Haarpracht ade …
Ob und in welchem Maß die Haare ausfallen, liegt an den Genen. Doch man kann etwas tun, um den Haarwuchs zu stärken.
Bei einigen Männern beginnt es bereits mit Mitte Zwanzig: Plötzlich mehren sich auf dem Kopfkissen und in der Dusche die Haare, und der Haarwuchs über der Stirn fängt an, sich zu lichten. Auch wenn die meisten verständlicherweise diese Entwicklung besorgt verfolgen: Mit dem Schicksal zu hadern, bringt ebenso wenig, wie Kamm oder Bürste aus Angst vor weiterem Haarverlust beiseitezulegen. Denn sowohl Wuchs als auch Farbe und Struktur der Haare sind uns in die Wiege gelegt. Ob wir eine dunkle Lockenmähne, blonde Spaghettihaare oder einen krausen Rotschopf haben, bestimmen ebenso die Gene wie die Tatsache, ob die Haare ein Leben lang kräftig und dicht bleiben oder irgendwann schütter werden oder gar nicht mehr nachwachsen.
Für die betroffenen Männer mag es ein kleiner Trost sein: Es trifft fast jeden, rund 80 bis 90 Prozent haben Haarausfall. Ein weitaus größeres Tabuthema ist der Verlust der Haare für Frauen, von denen immerhin 60 bis 70 Prozent, meist nach den Wechseljahren, darunter leiden.
Unterschiedliche Faktoren können zum Haarausfall führen: Körperlicher oder seelischer Stress setzen dem Haarwachstum genauso zu wie radikale Diäten, Medikamente oder auch Jahreszeitenwechsel. Hauptursache sind allerdings die Hormone. In nahezu 90 Prozent der Fälle sprechen Fachleute von androgenetischem Haarausfall. Androgene sind Hormone, die bei der Entwicklung des männlichen Geschlechts eine wichtige Rolle spielen. Bei der Untersuchung von Familien, in denen mehrere Generationen von Männern von ausgeprägtem Haarausfall betroffen waren, fanden Forscher in den Blutproben einen Defekt in der Bauanleitung der Androgen-Rezeptoren. Die Wissenschaftler stellten fest: Dadurch wird die hemmende Wirkung der Androgene auf das Haarwachstum ver stärkt, und es kommt zum Haarausfall. Interessanterweise liegt die Erbanlage für diesen Androgen-Rezeptor auf dem XChromosom. Das heißt: Der Verlust der Haare wird vor allem von der Mutter vererbt. Ein Blick auf die Frisur des Großvaters mütterlicherseits lässt deshalb schnell das Glatzen-Risiko erkennen. Allerdings trägt nicht nur ein Erbfaktor zu der verfrühten Glatzenbildung bei. Die Forscher fanden noch weitere Gene, die unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden. So kann die Veranlagung auch direkt vom Vater auf den Sohn über tragen werden.
In der Regel führt sie zunächst zu Geheimratsecken, eventuell zu einer kahlen Stelle am Hinterkopf, auch Tonsur genannt, und später zur Glatze. Wobei es praktisch nie zur Vollglatze kommt – fast immer bleibt zumindest ein Haarkranz stehen. Auch wenn man von einem Gendefekt spricht, handelt es sich beim androgenetischen Haarausfall um keine Krankheit. Bei Männern tritt der Verlust der Haare meist in zwei Lebensphasen auf: nämlich zwischen dem 20. bis 30. und 35. bis 45. Lebensjahr, in der Regel schubweise. Üblicherweise haben wir etwa 100.000 bis 150.000 Haare auf dem Kopf mit einer Dichte von circa 200 Haaren pro Quadratzentimeter. Während ihres Wachstums von etwa einem Zentimeter pro Monat durchlaufen die Haare drei Phasen. Vier Monate nach der dritten, der sogenannten Ruhephase, fällt das Haar in der Regel aus. Da sich nicht alle Haare in den gleichen Wachstumsphasen befinden, verlieren wir auf natürliche Weise 80 bis 100 Haare täglich. Mehr als 100 ausgefallene Haare pro Tag über einen längeren Zeitraum werden als Anzeichen für Haarausfall gedeutet.
Was tun? Hormonelle Ursachen ebenso wie etwaige Mangelerscheinungen, die den Haarausfall begünstigen können, las sen sich am zuverlässigsten durch einen Bluttest erkennen. Fachleute wissen, dass beispielsweise gut gefüllte Eisenspeicher wichtig für gesundes Haarwachstum sind. Oft ist es sinnvoll, neben einer eisen- und proteinreichen Nahrung zusätzlich Eisentabletten einzunehmen, allerdings nur in Absprache mit einem Arzt, um eine gesundheitsschädliche Überdosis zu vermeiden. Auch Zink und Biotin gelten als haarwuchsfördernd. Jüngste Tests zeigten, dass Koffein verstärktem Haarausfall entgegenwirkt. Da ein Behandlungserfolg maßgeblich vom Sta dium des Haarausfalls abhängt, sollten Männer, die erste Anzei chen feststellen, möglichst frühzeitig gegensteuern, um einen neuen Wachstumsschub zu fördern.