Blütezeit für Filz
Rosen, Tulpen , Nelken – alle Blumen welken.

Diese Malven aber nicht. Sie blühen trotz Wassermangel und tolerieren ungeschickte Gärtner. Der Grund: Sie bestehen aus feinstem Wollfilz. Einzeln hingelegt oder mit Früchten arrangiert, sind sie ein wunderbarer Tischschmuck, eine Zier fürs Fensterbrett oder als Geschenk geeignet.
Die Künstlerin und Autorin Angelika Wolk-Gerche (ihr Buch heißt »Blütenträume – Gestaltungsideen aus Filz«) hat sich auf die Kreation von Filzpflanzen wie Malven, Mohn und Margeriten spezialisiert. Typisch für die Malve sind das dunkle Auge und einige feine Linien im Blütenkelch. Erst wenn man sie mit dunklem Stickgarn in die Filzblüte webt, wirkt die Wollmalve tatsächlich plastisch und schön. Angelika Wolk-Gerche erklärt, wie aus farbigem Filzvlies filigrane Malven werden.
Bild 1
Schneiden und Sticken
Aus dem Nadelfilzvlies Kreise im Durchmesser von etwa 13 Zentimetern für Blüten und Kelchblätter schneiden. Die Kreise für die Blüten auf die Stechmatte legen und mit der Filznadel im Zentrum eine etwa daumengroße Menge dunkler Kammzugwolle vom Rand zur Mitte hin einarbeiten (Bild 1). Jetzt den Sticktwist teilen, bis zwei dünne Fädchen übrigbleiben, und mit der Sticknadel von innen nach außen fünf strahlenförmige Linien auf der Blütenscheibe anbringen. In die Zwischenräume fünf weitere, kürzere Strahlen sticken (Bild 2).
Bild 2
Einseifen und Wässern
Die Regel ist einfach: ohne Seife und Geduld kein Filz. »Bis sich die Fasern verhaken, walkt man die Wolle etwa acht Minuten hin und her«, sagt Angelika Wolk-Gerche. Am besten den Filz eingerollt in eine Matte walken. Es empfiehlt sich, ein feuchtes Handtuch sowie eine weitere Matte unterzulegen. Die Rollmatte anfeuchten und einseifen, sonst verbinden sich die Wollfasern beim Filzen nicht miteinander. Blütenscheiben und Blattrosetten mit Wasser besprenkeln, in die Matte wickeln, »und diese Wurst etwa zehn- bis 20-mal mit sanftem Druck über den Tisch rollen«, erklärt Wolk-Gerche (Bild 3). Den Filz auswickeln, auf die andere Seite drehen und den Vorgang wiederholen. Blüte und Blatt sind fertig, wenn sie sich komplett von der Rollmatte lösen, dabei keine Flusen hinterlassen und sowohl Sticktwist als auch eingearbeitete Wollfasern auf dem Nadelfilzvlies haften. Tipp: Unbedingt die Filzscheibe beim Einrollen immer wieder drehen. Sonst formt sich die Scheibe zum Ei.
Bild 3
Reiben und Drücken
Schneiden Sie mit einer scharfen Schere fünf zarte Wellen in den Rand der Blüte. Der grünen Scheibe verpassen Sie sechs Zacken, diese dürfen ruhig spitzer als die Blütenbögen sein. Stecken Sie die Blütenscheibe auf den eingeseiften Zeigefinger. Drücken, drehen und reiben Sie, bis sich eine zwei bis drei Zentimeter tiefe Mulde bildet (Bild 4). Diesen Kelch wieder in die Rollmatte wickeln und nochmals für ein paar Minuten von beiden Seiten filzen. Mit den grünen Kelchscheiben verfahren Sie genauso.
Spülen und Wringen
Die Seifenreste in den Blüten und Blättern unter lauwarmem Wasser ausspülen, auswringen, auf dem Finger in Form zupfen und kopfüber trocknen lassen. Biegen Sie die Blütenränder dabei etwas nach außen, dann wirken sie natürlicher.
Bild 4
Rollen und Kleben
Teilen Sie für die Staubgefäße von der grünen Kammzugwolle einen etwa einen Zentimeter dicken Strang ab und filzen ihn zu einer Schnur. Sie sollte nicht dicker als ein halber Zentimeter werden. »Beim Schnürchenrollen muss man aufpassen, dass man nicht zu stark drückt, sonst entsteht statt einer Schnur ein flaches Band«, so Angelika Wolk-Gerche. Sie legt den feuchten Wollstrang auf die Rollmatte und walkt ihn behutsam mit der flachen Hand. Den Strang immer wieder mit warmem Seifenwasser besprenkeln. Sobald er fester wird – das kann bis zu zehn Minuten dauern –, mit beiden Händen der Länge nach über die Matte rollen. Die getrocknete Schnurteilen Sie in etwa 2,5 Zentimeter lange Stücke, tropfen Textilkleber in die Mitte des Blütenkelchs und kleben drei grüne Schnürchen hinein. Jetzt müssen Sie nur noch die Kelchblätter an die Blüte kleben.