01.05.2011

Köstliches Kalamata

Fritz Bläuel gilt als Pionier des griechischen Bio-Olivenöls. In den letzten 35 Jahren schaffte er es, mehr als 500 Olivenbauern in der Mani davon zu überzeugen, auf Bio-Anbau umzustellen.

 

Die Olivenernte per Hand erlaubt eine bessere Auswahl der Oliven bei Mani Bläuel.
»Jassu, ti kánis« – Hallo, wie geht es dir? – begrüßen die Griechen ihre Freunde, begleitet von einem Handschlag oder einer Umarmung. Fährt man mit Felix Bläuel, dem Juniorchef der Firma Mani Bläuel, die serpentinenreiche Straße auf dem Weg von der Ölmühle zum Firmengebäude am Messenischen Golf entlang, hupen ihn die entgegenkommenden Fahrzeuge an und die Insassen winken ihm zu. Häufig muss er anhalten: Olivenbauern, Ölmühlenarbeiter, Besitzer von Tavernen, alle kennen und mögen den jungen Mann, der zwar österreichische Eltern hat, aber hier in Griechenland vor 27 Jahren geboren wurde. Sein Vater Fritz Bläuel kam in den 1970er-Jahren mit seinen Freunden aus einer Wiener Kommune auf den Peloponnes nahe Kalamata, um seine Überzeugung von einem alternativen Lebensstil zu verwirklichen.

 


Visual Der Baumschnitt erfolgt während der Ernte zwischen November und Januar.
»Am Anfang ging es uns um die Veränderung der Gesellschaft, aber irgendwann wollte ich mein eigenes Leben so verwirklichen, wie ich es mir wünschte «, erinnert sich Fritz Bläuel. Er begann, autark zu leben, baute selbst Gemüse an, sammelte Löwenzahn und Kräuter und übernahm viele Rezepte und Lebensgewohnheiten der einheimischen Griechen, deren ganzes Leben sich um Olivenöl drehte.

 


Visual Die Olivenernte per Hand erlaubt eine bessere Auswahl der Oliven. Sie dürfen weder zu grün noch zu reif geerntet werden und sollten sofort nach der Ernte möglichst unversehrt in die Ölpresse kommen.
Noch heute verbraucht eine sechsköpfige griechische Familie schon mal 350 Liter Olivenöl im Jahr. In Deutschland liegt der durchschnittliche Olivenölverbrauch im Jahr bei einem Liter pro Person. Um Geld zu verdienen, half Fritz Bläuel vor über 30 Jahren den Bauern bei der Olivenernte und begann, das extra native Olivenöl selbst abzufüllen und nach Österreich und Deutschland zu verkaufen. »Damals kannten die Menschen dort nur das nach nichts schmeckende raffinierte Speiseöl. So ein hellgrünes, fast fruchtsaftähnliches Öl war allen neu und entsprechend suspekt«, erzählt Fritz Bläuel amüsiert. Heute wird sein »Olivenöl nativ extra« oder von Gourmets für sein fruchtigfrisches, manchmal scharfes Aroma geschätzt.

 


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In den 1980er-Jahren begann der Kampf gegen die Chemiekonzerne, die den griechischen Bauern Kunstdünger und Pestizide für höhere Erträge verkauften. Fritz Bläuel sah keinen anderen Weg, als Oliven im Einklang mit der Natur anzubauen. Gemeinsam mit seiner Frau Burgi und unterstützt von seinem Freund Joseph Wilhelm, dem Gründer und Geschäftsführer des Allgäuer Bio-Unternehmens Rapunzel, überzeugte er in den vergangenen 35 Jahren über 500 griechische Bauern davon, auf Bio umzustellen, und half ihnen bei der Zertifizierung. Heute exportiert die Firma Mani Bläuel jährlich 300 Tonnen Bio-Olivenöl, das sie den Bio-Bauern abkauft. Jedoch nicht jedes Öl wird angenommen. Hierüber wacht der Lebensmittelchemiker und Qualitätsmanager Nikos Mavroidis, der jede Lieferung analytisch und sensorisch streng prüft.

 


Visual Eine hohe Qualität des Leseguts ist die Grundvoraussetzung für die gute Qualität des Olivenöls. Der Ertrag eines Koroneiki-Bäumchens in der Mani liegt bei nur etwa 15 Kilo Oliven – das ergibt höchstens drei Liter natives Olivenöl extra.
Der weltweite Olivenölpreis ging in den letzten Jahren stark zurück. Der Grund hierfür liegt in der Überproduktion des Marktführers Spanien, der letztendlich den Preis vorgibt. »Für kleinere Olivenbauern, die nur ein paar hundert Bäumchen besitzen, wird es immer schwieriger, ihre Familie zu ernähren, « gibt Fritz Bläuel zu bedenken.

Deshalb garantiert er den Bio-Olivenbauern einen Mindestpreis, den sie für ihr Öl bekommen, auch wenn der von der spanischen Olivenernte bestimmte Weltmarktpreis darunter liegen würde.

»Fair« ist für Fritz Bläuel eine Selbstverständlichkeit, ohne die er niemals das Vertrauen der einheimischen Bauern gewonnen hätte. Mit der gleichen Überzeugung führt sein Sohn Felix das Unternehmen mit den inzwischen 40 Mitarbeitern weiter.

 


Visual Ein Bio-Olivenhain in der Mani wird traditionell als Terrasse angelegt. Die Kombination aus hoher Lichtintensität, wenig Regenstunden und dem stein- und mineralreichen Bergboden in Meeresnähe macht die besondere Ölqualität der Koroneiki-Oliven aus.
Dem Streben nach Ganzheitlichkeit fühlt sich auch seine Frau Burgi Bläuel verpflichtet. Die Mutter von zwei Kindern führt das behagliche Gästehaus »Mani Sonnenlink«, in dem Yogakurse und Meditations-Seminare angeboten werden. Von Mai bis September veranstaltet die umtriebige Wienerin auf der Freilichtbühne des Geländes ein Musikfestival, das von überall her Gäste anlockt. Besucher sind bei den Bläuels immer herzlich willkommen, die Landschaft der messenischen Mani bezaubert, und die Kalamata Oliven sind einfach köstlich.

Die Mani-Bläuel-Olivenöle gewannen 2010 gleich mehrere Preise: »Bestes Olivenöl« auf der BioFach 2010 (aus 74 blind verkosteten Olivenölen), »Platin Award« für das beste Olivenöl Griechenlands in der Kategorie »Mild-fruchtig« (aus einer Blind verkostung von 200 Olivenölen), Gold beim »Parma-Award« (höchste italienische Auszeichnung für Olivenöl).

Weitere Informationen zu Mani Bläuel und Mani Sonnenlink unter www.blauel.gr und www.mani-sonnenlink.com

 

 

»nativ extra«
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Als »nativ extra« darf nur ein Olivenöl bezeichnet werden, das ausschließlich mit mechanischen Verfahren, kalt, bei maximal 27 Grad Celsius und ohne Chemie aus frischen Oliven gewonnen wird und absolut fehlerfrei ist. Um als »nativ extra« klassifiziert zu werden, muss ein Olivenöl nicht nur bestimmten analytischen Kriterien genügen, zum Beispiel weniger als 0,8 Prozent freie Fettsäuren aufweisen, sondern auch geschmacklich einwandfrei sein.

 

 

 

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