Körperpflege als Familientradition
Ausschließlich Speick Naturkosmetik-Produkte enthalten weltweit exklusiv den Extrakt des kleinen Gewächses.
»Immer der Nase nach«, so könnte die Anfahrtsbeschreibung zum schwäbischen Traditionsunternehmen Walter Rau GmbH, Speick Naturkosmetik lauten: Nähert man sich dem Fabrikgebäude zu Fuß, vom Bahnhof Leinfelden bei Stuttgart kommend, so erwartet man nicht, mit Düften begrüßt zu werden, die einen an exklusive Spa- und Wellnesslandschaften feiner Hotels erinnern. Ein angenehmer, würzig-frischer, aber auch sehr natürlich-reiner Geruch empfängt den Besucher bereits, bevor man das Fabrikgelände betreten hat. Außerdem wecken die Düfte Kindheitserinnerungen an eine lachsfarbene (rechteckig-ovale) Seife, die von der Großmutter immer sparsam verwendet und sorgfältig im Seifenschälchen aufbewahrt wurde – genau, hier wird die klassische Speick Natural Seife hergestellt. Gut gehalten hat sie sich mit ihren mehr als 80 Jahren. Duft und Aussehen haben sich nicht verändert. Nach wie vor wird sie wie Seifen im klassischen Sinne aus Fett und Lauge – ohne Rohstoffe auf Mineralölbasis – hergestellt. Und nach wie vor enthält sie Fette von heimischen Tieren, wie zum Beispiel Rindertalg. Wikhart Teuffel, der Enkel des Firmengründers Walter Rau, weiß, dass sich hier die Geister scheiden. »Die einen lehnen tierische Fette aus ethischen Gesichtspunkten grundsätzlich ab, die anderen halten den weiten Transportweg beispielsweise von Palmöl für unökologisch. Das Problem: Bei der Seifenherstellung werden 80 Prozent feste Fette, wie eben Rindertalg aus kontrollierten einheimischen Betrieben oder Palmöl von Produzenten des Roundtable on Sustainable Palm Oil, kurz RSPO, eingesetzt. Wo Rindfleisch konsumiert wird, fällt eben Rindertalg an. Deshalb sehe ich gerade im Hinblick auf den Nachhaltigkeitsgedanken kein Problem darin, diese tierischen Fette aus heimischer Landwirtschaft zu verwenden.«
Der Sprengstoff, den das Unternehmen von der Seifensiederei bezieht, besteht nur aus Fett und Lauge.
Für Vegetarier und Veganer, die sich damit nicht anfreunden können, hat das Unternehmen Seifen entwickelt, wie zum Beispiel die Bionatur Soap Bars, die aus rein pflanzlichen Ölen und Fetten hergestellt werden und BDIH-zertifiziert sind.Neben der Seifenherstellung, mit der sich die Familie bereits seit 1864 beschäftigt und die 50 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, bildet die Speick-Pflanze das Herz und den Ursprung des 1928 gegründeten Feinseifenwerks.
Die Seifenherzen »Buttermilch« und »Sanddorn« sind reine Pflanzenölseifen.
Walter Rau wollte mehr als nur eine Seife für die tägliche Reinigung, für die damals die Kernseife benutzt wurde. Ihm schwebte eine gut riechende Seife vor, die reinigt und gleichzeitig der Körperpflege dient. Der anthroposophisch gesinnte Geschäftsmann entdeckte die harmonisierenden Eigenschaften des Speicks und er verstand es, die Inhaltsstoffe der fast in Vergessenheit geratenen Pflanze wieder nutzbar zu machen. So entstand die Speick- Seife, eine natürliche, hautmilde Seife, die früher wie heute den größten Bekanntheitsgrad unter den Seifen genießt.
Die Rasiercreme wird im Kneter angesetzt – hier noch ohne Lauge. Sie besteht aus Bienenwachs und Pflanzenfetten. Vor der Abfüllung muss sie jedoch noch drei Monate reifen, erklärt Joachim Krauß.
Inzwischen stellt das Unternehmen nicht nur mehr Seifen her, sondern auch Cremes, Lotionen, Öle, Duschgels und seit 2010 sogar Shampoos, die teilweise BDIHzertifiziert sind. Ätherische Öle, natürliche Duftstoffe und andere haut pflegende natürliche Substanzen verfeinern und veredeln die Produkte. Alle Naturkosmetik-Produkte enthalten den Speick-Extrakt.
Eine durch und durch homogene Seife erhält man, indem der fertige Seifenteig mehrfach durchgeknetet und warm gepresst wird. Diesen Vorgang nennt man Pilieren.
Viele Jahre lang hatte die schwäbische Firma eine eigene Seidensiederei. Seit 2002 kauft sie das fertige Seifengranulat, hergestellt nach firmeneingenem Rezept, von regionalen Partnern ein und verfeinert die Seifen mit den Pflan zenextrakten, ätherischen Ölen und anderen natürlichen Subs tanzen. Die Rezepturen werden weiterhin im eigenen Labor entwickelt. Wareneingangskontrolle, Analyse, Prozesskontrolle und Warenausgangskontrolle – die gesamte Datendokumentation des Qualitätsmanagements findet ebenfalls im Labor statt.
Die Speick-Pflanze
Die Speick-Pflanze ist ein zartes Pflänzchen, nur zehn Zentimeter hoch mit hellgelben Blüten. Sie gedeiht in 1.800 bis 2.400 Metern Höhe und gehört zu den Baldriangewächsen. In der Botanik nennt man die Pflanze Valeriana celtica. Valere ist lateinisch und bedeutet »gesund erhalten«, während celtica für die keltische Herkunft steht. Man schreibt dem Speick eine harmonisierende Wirkung zu. Seit jeher wächst er in den alpinen Kärntner Nockbergen und steht seit 1936 unter Naturschutz.
Heutzutage enthalten ausschließlich Speick Naturkosmetik-Produkte – weltweit exklusiv – den Speick-Extrakt, der seit 2003 als kontrolliert biologische Wildsammlung (kbW) zertifiziert ist. Geerntet werden die ganzen Pflanzen von Hand, von der Blüte bis zur Wurzel, wie schon Jahrhunderte zuvor. Und seit mehr als 80 Jahren erhält Speick Naturkosmetik den getrockneten Speick für die Herstellung des Pflanzenextrakts. Für die Almbauern- Familien, die eine Erntelizenz haben, stellt die Speick-Ernte einen wichtigen Zusatzverdienst dar.