Ein Ausflug zu den Schokoladenkünstlern
Vom Lastwagen bis zum Glücksschwein - über 2.000 Schokoladenformen sind im hauseigenen Gießform-Atelier schon entstanden. Wir haben mal hinter die Kulissen des Schweizer Bio-Unternehmens Chocolat Schönenberger geschaut.
Die Schweiz ist das Schlaraffenland für jeden, der Schokolade liebt. Am Basler Bahnhof SBB bekommt man bereits eine Vorahnung davon, dass Süßwaren und insbesondere solche, die aus der Kakaobohne gewonnen werden, eine wichtige Rolle in der hiesigen Küche spielen. Doch hier endet unsere Reise nicht. Wir fahren nach Luzern, das pittoreske, kulturintensive Städtchen am Vierwaldstädter See. Auch hier: Chocolaterien an gefühlt jeder Straßenecke. Am Rande dieses zentralschweizerischen Kleinods hat Chocolat Schönenberger seinen Firmensitz. Und dorthin wollen wir.
Schon beim Öffnen der Eingangstür strömt uns das verführerische Kakaoaroma entgegen, das uns bis zum Ende unseres Besuchs nicht mehr loslassen wird. »Wir freuen uns, Sie in die Geheimnisse um unsere Bio-Schokoladen einzuweihen«, mit diesen Worten werden wir sehr herzlich von René Gautschi, Marketing- und Verkaufsleiter bei Chocolat Schönenberger, in Empfang genommen. Und schon tauchen wir ein in eine Welt, in der sich alles um feines Schokoladenhandwerk dreht.
Egal ob gefüllte Schokoladentäfelchen, Knusper-Schokolade oder Schoko-Marienkäfer – die Arbeit bei Schönenberger beginnt mit der Anlieferung der Schokolade – in flüssiger Form. Bestellt wird nach Bedarf, damit die Rohmasse so frisch wie möglich verarbeitet werden kann. Chocolat Schönenberger arbeitet dabei eng mit dem Zulieferer zusammen. Die Kakaobohnen stammen aus fairem Handel von Bio-Plantagen in Ghana und der Elfenbeinküste. Die Rezepturen für die flüssigen Schokoladen-Rohmassen bestimmen die erfahrenen Schönenberger-Confiseure. Auf Soja-Lecithin verzichten sie übrigens und setzen dafür auf eine sorgfältige Verarbeitung des edlen Materials.
Von Lastwagen bis Glücksschwein Über 2000 Schokoladenformen sind im hauseigenen Gießform-Atelier schon entstanden.
Im mollig warmen Zwischenlager – das Thermometer zeigt 42 Grad Celsius an – wartet die Schokolade auf ihre Weiterverarbeitung. Erst wenn die Qualitätskontrolle grünes Licht gibt, wenn Schmelz, Glanz und Geschmack stimmen, dann geht es weiter. Über Pumpen gelangt die Schokolade in die Temperieranlage und wird zunächst kurz abgekühlt und anschließend erneut erhitzt – mit diesem als Temperieren bezeichneten Vorgang erreichen die Schokoladenkünstler, dass die Schokolade ideal kristallisiert. Das wiederum ist wichtig, damit die Schokolade so lecker auf der Zunge schmilzt. Anschließend werden die Rezepturen für die einzelnen Schokoladenprodukte fein abgestimmt und die Schokoladen »in Form« gebracht. Für das knusprig-süße »Swiss ChocoRoc«-Sortiment wird »Torrone« untergerührt, das ist schweizerisch für Honignugat. Eine Besonderheit ist die sogenannte One-Shot-Abfüllung. Damit können Füllungen in die Schokolade gebracht werden: Zuerst wird der Boden aufgetragen, dann die Füllung und am Ende kommt ein Schoko-Deckel drauf. Und das Ganze in einem einzigen Schritt! Hier entstehen zum Beispiel die »Choco Carrés«: »Es ist eine echte Herausforderung, diese hauchdünnen Täfelchen etwa mit einer Minz-Zubereitung zu füllen. Die Entwicklung hat anderthalb Jahre gedauert«, erläutert Gautschi.
Filigrane Handarbeit Verzierungen werden in die Hohlkörper-Schokoladenform geschminkt, bevor die Schokoladenmasse hineingefüllt wird.
Wer sich schon immer gefragt hat, wie so ein Schokoladenhohlkörper eigentlich gemacht wird, also zum Beispiel Weihnachtsmänner, Osterhasen oder Marienkäfer, kann das jetzt von seiner Liste streichen: Fasziniert schauen wir den Schönenberger-Mitarbeiterinnen dabei zu, wie sie helle und Zartbitterschokolade mit viel Feingefühl in die Gießformen »schminken«. Anschließend, wenn die zarte Schokoladenschicht fest ist, wird die Vollmilchschokolade über das Gemalte gegossen. Dann kommt noch die Rückseitenform hinten drauf und ab geht es auf die Schleudermaschine – in einer Art Karussell wird die Schokolade an die Formenwände gepresst und im Inneren entsteht ein Hohlraum.
Schließlich geht es für die Schoko-Spezialitäten noch mal ins Kühle, damit die notwendige Stabilität erreicht wird. Kühl – für Schokolade sind das schon 12 bis 13 Grad. Zum Schluss müssen die Meisterwerke noch mit etwas Feingefühl aus der Form geklopft werden. Die Ränder, die bei den Hohlform-Schokoladen an der Naht zwischen Formvorder- und -rückseite entstehen, tragen die Mitarbeiter mit einem Pinsel vorsichtig ab. Nach abschließender Kontrolle – mit Waage und Augen – geht es an die Konfektionierung, also Verpackung der Produkte. Auch die ist, wie vieles hier, von liebevoller Handarbeit geprägt. Etwa die Marienkäfer: Sie werden zwar von einer Maschine vorverpackt, den letzten Schliff verleihen ihnen aber Menschenhände. Knapp 15 Paar davon gehören zu Menschen mit Behinderungen. Die Mitarbeiter der privatrechtlichen Stiftung Brändi arbeiten in den verschiedensten Bereichen bei Schönenberger.