„Das Studium erweitert den Horizont“
Auch im kommenden Studienjahr bietet Alnatura wieder zwei Student/innen die Möglichkeit, praktische Erfahrungen im eigenen Unternehmen zu sammeln. Das neue Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Alanus Hochschule ist verbunden mit Kunst- und Kulturwissenschaften sowie umfangreichen Praxisphasen in Unternehmen – das ist einzigartig in Deutschland. Eine Studentin erzählt von ihren ersten Eindrücken und ihren Zukunftswünschen.
Frau Muth, Sie gehören zur ersten Studentengeneration, die sich für den Studiengang der Alanus Hochschule „Bachelor of Arts (BA):
Betriebswirtschaftslehre Business Administration“ im Wintersemester 2006/2007 in Alfter bei Bonn immatrikuliert hat. Ihr erstes Semester haben Sie nun hinter sich – wie ist Ihr Eindruck?
Ich finde es unheimlich interessant, vor allem, dass ich hier an einer Kunsthochschule BWL studieren kann – das Modell ist wirklich einzigartig in Deutschland. Betriebswirtschaftslehre allein, ohne die künstlerischen und kulturwissenschaftlichen Komponenten, die man hier anbietet, käme für mich gar nicht in Frage.
Wie und wo haben Sie von diesem Studiengang erfahren?
Mir schwebte ein Studium mit einem interdisziplinären Ansatz vor, das mir vielseitige Einblicke verschafft und das vertieft, was mich interessiert. Dann entdeckte ich dieses Plakat von der Alanus Hochschule, das für den neuen Studiengang Bachelor of Arts warb mit dem Satz „Wie viel Phantasie verträgt die Ökonomie?“. Das hat mir gefallen und ich hatte das Gefühl, dass es sich bei diesem Studium nicht um die übliche BWL handelt und man über den Tellerrand hinaus schauen kann.
Die Universität kommuniziert ihren neuen Studiengang auch mit „Wirtschaft neu denken“. Was kann man sich darunter vorstellen?
Wir setzen uns hier nicht nur mit den üblichen Fächern wie Mathematik, Wirtschaftsinformatik, Marketing und so weiter intensiv auseinander, sondern arbeiten kreativ und hören Vorlesungen kultur- und kunstwissenschaftlicher Fächer. Das erweitert den Horizont und fördert das kritische Urteilsvermögen. „Wirtschaft“ ist für mich mehr als die viel beschworene Gewinnmaximierung.
Was erwarten Sie sich von diesem Studiengang für Ihre berufliche Entwicklung?
Ich möchte vor allem neben einem soliden ökonomischen Wissen, das mich in die Lage versetzt, ein kleines Unternehmen zu führen, eine ganzheitliche, kreative Herangehensweise lernen.
Um sich für diesen Studiengang mit Bachelor-Abschluss immatrikulieren zu können, braucht man ein Unternehmen als Praxispartner. Sie haben sich für dieses Programm Alnatura als Praxispartner ausgesucht. Das heißt, in den Semesterferien arbeiten und lernen Sie bei Alnatura. Was hat Sie dazu bewogen, sich bei Alnatura zu bewerben?Also erstens, „Bio“ liegt im Trend, oder besser gesagt, der Naturkosteinzelhandel zählt zu den zukunftsfähigen Branchen. Und zweitens, ich komme selbst aus einer traditionsreichen Einzelhandelsfamilie, und mit dem Handel mit qualitativ anspruchsvollen Produkten kann ich mich sehr gut identifizieren. Hinzu kommt, dass mir persönlich die anthroposophische Richtung des Unternehmens gefällt.
Wirtschaftsstudenten der Alanus Hochschule haben auch Kunst auf dem Stundenplan
Was darf man sich unter einem betriebswirtschaftlichen Studiengang mit Bachelor-of-Arts-Abschluss vorstellen? Wie sieht das konkret in der Praxis aus? Das Verhältnis BWL zu anderen Fächern wie Studium Generale und künstlerisches Arbeiten beträgt 70:30.
Welche Fächer werden bei der künstlerischen Komponente zum Beispiel angeboten?
Rhythmusschulung, Singen, Zeichnen, Schauspiel- und Sprachgestaltung. Dann gibt es noch das Studium Generale. Das bietet Vorlesungen aus allen Kultur- und Kunstwissenschaften an und wird von den Kunststudenten ebenso besucht wie von den Wirtschaftsstudenten.
Das hört sich nach hohem künstlerischen Anspruch an. Muss man sich für dieses Studium mit einer Kunstmappe bewerben?
Nein, man benötigt keine künstlerische oder gestalterische Begabung, um für diesen Studiengang zugelassen zu werden, lediglich das Interesse und die Bereitschaft, sich auf Kunst und Kultur einzulassen.
Wie viel Wochenstunden haben Sie belegt, wie viel Zeit für Eigenstudium bringen Sie auf?
Wir hatten im ersten Semester 25 Wochenstunden. Mehr als doppelt so viel Wochenstunden werden für Vor- und Nachbereitung der Seminare und Vorlesungen beansprucht.
Was waren Ihre interessantesten Fächer in diesem Semester?
Für mich persönlich am interessantesten waren die Gastvorlesungen von Führungspersönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. Zum Beispiel von Herrn Professor Werner, dem Gründer und Geschäftsführer von dm, oder der Vortrag von Herrn Dr. Rehn über Sozialorganik. Überrascht hat mich auch ein Gastvortrag vom Generalsekretär der FDP in NRW über Politische Philosophie. Obwohl ich keine wirtschaftsliberalen Ansichten vertrete, wurden auch dabei wirklich nachdenkenswerte Ansätze vorgestellt.
Sie sind erst 21 Jahre alt, und ich möchte Sie nicht mit der abgedroschenen Zielfrage quälen, aber was glauben Sie mit diesem Abschluss erreichen zu können? Auf welche Tätigkeit hätten Sie am meisten Lust?
Mein Traum wäre es, ein Café oder eine andere gastronomische Einrichtung – gern auch im größeren Stil – zu führen, bei der ein vielseitiges Kulturprogramm, wie Lesungen, Performances und Ausstellungen, stattfindet. Im Hinblick auf Alnatura könnte ich mir auch gut vorstellen, Filialleiterin in den Super Natur Märkten zu sein. Mir schwebt eine Tätigkeit vor, wo ich aktiv mitgestalten kann und beweglich bin. Horror wäre für mich ein reiner Schreibtisch-Job.
Erfüllt der Studiengang bislang Ihre Erwartungen? Hält er, was er verspricht?
Auf jeden Fall, auch wenn wir mehr Wochenstunden haben und der Lernaufwand damit höher ist als bei einem normalen BWL-Studium.
Gibt es etwas, das Sie an diesem Studiengang verbessern oder einfach verändern würden?
Es ist vielleicht etwas früh, das nach dem ersten Semester zu beurteilen. Ich würde mir aber einen intensiveren Dialog zwischen Künstlern und Wirtschaftsstudenten wünschen. Bislang herrschen hier ziemliche Vorurteile und Berührungsängste, was sehr schade ist, weil wir von dieser Auseinandersetzung doch alle lernen könnten.
Außerdem würden mir noch mehr Gastvorlesungen gefallen, weil das Einblicke in Unternehmen und Organisationen bietet, die man über den Universitätsbetrieb normalerweise nicht kennen lernt – von den vortragenden interessanten Persönlichkeiten einmal abgesehen.