»Meine Land, meine Bruder, unsere vino …«
Ein Besuch bei den sizilianischen Winzern Klaus und Gunther Di Giovanna.
Unterschiedlicher können Brüder gar nicht sein. Der eine ruhig und zurückhaltend, der andere quirlig und temperamentvoll. Beide aber wirken durch ihre ungekünstelte Nonchalance sehr sympathisch, beide sind stolz auf ihre familiäre Tradition und ihren Wein.
Gemeinsam leiten sie den seit drei Generationen bestehenden Weinbaubetrieb Di Giovanna im Südwesten Siziliens. Ihre unitalienischen Vornamen Klaus und Gunther sowie ihre deutschen Sprachkenntnisse verdanken sie ihrer aus Westfalen stammenden Mutter Barbara.
Der Familienbesitz der Di Giovannas in Sambuca di Sicilia: Ein Palazzo im florentinischen Renaissance-Stil aus dem 14. Jahrhundert.
Die Brüder Klaus und Gunther Di Giovanna leiten und betreuen mit 24 Mitarbeitern den gesamten Produktionszyklus vom Weinberg bis zur Abfüllung der Flaschen. Auch die Vermarktung der Weine liegt in Familienhand.
Seit 13 Jahren ist das Unternehmen offiziell Bio-zertifiziert. Ein Thema, das Klaus in Rage versetzt. Er sprudelt los: »Nicht erst seit 13 Jahren, viel länger! Unsere Familie baut seit 150 Jahren vino an, immer ecologico, immer natürlich, nie mit Gift! Nur für EU, nur für Burocrazia wir brauchen Bio-Zeichen! « Er verdreht dabei seine Augen, reckt beide Arme gen Himmel und ruft noch einmal nachdrücklich: »Mamma mia, la burocrazia!«
Rosato di Nero d’Avola, Rosso Sicilia und Chardonnay Sicilia.
17 verschiedene Bio-Weine, Cuvées und rebsortenreine Weine, produzieren die Brüder aus Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Syrah, Grecianico, Sauvignon Blanc, Chardonnay und Viognier sowie den einheimischen Rebsorten Inzolia, Grillo, Nero d’Avola und Nerello Mascalese. 65 Hektar Weinberge nennt die Familie di Giovanna ihr Eigen. Das ergibt ungefähr 300.000 Flaschen Bio-Wein im Jahr, die hier abgefüllt werden. Weiße und rote Sorten halten sich die Waage.
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Der neu gebaute Weinkeller, die Cantina, fügt sich harmonisch in die Landschaft des Naturparks Monte Genuardo ein.
Ihre Philosophie ist es, frische, reine Weine herzustellen, die ihren Charakter nicht verlieren. Schonende Gärverfahren auf niedriger Temperatur heißt ihre Devise. Dafür investieren sie Zeit, Geduld und in moderne Vinifizierungsanlagen mit den entsprechenden Kühlungssystemen. Heraus kommen dabei Weine wie der reinsortige Gerbino Chardonnay, ein wunderbar vollmundiger Weißwein, der trotz seiner 13 Prozent Alkoholgehalt fruchtig vinifiziert ist und dessen Alkohol elegant in das Süße-Säure-Spiel eingebunden ist.
Der Chardonnay wird hier auf 800 Metern über dem Meeresspiegel angebaut. »Eine der höchsten Chardonnay-Lagen überhaupt auf Sizilien«, sagt Gunther stolz.
In den Bergen der Gemeinde von Sambuca di Sicilia, auf 800 Metern über dem Meeresspiegel, wird Chardonnay angebaut.
»Durch die kühleren klimatischen Verhältnisse auf dieser Höhe – selbst im barbarisch heißen Sommer mit bis zu 45 Grad Celsius weht hier eine leichte Brise – behalten die Trauben ihre Säure und Frische.« Auf Sizilien beginnt man bereits Mitte August mit der Ernte. In den höheren Lagen zieht sich die Ernte häufig bis Mitte Oktober hin. An den steileren Hängen werden die Trauben per Hand gelesen. Der exakte Erntezeitpunkt der Trauben ist mit entscheidend für die Qualität des Weins. Wild gestikulierend weist Klaus darauf hin, wie wichtig die pünktliche Traubenernte ist: »Puntuale, puntuale ist importante für den Wein. Unser Önologe misst mehrmals täglich den pH-Wert der Trauben an den Reben. Und wenn er sagt, jetzt ernten, dann ernten wir genau dann und nicht einen halben Tag später.«
Zum Weingut gehören circa 280.000 Rebstöcke auf 65 Hektar im Südwesten Siziliens, 100 Kilometer von Palermo entfernt.
In den höheren Lagen treiben die Blätter der Reben im März noch kaum aus, während sie unten am Meer viel früher sprießen. Obwohl die Weinberge keine fünf Kilometer Luftlinie auseinander liegen, herrschen aufgrund des Höhenunterschieds von 800 Metern jeweils andere mikroklimatische Verhältnisse.
Fiori di Maggio (Maiblumen) nennen die Einheimischen die gelben Blumen, die bereits im März überall zwischen den Rebstöcken im nährstoffreichen Lehmboden blühen.
»Keine Gift, keine Gift«, versichert Klaus enthusiastisch und zeigt auch auf den wilden Fenchel am Rand und den Klee.
An ihrem Vorkommen erkennt man einen ökologisch bewirtschafteten Weinberg, in dem konsequent auf chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. Bio-Winzer setzen stattdessen auf die Selbstheilungskraft eines gesunden Öko-Systems, ein gewisser natürlicher Ertragsausfall wird eingeplant. »Ein Rückschnitt der Trauben ist notwendig, um den maximal zulässigen Ertrag von 1,5 bis zwei Kilogramm Trauben pro Rebstock einzuhalten und um die bestmögliche Qualität des Weins zu garantieren «, erklärt Gunther.
Neben den frisch vinifizierten, im Stahltank ausgebauten, jung zu trinkenden Weinen von Di Giovanna werden 50 Prozent der Roten vier bis sechs Monate, der Merlot sogar bis zu einem Jahr im Barrique ausgebaut. Klaus bestärkt seine Erläuterungen zum Weinausbau in der Cantina immer wieder mit dem Ausruf: »Wir möchten einfach nur einen guten Wein machen, nichts anderes.«