28.09.2008

Ökostrom

Seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 können Verbraucher wählen, welches Unternehmen sie mit Strom versorgt. Die Energieversorger wiederum können Kunden unabhängig von ihrem Standort beliefern. Natur- oder Ökostrom, grüner oder sauberer Strom, so lauten die Begriffe der Energieversorger, um Verbraucher mit ökologischem Bewusstsein als Kunden zu gewinnen.

 

Ökostrom ist vielseitig Eine in ökologischer Hinsicht nachhaltige Energieversorgung ist nur mit Strom aus erneuerbaren (rege­nerativen) Energiequellen gewährleistet. Mit Solarzellen ...
Neben vielen kleineren bieten inzwischen alle großen Stromversorger derartige Produkte an. Was verbirgt sich hinter den Begriffen - denn Ökostrom ist kein gesetzlich geschützter Begriff? Welcher Strom erfüllt die Ansprüche an eine nachhaltige Energieversorgung?

Erneuerbare Energien
Eine ökologisch nachhaltige Energieversorgung ist nur mit Strom aus erneuerbaren (regenerativen) Energiequellen gewährleistet. Die drei wichtigsten Energieträger sind Wind, Sonne und Wasser. Hinzu kommen Biomasse, Umgebungswärme und Erdwärme (Geothermie). Die Nutzung fossiler Energieträger wie Kohle, Öl und Gas gilt dagegen, besonders wegen des CO2-Ausstoßes, als extrem umweltschädlich, Atomkraft spätestens seit dem Reaktorunfall in Tschernobyl (1986) als hoch risikobehaftet. Der stetig wachsende Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung in Deutschland betrug im vergangenen Jahr laut Bundesumweltministerium 14,2 Prozent. Damit ist das Ziel, bis 2010 einen Anteil von 12,5 Prozent zu erreichen, schon jetzt übertroffen. Der Gesetzgeber hat außerdem auf die Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gesetzt. KWK-Technik nutzt die Abwärme bei der Stromproduktion ein und derselben Anlage. Gegenüber der getrennten Produktion von Strom und Wärme kann der CO2-Ausstoß so um bis zu 50 Prozent reduziert werden.

Grauer Strom
Die gesetzlichen Regelungen zu erneuerbaren Energien sollten das Monopol der alten Energieversorgungsunternehmen aufbrechen, außerdem Investitionen in neue, noch nicht wettbewerbsfähige Technologien und den Bau neuer Anlagen fördern. Deshalb sind die Stromnetzbetreiber verpflichtet, Energie aus regenerativen Quellen oder KWK in ihre Netze einzuspeisen. Die Netzbetreiber müssen den Erzeugern die abgenommene Strommenge mit gesetzlich festgelegten, über dem Marktpreis liegenden Tarifen vergüten. Die dadurch entstehenden Mehrkosten werden auf alle Stromkunden in Deutschland gleichmäßig verteilt. Umgekehrt erhalten die Betreiber ein Netznutzungsentgelt. Die Bundesnetzagentur genehmigt und kontrolliert diese Entgelte. Da es keine Versorgungsnetze gibt, in die ausschließlich grüner Strom eingespeist wird, bezieht letztlich jeder Kunde, physisch gesehen, einen Strommix, den sogenannten grauen Strom.

 


... einem Wasserkraftwerk ... ... einem Wasserkraftwerk ...
Labels und Zertifizierungen
Zur besseren Orientierung für den Verbraucher haben Umwelt- und Naturschutz-Verbände eigene Gütesiegel entwickelt. Zu ihnen gehören das ok-power Label und das GrünerStromLabel. Mehr Nachhaltigkeit und größere Markttransparenz ist beider Ziel. Wesentliches Kriterium für die Vergabe der Zertifikate: Kapazitätssteigerung in der Versorgung mit Ökostrom durch den Neubau umweltfreundlicher Anlagen. Die zertifizierten Öko­stromanbieter sind verpflichtet, den Neubau von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien oder effizienter gasbetriebener KWK zu fördern. Mit Hilfe folgender Investitionsanreize soll dies erreicht werden: eine deutliche Nachfragesteigerung nach grünem Strom, die die vorhandenen, öffentlich geförderten Kapazitäten übertrifft, und Fonds zur Unterstützung noch nicht wettbewerbsfähiger neuer Technologie.

NaturEnergie
AG Zertifizierungen wie das ok-power Label und das GrünerStromLabel sind nicht mit den RECS (Renewable Energy Certification Scheme) Zertifikaten zu verwechseln. Die Zertifikate stellen eine Art Spotmarkt für regenerative Energie dar und sagen nichts über die Qualität der Produktion des gehandelten grünen Stroms aus. EnergieVision e.V., gegründet von Öko-Institut e.V., WorldWildlifeFund Deutschland und Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, vergibt das ok-power Label. Firmen wie die NaturEnergie AG aus Grenzach-Wyhlen/Baden, LichtBlick aus Hamburg und die Energie-Vertriebsgesellschaft ENTEGA aus Darmstadt/Mainz bieten ihren Kunden ok-power-zertifizierten Strom. Die NaturEnergie AG ging 1998 als erster Ökostromhändler ans Netz. Zu den 300.000 Kunden gehört auch Alnatura. Seit Januar 2004 beziehen die Super Natur Märkte und die Unternehmenszentrale in Bickenbach ihren gesamten Strom aus 100 Prozent Wasser-, Windkraft und Solarenergie.

 


... oder Windgeneratoren lässt sich Strom ohne Verbrennung von Ressourcen herstellen. ... oder Windgeneratoren lässt sich Strom ohne Verbrennung von Ressourcen herstellen.
Händlermodell
Die meisten ok-power Naturstromprodukte sind nach dem Händlermodell zertifiziert worden. Voraussetzungen: Stromlieferung aus erneuerbaren Energien oder effizienten KWK-Anlagen, mindestens ein Drittel aus Anlagen nicht älter als sechs Jahre, ein weiteres Drittel aus Anlagen nicht älter als zwölf Jahre. Die Anlagen beider Kategorien müssen außerhalb des Förderbereichs des EEG entstehen, und der KWK-Anteil darf nicht mehr als 50 Prozent betragen. Der Ökostrom von ENTEGA stammt beispielsweise zu 100 Prozent aus regenerativen Energiequellen: 84,3 Prozent Wasserkraft, 9,7 Prozent Windenergie, fünf Prozent Biomasse und ein Prozent Solarenergie.

Angela Dietz

 

 


Verbraucher-Tipps

Die aktuell wichtigsten gesetzlichen Grundlagen
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2004)
Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG 2002)
Energiewirtschaftsgesetz (EnWG, 2005)
Biomasse-Verordnung

Gebräuchliche Zertifizierung
RECS – Renewable Energy Certification Scheme
EECS – European Energy Certificate System

 

 

Service für Verbraucher
Produktüberblick
EcoTopTen ist ein Projekt des Öko-Instituts, das ökologische Spitzenprodukte mit hoher Qualität und gutem Preis­Leistungs-Verhältnis, darunter Stroman­bieter, empfiehlt: www.oeko.de

Beratung
Rund 400 Verbraucherzentralen in Deutschland bieten ­Energieberatungen gegen eine geringe Gebühr an:www.verbraucherzentrale.de

Tarifrechner
Auf der Website von EnergieVision e.V. findenSie einen ­Tarifrechner, der einen Preisvergleich aller Ökostromprodukte mit nachgewiesenem Umweltnutzen bietet. Der Service ist anbieterunabhängig, werbe- und provisionsfrei und sucht Produkte für den entsprechenden Jahresverbrauch an Kilowattstunden: www.ok-power.de