Öko-Landbau in Gefahr

Der Ökologische Landbau hat seine Wurzeln in einer ganzheitlichen Betrachtung natürlicher Zusammenhänge, in der die Natur als nicht beliebig manipulierbar begriffen wird. Alnatura engagiert sich für den biologischen Landbau und seine Weiterentwicklung.

 

ökologisch bewirtschafteter Getreideacker neben Feuchtbiotopen

 

Ob beim Transport verweht, bei Produktion oder Lagerung vermischt oder durch Pollenflug und Insektenbestäubung verbreitet: Sind Gen-Pflanzen einmal in die Umwelt entlassen, können sie nicht mehr zurückgeholt werden. Die eingeschleusten Gene kreuzen nicht nur innerhalb von Kulturpflanzenarten, sondern auch in Wildformen oder verwandte Arten aus, etwa von Raps in Senf, oder gelangen über die Nahrungskette in Bodenlebewesen, höhere Tier und schließlich zum Menschen.

Bedrohung der biologischen Vielfalt
Biologische Vielfalt ist nicht nur ein Merkmal natürlicher Ökosysteme. Sie zeigt sich auch bei den Kulturpflanzen und Nutztierrassen, die teilweise über Jahrhunderte bzw. Jahrtausende gezüchtet wurden. Sowohl natürliche als auch Kulturpflanzenarten sind jeweils an unterschiedliche klimatische oder geografische Bedingungen angepasst. Sie können Resistenzen gegen besonders typische Schädlinge und Krankheiten besitzen. Diese Vielfalt ist die Grundlage jeder Züchtung; sie wird durch transgene Pflanzen gefährdet. Neben dieser drohenden Verdrängung findet eine Kontamination der natürlichen bzw. über Jahrhunderte gezüchteten Genpoole durch Pollenflug statt.

Schädigung von Nützlingen
Genmanipulierten Pflanzen verfügen über eine Toleranz gegen einige Totalherbizide und ermöglichen so deren großflächigen Einsatz, wodurch Ackerwildkräuter - zunächst - fast komplett vernichtet werden, und im Zuge dessen auch die Insekten, die von ihnen leben. Vögeln und anderen Tieren werden wichtige Nahrungsquellen entzogen. Die Gentechnik verstärkt daher das durch die herkömmliche Intensiv-Landwirtschaft bedingte Artensterben. Durch den intensiven Einsatz der Totalherbizide können Wildkräuter und Schädlinge jedoch Resistenzen ausbilden. Das erfordert dann einen immer stärkeren Einsatz von Spritzmitteln und die Veränderung der "Rezepturen" - mit unabsehbaren Folgen für Natur und Grundwasserqualität.
Einige der genmanipulierten Pflanzen, so auch der in Deutschland angebaute GV-Mais, produzieren ein Insektengift zur Schädlingsabwehr. Dies geschieht fortwährend und unabhängig von einem konkreten Schädlingsbefall. Die Auswirkungen auf "Nichtzielorganismen" sind noch nicht abschließend geklärt. Doch es ist bereits belegt, dass die Artenvielfalt auf solchen Gentechnik-Anbauflächen und in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft sinkt.

Wirtschaftliche und soziale Folgen
Weniger als zehn Konzerne aus den Industrieländern geben heute auf dem internationalen Agrarmarkt den Ton an. Dadurch gerät die landwirtschaftliche Produktion weltweit, vor allem aber in den so genannten Entwicklungs- und Schwellenländern, in immer größere Abhängigkeit von diesen Unternehmen. Denn gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere sind grundsätzlich patentiert. Bauern verzichten beim Erwerb des Saatguts auf ihr Jahrhunderte altes Recht, einen Teil ihres Ertrags zur Wiederaussaat zu verwenden. Sie verpflichten sich, dieses nur als Lizenznehmer zu nutzen und begeben sich in die Abhängigkeit von einzelnen Saatgutanbietern. Die unkontrollierte Verbreitung von gentechnisch veränderten Organismen wird damit nicht nur zur existenziellen Gefahr für den Ökolandbau, sie gefährdet auch die Landwirtschaft als sichere Erwerbsquelle und Grundpfeiler unserer Ernährung.

Schutzmaßnahmen
Um Öko-Lebensmittel vor Verunreinigung zu bewahren, müssen bei einer Koexistenz weitreichende Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Das beginnt bei der Einhaltung von Sicherheitsabständen beim Anbau, strikter Trennung bei Produktion, Lagerung und Transport und bedeutet nicht zuletzt einen erhöhten Analyseaufwand. Denn eine Verschmutzung ökologischer Produkte mit Gentechnikspuren wäre für Verbraucher und Erzeuger gleichermaßen untragbar.

Quellen und weiterführende Informationen

www.boelw.de
www.bund.net
www.keine-gentechnik.de
www.oekoregelungen.de

 

 

 

Vielfalterleben
Visual Gutes wachsen lassen
Ins Leben gerufen wurde die Initiative 2011 von Alnatura. Kern der Aktion war eine öffentliche Petition gegen Agro-Gentechnik, die von mehr als 100.000 Menschen unterstützt wurde. 2012 dreht sich bei Vielfalterleben alles um das Thema Saatgut und Vielfalt. Auf der Aktionswebsite www.vielfalterleben.info findet man viele Hintergrundinformationen, Tipps zum Bio-Gärtnern und alle Mitmachmöglichkeiten.