28.02.2010

Kulturabenteurer

»Abenteuer Kultur« ist ein gestalterischer Workshop, bei dem die Alnatura Lehrlinge und Studenten mit der Theaterpädagogin und Regisseurin Sylvia Hatházy eine Woche lang an einem Ort außerhalb des Unternehmens verbringen und in der Stille der Natur konzentriert und kreativ arbeiten.

 

Visual
In Gruppen von etwa 20 Personen studieren sie ein Theaterstück ein, welches sie im Anschluss in der jeweiligen Region für Mitarbeiter und Kunden aufführen.

Nicht nur für die jungen Künstler ist das ein echtes Abenteuer. Bereits die Organisation erfordert einige Überlegungen: Die Entfaltung der Gruppe am Ort des Workshops muss im Innen- wie auch im Außenbereich sehr gut möglich sein. Er sollte ruhig und abseits gelegen und dennoch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. Ist der ideale Ort gefunden, kann es losgehen:

 


Visual Das Jubiläumstheaterstück anlässlich des 25. Geburtstags von Alnatura war kein leichtes Futter: die älteste Schöpfungsgeschichte der Menschheit, das »Gilgamesch-Epos«.
Nach der Anreise und ausreichender Stärkung beim Abendessen heißt es, das Thema des Stückes kennenzulernen. An den darauffolgenden Tagen wird geprobt, »performed«. Jeder Lehrling und jeder Student sucht und findet seinen Platz. Ebenso wie das Stück selbst: Gemeinsam mit der Regisseurin entwickeln die jungen Künstler das Thema und finden ihre eigene Rolle darin. So haben sie die Chance, sich und ihre Kreativität zu entfalten und die eigene Ausdrucksfähigkeit zu stärken.

Im Jahr 2009, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums von Alnatura, war dieser Workshop ein besonderes Abenteuer: Erstmalig wurde ein Theaterstück gemeinsam mit allen 65 Lehrlingen und Studenten einstudiert. Der Inhalt war kein leichtes Futter: die älteste Schöpfungsgeschichte der Menschheit, das »Gilgamesch-Epos«, das von der Beziehung zwischen Mensch und Natur und der Wichtigkeit des Miteinanders handelt.

Doch wie organisiert man das Einstudieren eines Stückes, an dem über 60 Schauspieler beteiligt sind? Die Lösung: In zwei Gruppen wurde jeweils eine Woche lang auf Schloss Trebnitz in Brandenburg gearbeitet und geprobt. Regisseurin Sylvia Hatházy holte sich dazu die Unterstützung einer Choreografin, eines Maskenbauers und einer Maskenspielerin sowie einer Kostümbildnerin. Neben dem sprachlichen und körperlichen Ausdruck erarbeiteten sie gemeinsam mit den Jungschauspielern auch den Rhythmus des Stückes im Innen- und Außenbereich des idyllisch gelegenen Schlosses mit seinem traumhaften Garten. In einzelnen Arbeitsgruppen konnte man zunächst Eindrücke von den verschiedenen Rollen gewinnen, um sich am Abend des zweiten Tages zu entscheiden: Mit Hilfe des Künstlerteams fand jeder seine Rolle. Vier Tage lang dauerten die Proben.

Anfang Oktober 2009 dann die zweitägige Generalprobe im neuen Alnatura Verteilzentrum im südhessischen Lorsch. Auf der großen Jubiläumsbühne fanden die beiden Gruppen erstmals zusammen und spielten das gesamte Stück gemeinsam durch. Nach den letzten Vorbereitungen und der Fertigstellung der Requisiten, als alle in ihre Kostüme geschlüpft und geschminkt waren, kam der große Moment: Unter reichlich Applaus der 2.500 Gäste – Alnatura Partner, Mitarbeiter und deren Familien – führte das aufgeregte Ensemble das Gilgamesch- Epos mit Hingabe auf.

Das Ergebnis des Abenteuer Kultur 2009 konnte sich sehen lassen und die Lehrlinge und Studenten waren sich einig: »Für uns war es ein tolles Erlebnis, bei dem wir viel dazulernen konnten und natürlich alle unseren Spaß hatten!« Dieses Jahr findet der Workshop wieder in gewohnter Form in kleinen regionalen Gruppen mit Sylvia Hatházy statt.

››› Petra Hausmann, Alnatura Ausbildungsberaterin

 

 

Medienecho
»… Mittlerweile habe ich Sylvia Hatházy an der Strippe, die nicht nur bei dm und Budnikowsky, sondern auch beim Bio-Unternehmen Alnatura den Kessel der Theaterlokomotive aufheizt. Sie sitzt bei dm im Lenkungsausschuss von »Abenteuer Kultur«, betreut die Auszubildenden bei Budnikowsky und hat gerade bei Alnatura mit 65 Lehrlingen zum 25. Firmenjubiläum das Gilgamesch-Epos zur Aufführung gebracht. Mit einem Team von vier Mitstreitern zog man sich an die polnische Grenze zurück, um anhand des Mythos szenisch über die Hybris unserer Kultur nachzudenken. »Das Ungeheuer entsteht aus den Resten der Wegwerfgesellschaft, aus dem, was unsere Zivilisation nicht haben will«, erläutert Sylvia Hatházy ihren Regieansatz. Das Stück wurde am 3. Oktober dieses Jahres mit großem Erfolg vor 2.500 Zuschauern aufgeführt. Publikumszahlen, die man von Rockkonzerten kennt, mit denen der deutsche Schauspieler aber so gut wie nie konfrontiert wird, es sei denn, er gastiert im antiken Stadion von Epidaurus.

Für Petra Hausmann, die bei Alnatura die Organisation der Workshops und Events managt, fiel beim donnernden Applaus besonders das Statement des Firmengründers Götz Rehn ins Gewicht, der die Aufführung zum schönsten Geburtstagsgeschenk erklärte. Sie wertet das Feedback vor allem in Hinblick auf die Förderung sonst brachliegender persönlicher Potenziale als Ermunterung. Sich mittels des Theaters neu wahrzunehmen und neu zu erfinden, beschreibt sie als das primäre Ziel der Theateraktivität. Das Theater funktioniert als Mikrokosmos des Geschäftslebens, wo der Einzelne unmittelbar lernt, dass sein Engagement in eine Gesamtkomposition einfließt, von der er einen notwendigen Teil bildet. Die Koordination der Aktivitäten, wie sie für jedes Unternehmen notwendig ist, veranschaulicht das Modell Theater. …«

››› aus: Frank Raddatz: Bühne im Betrieb, erschienen in ›Theater der Zeit‹, Dezember 2009

 

 

 

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