnahmen zum Schutz ihrer Kultur und Umwelt wichtiges Ziel des Projekts.

Derzeit begleitet Waman Wasi 396 indigene Kinder und Jugendliche, ihre Eltern, Großeltern, Lehrer und lokale Autoritäten in 20 Dorfgemeinden. Ihnen wird wertvolles Wissen ihrer Vorfahren vermittelt, um ihre Lebensgrundlagen zu schützen, die Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen und ihre Kultur und Traditionen zu bewahren. Durch die bisher geleistete Arbeit verfügt Waman Wasi schon jetzt über einen großen Erfahrungsschatz.

Inhalte und Maßnahmen

  • Ausbildung von Lehrpersonal, Technikern und Jugendlichen als Multiplikatoren.
  • Aufnahme der Themen Klimawandel und traditionelle landwirtschaftliche Methoden in den Stundenplan der örtlichen Schulen.
  • Erweiterung der Kenntnisse über Nutzpflanzen und traditionelles Saatgut, Ackerbau, Waldnutzung und Wasserschutz bei Kindern und Jugendlichen.
  • Ergänzung des Schulunterrichts durch Praktika, Ausflüge und generationsübergreifendes Lernen von den Dorfälteren.
  • Offizielle Anerkennung der indigenen Schulen durch die lokalen Erziehungsbehörden  (vier bereits anerkannt, zwei weitere sollen hinzukommen).

Gemeinsam aktiv für eine sichere Zukunft

Die durch Waman Wasi ausgebildeten Multiplikatoren spielen eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Projekts. Sie stehen den Dorfgemeinschaften mit Rat und Tat zur Seite und bieten bei Bedarf Arbeitsmaterialien an. Und sie erklären den Menschen in den Dörfern ganz konkret, wie man gemeinsam viel erreichen kann.

Meilensteine und Ziele

  • Unter Beteiligung der Kinder und Jugendlichen sollen pro Jahr 20 Dorfaktionspläne erarbeitet und umgesetzt werden.
  • Die angebauten einheimischen Nutzpflanzen sollen von derzeit drei auf fünf pro Familie steigen.
  • 50 Prozent der Ernte sind für die eigene Ernährung vorgesehen.
  • 20 Prozent der Ernte werden zur erneuten Aussaat gelagert, um nicht mehr vom teuren Industriesaatgut abhängig zu sein. 
  • Die Wasserquellen sind u. a. durch Wiederaufforstung der Quellwälder zu schützen, der Wasserausstoß der 30 Wasserquellen soll verdoppelt werden. Die Wiederaufforstung soll die Temperatur in den Wassereinzugsgebieten um 2°C senken.
  • In 20 Gemeinden werden 30 Hektar zusätzliches Ackerland bebaut. 
  • Die Zugehörigkeit von Land zu einer Dorfgemeinschaft soll juristisch abgesichert werden.

Stolz auf das gemeinsam Erreichte

Durch das Projekt Waman Wasi hat sich erneut viel verändert für die Menschen in der Amazonasregion, diesmal zum Guten. In den betreuten Gemeinden wird wieder Mischanbau betrieben, dadurch ist die Nahrungsmittelsicherheit wiederhergestellt. 5 Gemeinden haben ihre Wälder schon wieder aufgeforstet, weitere 15 sind auf einem guten Weg dorthin.

In 20 Dorfschulen mit 800 Schülern werden heute interkulturelle Lerninhalte sowie traditionelle Handwerks- und Landwirtschaftstechniken unterrichtet. 90 Kräuter aus der Region werden in den Gemeinden wieder nach alter Tradition zur Vorbeugung und Heilung von Krankheiten eingesetzt.

Besonders erfreulich ist, dass bereits 52 der von Waman Wasi begleiteten Gemeinden offiziell vom peruanischen Staat anerkannt wurden. Bei Projektstart waren es noch 13. Die offizielle staatliche Anerkennung ist ungemein wichtig, denn sie sichert der indigenen Gemeinde das Recht auf ihr Territorium und schützt sie vor dem Zugriff z. B. durch Erdölfirmen, die dort bohren wollen.