Faire Milchpreise – im Gespräch mit Josef Jacobi

Reihenweise müssen konventionelle Milchbauern aufgeben. Warum es bei Bio anders ist und was Kunden für die Bauern tun können, erklärt Josef Jacobi, Aufsichtsratsvorsitzender der Upländer Bauernmolkerei. Ein Interview aus dem Alnatura Magazin 08/2016.

Josef Jacobi, Aufsichtsratsvorsitzender der Upländer Bauernmolkerei.

Bereits seit 1997 arbeiten die Upländer Bauernmolkerei und Alnatura zusammen.

Auch die Alnatura Initiative "Faire Preise für unsere Milchbauern" – sie wurde vor zehn Jahren ins ­Leben gerufen – begleitet die Upländer Bauernmolkerei von Anfang an. Ihr bisheriges Resümee?

Josef Jacobi: Alnatura ist ein wichtiger Abnehmer unserer Produkte und darüber hinaus ein angenehmer Partner. Von Beginn an arbeiten wir sehr gut zusammen, wir sind also sehr zufrieden. Durch diese Zusammenarbeit können wir unser faires Milchkonzept auf eine stabile Basis stellen.

Was bedeutet "fair" für einen Milchbauern?

Das Faire-Milch-Konzept habe ich mir vor rund elf Jahren überlegt. Damals gab es fair gehandelten Kaffee und faire Bananen, aber keinen fairen Ansatz für deutsche Milchbauern. Ich habe mich gefragt, weshalb das, was für die Campesinos in Südamerika gilt, nicht auch für uns Milchbauern in Deutschland gelten kann. Wir haben deshalb eine Studie machen lassen. Das erstaunliche Ergebnis war, dass 80 Prozent der Verbraucher bereit sind, einen höheren Preis für fair erzeugte Milch zu bezahlen. Fair bedeutet, dass die Kosten des Bauern gedeckt sind, seine Arbeit angemessen bezahlt und damit anerkannt wird. Das waren zu Beginn 40 Cent pro Liter, inzwischen kalkulieren wir mit mindestens 45 Cent für den Bauern, egal ob er große oder kleine Mengen Milch liefert.

Diagramm Durchschnittliche Milchpreise in Deutschland

Die Preise für konventionelle Milch gehen immer weiter runter …

Mittlerweile erhalten manche konventionelle Milchbauern nur noch 19 Cent pro Liter. Diese Preisentwicklung ist eine Katastrophe. Milchbauern zahlen jetzt quasi Eintrittsgeld, wenn sie in ihren eigenen Stall zum Arbeiten gehen. Viele Betriebe müssen verkaufen, ganze Existenzen werden so vernichtet. Zwischen 1984 und 2014 ist die Zahl der Milchbauern um 79 Prozent zurückgegangen. Mit solchen Niedrigstpreisen wird das Milchbauernsterben weitergehen.

Was ist die Alternative?

Auf die Politik in Brüssel und Berlin haben wir keinen Einfluss, aber auf unseren Umgang mit den Bauern und die Kommunikation mit unseren Milchkunden. Wenn Discounter einen Liter Milch für 45 Cent verkaufen, dann ist das billiger als manches Mineralwasser. Solche Preise spiegeln nicht die Arbeit zur Erzeugung der Milch wider. So eine Milch sollten die Kunden stehen lassen! Mit dem Kauf einer fair erzeugten Bio-Milch dagegen zeigen Kunden ihre Wertschätzung für die Arbeit der Bauern, unterstützen artgerechte Kuhhaltung, ermöglichen regionale Vielfalt und schaffen so letztlich eine Voraussetzung zum Erhalt unserer schönen Kulturlandschaften.

Kühe auf der Weide

Heißt das, alle konventionellen Milchbauern sollten auf Bio umstellen?

Natürlich freue ich mich über jeden Bauern, der umstellt. Und vor dem aktuellen Hintergrund gibt es auch sehr viele, die in Bio einen Ausweg aus ihrer Misere sehen. Doch wenn jetzt ein großer Teil der Bauern auf einen Schlag umstellen würde, käme mit diesem plötzlichen Mengenzuwachs auch der Bio-Markt nicht zurecht. Wir brauchen ein gesundes Wachs­tum. Je mehr Menschen bereit sind, für eine qualitativ hochwertige Bio-Milch einen angemessenen, fairen Preis zu bezahlen, umso mehr Bio-Bauern brauchen wir und umso mehr bäuerliche Existenzen können aufrechterhalten werden.

Die Umstellung auf Bio ist ja eine weitreichende Entscheidung …

Die äußeren Voraussetzungen wie artgerechte Tierhaltung, Verzicht auf Pestizide und so weiter sind ja klar in der EG-Öko-Verordnung und noch weitergehender von den Anbauverbänden wie Bioland beschrieben. Über diese kontrollierbaren Ebenen hinaus kommt es vor allem auf die Einstellung des Bauern an. Also ob er oder sie den Zusammenhang von Boden, Pflanzen, Tieren und Mensch erkennt und in solchen Kreisläufen auch handelt. Ich hatte einen Lehrling, Lorenz Sökefeld, der hat das ganz schnell verinnerlicht. Dazu hat er ein unglaubliches Gespür für Kühe, er ist ein Kuhflüsterer. Jetzt, nach Abschluss seines Studiums, stellt er einen Hof auf Bio um, übrigens mithilfe der Alnatura Bio-Bauern-Initiative.

Der Milchbauernhof der Zukunft. Wie sieht dieser für Sie aus?

Auf jeden Fall vielfältig! Ich plädiere für Vielfalt nicht nur in der Landschaft, sondern auch bei der Bewirtschaftung. Es sollte also weiterhin Familienhöfe geben und auch solche, die mit Mitarbeitern den Betrieb aufrechterhalten. Wichtig ist ein ausgewogenes Verhältnis von Bodenfläche zur Anzahl der Tiere und Menschen. Bei den großen Betrieben mit Massentierhaltung und ganz wenigen Mitar­beitern stimmt dieses Verhältnis einfach nicht. Auch die Fruchtfolgen sollten vielfältig sein. Auf meinem Betrieb haben wir 44 Sorten und Arten auf den Äckern, so bleiben die Böden nährstoffreich und die Pflanzen widerstandsfähig. Vielfalt bewahren und die Kreisläufe der Natur beachten – das ist mein Credo für jetzt und die Zukunft.

››› Das Interview führte Volker Laengenfelder

10 Jahre Alnatura Initiative "Faire Preise für unsere Milchbauern"

Packshot Alnatura Milch

Sie, unsere Kundinnen und Kunden, machen es möglich: Seit zehn Jahren gewährleistet Alnatura den Partner-Molkereien und damit den Bio-Bauern einen fairen Preis. Faire Preise bedeuten für die Bio-Bauern eine angemessene Entlohnung ihrer Arbeit. Für unsere Kunden bedeuten faire Preise, dass sie Milchprodukte in bester Bio-Qualität erhalten. Durch Ihre Kaufentscheidung leisten Sie einen maßgeblichen Beitrag zum Erhalt der heimischen Bio-Milchwirtschaft. Hierfür sagen wir "Danke!".