01.05.2008

LaSelva

Vom Feld ins Glas

Interview mit Karl Egger, Bio-Pionier und Gründer von LaSelva sowie Herstellerpartner für Alnatura Origin

 

Visual
Sie begannen vor 25 Jahren mit 37 ha Land hier in der Maremma, heute bewirtschaften Sie 428 ha ökologisch. Was bauen Sie auf Ihrem Landgut an?

Zum Beispiel Getreide, Wein, Tomaten, sämtliche Sorten Gemüse wie Zucchini, Auberginen, Zwiebeln, Kürbisse, Lauch, Peperoni, Paprika, Kohl und grünen Spar gel. Wichtig dabei ist, auf die Mischung und die Frucht folge zu achten, um das ökologische Gleichgewicht des Bodens wiederherzustellen. Dann haben wir noch Dauerkulturen: Obst, wie Pfirsiche, Aprikosen, Birnen und Äpfel; wir bauen auch Tierfutter wie Mais selber an. Ackerbohne und Luzerne dienen der Unkrautbefreiung und Stickstoffversorgung des Bodens sowie als eiweißreiches Tierfutter für unsere Chianina-Rinder und unsere Appennin-Schafe. Die Tiere sorgen wie derum für den natürlichen Dünger unserer Felder. Wenn Sie so wollen, nutzen wir einfach den Kreislauf der Natur. Die von uns gepflanzten Raine, Hecken und sogar 65 ha Wald bieten Insekten, Vögeln und Wild natürliche Rückzugsräume. Damit fördern und erhalten wir die Artenvielfalt.

Das Besondere bei LaSelva ist, dass Sie nicht nur anbauen, sondern Sie verarbeiten alle ökologischen Produkte in Ihren eigenen Produktionsanlagen. Was ist das Besondere an der Verarbeitung Ihrer Produkte?

Wir verarbeiten alles sofort frisch nach der Ernte nach alten italienischen Rezepturen der Einheimischen. Und fast sämtliche Produkte, die wir verarbeiten, bauen wir selber an. In unseren eingemachten Gemüsesorten oder Tomatensaucen sind keine Zutaten, die dort nicht reingehören. Da wird nichts gestreckt, nichts künstlich haltbar gemacht. Alle Zutaten erfahren eine schonende Zubereitung. Nur so bleiben ihnen der natürliche Geschmack und die Vitalstoffe erhalten.

 


Visual Karl Egger, Bio-Pionier und Gründer von LaSelva
Gehen wir zurück zu den Anfängen von LaSelva. Mehr als 25 Jahre ist das her. Sie waren und sind nicht gerade der klassische Öko. Ein Unternehmer einer damals florierenden Elektro-Firma und Inhaber eines innovativen Plattenlabels lässt sich in der Südtoskana nieder, um Bio-Bauer zu werden. Wie kamen Sie 1980 auf eine solche Idee?

Einen Garten mit Gemüse hatte ich schon immer und einen Hang zur Landwirtschaft auch. Anfang der 70er thematisierte der Club of Rome zum ersten Mal die Gefahren und Folgen der Industrialisierung für unsere Umwelt. Das interessierte mich. Ich kaufte mir hier in der Maremma, wo ich es immer schon sehr schön fand, ein Stück Land und übte mich als Bio-Bauer ohne Geschäftsidee oder irgendein dahinterstehendes Konzept. Irgendwann stellte ich fest, dass man mit der Ernte eines Tomaten- oder Auberginen-Ackers ein ganzes Dorf versorgen kann. Meine Mitarbeiter und ich standen vor dem Problem, dass wir die gesamte frische Ernte nicht mehr loswurden, und fingen an, das Gemüse einzuwecken, um es haltbar zu machen – so wie die Menschen, etwa meine Großmutter, früher schon. So haben wir sehr viele Leute versorgt, bis wir auf einmal derart viel produziert hatten, dass wir es verkaufen mussten.

Seit wie vielen Jahren beliefern Sie Alnatura mit Ihren Feinschmecker-Produkten in Bio-Qualität?

Unsere LaSelva-Produkte verkaufen die Alnatura Super Natur Märkte schon seit einigen Jahren. Dass wir gemeinsam eine Produktlinie mit Ihrem Produktmanagement entwickeln, ist neu. Sie bekommen von uns alles aus einer Hand. Wir pflanzen, wir pflegen die Pflanzen, wir ernten und wir verarbeiten die Produkte. So wissen Sie und wir genau, welche Zutaten die Produkte enthalten.

 


Visual Karl Egger beschäftigt im Sommer 50 Leute, im Winter 30 – vorzugsweise ansässige Erntehelfer, die auch Wintergeld beziehen.
Wie hat sich die Nachfrage nach Ihren Bio-Gourmet-Produkten in den letzten Jahren entwickelt?

Sehr positiv. Bis 2000 haben mir die Hälfte der Produkte die Japaner abgekauft. Auch die Skandinavier waren immer bereit, für hohe Qualität ihren Preis zu bezahlen. Inzwischen hat der Export nach Deutschland zugenommen, und man spürt ein stärkeres Qualitätsbewusstsein – weg von der »Geiz-ist-geil-Mentalität«. Ansonsten beliefern wir England und die Schweiz.

Was ist neu oder besonders an den eigens für Alnatura entwickelten Origin-Produkten?

In der Tat sind die Produkte »LaSelva« und »Alnatura Origin« nicht austauschbar oder identisch. Alnatura hatte eigene Ideen und entwickelte daraus eigene Produkte, beispielsweise die Tomatensauce mit kleinen Zucchinistückchen.

Sie sind Mitbegründer des Verbandes Naturland und Mitglied von IFOAM (International Federation of Organic Agricultural Movements). Wie, glauben Sie, wird sich die ökologische Landwirtschaft in den nächsten Jahren in Europa entwickeln?

Auf politischer Ebene glaube ich, dass es trotz anfänglicher Schwierigkeiten dabei bleiben wird, dass es eine einheitliche und für alle verbindliche Ökozertifizierung, also EU-Verordnung, gibt. Für problematischer erachte ich, wie sich die persönliche Einstellung von Menschen, die ökologisch produzieren, entwickeln wird. Es ist schon ein Unterschied, ob jemand aus einem Geschäftssinn heraus vorschriftsmäßig die Richtlinien für ökologischen Landbau einhält oder ob jemand aus Überzeugung seinen Boden ökologisch bewirtschaftet. Strenge Kontrollen werden immer wichtiger, um schwarze Schafe ausfindig zu machen. Die Nachfrage nach Produkten aus ökologischem Anbau, die gut schmecken, wird auf jeden Fall weiterhin zunehmen.

Mehr Informationen finden Sie unter www.laselva.de und www.alnatura-origin.de 
Bei LaSelva in der toskanischen Maremma werden neben Tomaten vielerlei andere Gemüsesorten, wie z. B. Sellerie angepflanzt, außerdem Obst, Wein und Getreide.

 

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