28.02.2007

Die Bienen brauchen unsere Hilfe

Die Imkerei steckt in einer existenziellen Krise: Immer wieder gibt es ungeklärte Verluste von Bienenvölkern. Der Einsatz von Arzneimitteln und Zucker als Winterfutter ist keine Lösung. Vielmehr fehlt es den fleißigen Nektarsammlern und Pollenbestäubern an überlebenswichtigen Voraussetzungen in der Natur.

 

Auf das Zehnfache vom Honigertrag, wird der Mehrertrag durch Befruchtung geschätzt

Viele Nutzpflanzen sind für eine reiche Frucht- oder Samenbildung auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Neben Solitärbienen und Hummeln spielen die Honigbienen dabei eine besondere Rolle. Der Wert des Mehrertrages durch die Befruchtung im Obst-, Garten- und Landbau wird auf das Zehnfache vom Honigertrag geschätzt! Auch Wildpflanzen sind auf Bestäubung angewiesen, sie sind von Bedeutung als Teil der Nahrungskette vieler Tiere. Durch die zurückgehende Bienenhaltung ist die Bestäubung aber immer weniger gewährleistet. Der Bestand mancher Pflanzen- und Tierarten sowie die Stabilität des ökologischen Systems sind dadurch gefährdet. Globaler Handel erlaubt es uns zwar, Honige zu importieren, dabei wird allerdings keine einzige heimische Blüte bestäubt.

Blühende Landschaft – ein Segen für Mensch und Natur

Der Honigkunde ist heute verwöhnt und kann aus einer großen Zahl von Sortenhonigen wählen. Geschmack, Geruch und Farbe werden von der Herkunft des Honigs bestimmt. Der Imker beobachtet, wohin seine Bienen fliegen und kennt den Blühverlauf der Landschaft. Im Zweifelsfall kann durch mikroskopische Bestimmung des Pollens (Blütenstaub) in Blütenhonigen die Zusammensetzung bestimmt werden. Wenn mindestens die Hälfte von einer Pflanze stammt, darf der Honig als Sortenhonig bezeichnet werden. Oftmals stammen Sortenhonige aus Monokulturen der Landwirtschaft, wie zum Beispiel Raps oder Sonnenblumen. Diese so genannten Massentrachten geben viel Honig, allerdings nur während einer kurzen Zeit. Davor und danach finden die Bienen in den Agrarlandschaften nicht genug zum Leben. Auf den Äckern blüht kein Beikraut mehr. Früher haben Taubnesseln, Kornblumen, Kornrade und vieles mehr eine große Schar von Insekten ernährt. Auch die landwirtschaftlich genutzten Wiesen blühen infolge des häufigen Mähens kaum noch. Für die Bienen ist ein „Ausflug ins Grüne“ eine erfolglose Nahrungssuche. Nur eine bunte, das heißt blühende Landschaft ist gesund und bietet den vielen nützlichen und schönen Insekten eine Lebensgrundlage – und der Imker kann in ihr vielfältigen Honig ernten. Für die Bienengesundheit ist es außerordentlich wichtig, dass wenigstens in kleinen Mengen ein buntes Blütenangebot besteht. Nicht nur der Landwirt sollte etwas ändern. Jeder kann mit dafür sorgen. Auf dem Balkon oder im Hausgarten kann von jedem ein Paradies für unsere summenden Freunde geschaffen werden.
Unter www.bluehende-landschaft.de sind Praxisempfehlungen für Stadt und Land zu finden.

Neue Perspektiven für die Bienenhaltung

Industrialisierte Landwirtschaft raubt den Blütenbesuchern nicht nur die Nahrungsgrundlage, sondern belastet deren Gesundheit mit giftigen Spritzmitteln. Aber zum Alltag vieler konventionell arbeitender Imkereien gehören heute leider auch problematische Arzneimittel. Nicht nur die Landwirtschaft, auch die Art der Bienenhaltung hat sich völlig gewandelt. Die traditionellen Haltungsformen wurden im Laufe des letzten Jahrhunderts verdrängt und vergessen. Bienen können und wollen ihre Waben selber bauen. Künstliche Waben engen diesen grundlegenden Trieb des Bienenvolkes ein. Mit ihnen werden die Arbeitsabläufe des Imkers und auch das Leben der Bienen standardisiert. Bei wesensgemäßer Haltung dürfen sie ihre Brut dagegen in den Zellen frei gebauter Waben ziehen. In der Natur vermehren sich Bienenvölker durch Schwärme. Der Schwarmtrieb wird heute jedoch in aller Regel unterdrückt. Künstliche Volksbildung durch Ableger, künstliche Königinnenzucht, Brutschrank und instrumentelle Besamung der Königin sind an die Stelle einer natürlichen „Geburt“ der Bienenvölker getreten. Die vom Verein Mellifera e. V. entwickelten Haltungskonzepte gehen auf den Schwarmtrieb ein und arbeiten mit ihm.

Geheimnis des Bienenvolkes

Eine Königin, zehntausende Bienen und wenige tausend Drohnen (männliche Bienen) wirken im Bienenstock so zusammen wie die Zellen und Organe eines Lebewesens. Das Ganze des Bienenvolkes ist tatsächlich ein Lebewesen, ein Organismus. Sein Wesen zeigt sich darin, wie es sich wechselnden Anforderungen gegenüber immer wieder neu organisiert und wie es dem Ganzen der Natur dient.