04.03.2011

Gentechnik – Eingriffe sind irreversibel

 

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Biologie

Ein Organismus ist aus Organen aufgebaut, diese aus Geweben, welche aus Zellen bestehen, in denen sich Organellen, u. a. der Zellkern, befinden. Eiweiße sind die »Bausteine des Lebens«. Aus ihnen sind alle Körpergewebe zusammen gesetzt. Eiweiße bestehen aus Aminosäuren, deren Molekülfolge durch das Erbgut, die DNS (Desoxyribo-Nucleinsäure) bestimmt ist. DNS lenkt auch die Synthese von Enzymen und Hormonen, die den Stoffwechsel, den »Motor des Lebens«, am Laufen halten. Stoffwechsel, also Lebenserhalt und Nahrungsaufnahme, wird über die Zellen bewerkstelligt, ebenso wie Wachstum, also die Vergrößerung oder Vermehrung von Zellen. Dies funktioniert bei praktisch allen Lebewesen gleichartig.

Das Erbgut in der Zelle, die DNS, kann sich identisch verdoppeln – Voraussetzung für die Vermehrung von Zellen. Im Rahmen der geschlechtlichen Fortpflanzung wird Erbgut verschiedenen Ursprungs (des männlichen und des weiblichen Elternorganismus) durch biochemische Abläufe neu kombiniert. Die »Buchstaben des Lebens«, als die das Erbgut auch bezeichnet wird, erzählen dann eine neue Geschichte, buchstabieren ein anderes Individuum.

Fortpflanzung und Gentechnik

Im Zellkern ist das Erbgut in den Chromosomen dicht gepackt verwahrt. Während der Zellteilung wird die DNS ausgebreitet und dann rekombiniert. Was an Gestaltungsprozessen hier natürlicherweise abläuft, versucht der Mensch mit chemisch-technischen Mitteln zu beeinflussen. Genabschnitte werden »ausgeschaltet«, entfernt oder neu eingefügt. Anders als im natürlichen Geschehen, kombiniert der Mensch im Reagenzglas Erbmaterial über Artgrenzen und Naturreiche hinweg.

Folgen der Eingriffe ins Erbgut

Eingriffe ins Erbgut sind irreversibel. Es entstehen dabei vermehrungsfähige Organismen. Einmal in die Natur entlassen, sind sie nicht zurückholbar. Es handelt sich um einen schnellen, drastischen Weg der Veränderung, nicht vergleichbar mit dem bedächtigen Voranschreiten der natürlichen Evolution, die ausschließlich innerhalb der Artgrenzen abläuft.

Wo Menschen arbeiten, geschehen Fehler. Auch gibt es bewusste Regelverstöße. Durch gesetzliche Regeln ist ein »Zähmen« der Gentechnik im landwirtschaftlichen Zusammenhang nicht möglich. Wind, Wasser und Boden verfrachten gentechnisch veränderte Organismen (GVO) ungesteuert, ebenso Maschinen und Geräte. Nicht zu vergessen: Tiere tragen auch zur Verbreitung bei. Abstände von 150 oder 300 Metern zwischen Feldern mit bzw. ohne GVO-Kulturen, wie vom deutschen Gentechnik-Gesetz vorgesehen, reichen bei Weitem nicht aus. Die Folgen, insbesondere langfristige auf die umgebende Flora und Fauna, sind nicht untersucht. Es besteht die Gefahr, dass sich genveränderte Pflanzen in die Wildpopulation auskreuzen und dadurch »Superunkräuter« entstehen.

Argumente der Befürworter

Ist mit gentechnischen Mitteln erreichte Resistenz interessant für die Landwirtschaft, vielleicht gar für Bio-Bauern? Nein, denn auf diesem Wege erreichte Resistenzen sind rasch wieder durchbrochen. Was ist mit dem Hunger auf der Welt? Dieser ist ein Armuts-, Verteilungs- und Lagerproblem, keines der Gentechnik. Auch können sich arme Subsistenzbauern die Gebühren für Gensaatgut nicht leisten. Zweifelhaft erscheint der Sinn von »Pharmcrops«, also Pflanzen, die gentechnisch so verändert wurden, dass sie in ihrem Stoffwechsel Pharmaka produzieren.

 


Verbreitung von GVO-Kulturen

Weltweit werden vor allem Soja, Baumwolle, Mais und Raps gentechnisch verändert angebaut. USA, Argentinien, Kanada und China sind die führenden Länder. In Europa ist bisher nur GVO-Mais zugelassen, in Deutschland im Jahr 2007 auf 2.700 Hektar an 174 Standorten (Standortregister unter http://www.bvl.bund.de/). [aktuell: 27 Einträge in 2010; 24 Einträge in 2011, davon 20 vorsorglich für den Mais MON 810, je zwei für Kartoffeln und Zuckerrüben, insgesamt 3,23 Hektar in 3 Bundesländern]

Kennzeichnung von GVO-Produkten

GVO müssen gekennzeichnet werden. Auch wenn zufällig mehr als 0,9 % hineingeraten sind. Aber nicht, wenn Tiere mit GVO gefüttert wurden: Milch, Eier und Fleisch bleiben ungekennzeichnet.

Ist friedliche Koexistenz möglich?

Eine Illusion – denn GVO-Spuren nehmen zu; bei der Kennzeichnungsschwelle von 0,9 % ist ein allmähliches Aufschaukeln programmiert. Kosten und Aufwand tragen vor allem die Nicht-Verwender, die Informationen beschaffen, Absprachen treffen und beträchtlichen, vorsorgenden Analyseaufwand leisten müssen. Streit und Schaden bringen auch GVO-Feldzerstörungen (»Feldbefreiungen«).

 

 


Was können wir tun?

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Bio-Produkte kaufen (sind ohne GVO gewachsen und verarbeitet), für ein möglichst strenges Gentechnik-Gesetz arbeiten, GVO-freie Zonen gründen, ein Gesetz für deren staatliche Kennzeichnung verlangen, als Landwirt und Landhandel auf GVO-freiem Futter bestehen.

Mehr Informationen unter
http://www.keine-gentechnik.de/
http://www.saveourseeds.org/

Ein Betrag von Dr. Manon Haccius, studierte Agrarwissenschaftlerin und seit April 2000 bei Alnatura u. a. für Qualitätsmanagement und Verbraucherservice zuständig.

 

 

Vielfalterleben
Visual Gutes wachsen lassen
Ins Leben gerufen wurde die Initiative 2011 von Alnatura. Kern der Aktion war eine öffentliche Petition gegen Agro-Gentechnik, die von mehr als 100.000 Menschen unterstützt wurde. 2012 dreht sich bei Vielfalterleben alles um das Thema Saatgut und Vielfalt. Auf der Aktionswebsite www.vielfalterleben.info findet man viele Hintergrundinformationen, Tipps zum Bio-Gärtnern und alle Mitmachmöglichkeiten.