Stimmt das? – Alnatura klärt gängige Öko-Vorurteile auf.
1924 hielt Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie, auf Gut Koberwitz bei Breslau acht Vorträge zum Thema »Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft« und gab damit den Impuls für die Gründung der biologisch-dynamischen und überhaupt der ökologischen Landwirtschaft in Europa.
Die Lebensmittelqualität und eine ganzheitliche Arbeitsweise unter Berücksichtigung der Stoff- und Naturkreisläufe standen im Fokus der Bio-Pioniere – und sind auch heute Leitbild des Öko-Landbaus und einer nachhaltigen Wirtschaftsweise.
Gegen sogenannte „Un“kräuter spritzen Bio-Bauern gar nicht. Hier arbeitet man mit der Hacke. Einige wenige Mittel, aus Naturstoffen gewonnen, werden im Obst- und Weinbau sowie bei einigen Gemüsekulturen gegen unerwünschte Insekten eingesetzt, dies auch mit dem Spritzgerät – der Bio-Bauer spricht dann von „Spritzen“, benutzt aber ganz andere Mittel als ein konventioneller Landwirt.
Gegen Pilzerkrankungen - Mehltau und Schorf beispielsweise - gehen Bio-Bauern im Obst- und Weinbau mit Schwefel- und Kupferpräparaten vor. Man arbeitet dabei mit „Geringkupfermitteln“: Die ausgebrachten Mengen an Kupfer sind heute sehr klein. Es laufen zudem kontinuierliche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, damit die Bio-Obst- und -Weinbauern in Zukunft mit Mitteln ohne Kupfer arbeiten können.
Regionalität bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Produkt besonders nachhaltig produziert wurde. Konventionelle »Eier aus der Region« etwa können auch vom Legehennen-Großbetrieb »um die Ecke« stammen.
Mit dem Bio-Siegel gekennzeichnete Lebensmittel werden nach den strengen Rechtsvorschriften der EU-Öko-Verordnung produziert und kontrolliert – das Bio-Siegel garantiert eine ökologische Produktion mit artgerechter Tierhaltung. Die Bio-Landwirtschaft nutzt unsere Ressourcen nachweislich besonders schonend.
Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) haben dieses Argument nachhaltig widerlegt. In einer Studie nahmen sie Proben von Hühnerkloake und Eiern wiederholt unter die Lupe. Das Ergebnis: Hennen und Eier aus ökologischer Freilandhaltung sind nicht keimbelasteter als die aus konventionellen Betrieben.
Zudem wiesen die Forscher bei Bio-Hühnern weniger Resistenzen gegenüber Antibiotika nach. »Somit leistet die ökologische Tierhaltung nicht nur einen Beitrag zum Tierschutz, sondern trägt darüber hinaus auch wesentlich zur Sicherung der weiteren Wirksamkeit von Antibiotika bei Mensch und Tier bei«, so Prof. Johann Bauer vom TUM-Lehrstuhl für Tierhygiene.
Im Fokus der Bio-Tierhaltung steht der artgerechte Umgang mit Rind, Huhn und Co. Die Tiere haben deutlich mehr Platz zur Verfügung – auch im Freien –, als ihnen in der konventionellen Landwirtschaft gegönnt wird. Sie bekommen Bio-Futter zu fressen, und zwar weitgehend vom eigenen Betrieb. Ein Bio-Bauer lässt seine Tiere medizinisch dann behandeln, wenn sie einmal krank werden, nicht vorbeugend ganze Bestände. Nach einer Medikation muss er doppelt so lange warten wie sein konventioneller Kollege, bevor die tierischen Produkte wieder verwendet werden dürfen.
Durch das Grasen auf den Weiden tragen die Bio-Kühe außerdem dazu bei, Kulturflächen zu erhalten. Und: Bio-Kühe machen nicht nur aus Gras und Klee Milch, sondern versorgen auch die Felder mit wertvollem Dünger und schließen so den Nährstoffkreislauf des Bio-Bauernhofs. Ökologisch gedüngte Böden binden mehr CO2 als konventionell mineralisch gedüngte.
Eine Studie des Öko-Instituts (www.oeko.de) zeigt, dass die Lebensmittelproduktion (einschließlich Verarbeitung und Handel) nur mit 45 Prozent zu klimarelevanten Emissionen beiträgt, der größere Rest entfällt vor allem auf die Lagerung und Zubereitung. Den Einkauf zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erledigen, im energiesparenden Kühlschrank zu lagern und mit Gas statt Elektrizität zu kochen, kann die CO2-Bilanz eines Lebensmittels erheblich verbessern. Bei allen betrachteten Lebensmitteln schnitten übrigens die Bio-Produkte jeweils leicht besser ab als die entsprechenden konventionellen Lebensmittel.
Runde Sitzstangen im Stall laden zum »Aufbaumen« ein. Die Tiere können drinnen oder draußen sandbaden. Ställe mit mehreren Ebenen fördern unterschiedlichste Verhaltensweisen. Die Hennen haben auch im Stall ausreichend Platz, ihre Eier legen sie in Nestern ab.
Das Beschneiden der Schnäbel, in der konventionellen Haltung häufig durchgeführt, ist bei Bio-Hühnern nicht erlaubt. Bio-Hennen finden stets auch ganze Körner im Futter, nicht nur sogenanntes Legemehl, denn: Ein Huhn ist kein Staubsauger!
Bio-Geflügelbestände werden nicht vorbeugend mit Antibiotika behandelt, im Fokus steht stattdessen die vorbeugende Gesunderhaltung durch geringe Herdengröße, robuste Tiere, gutes Futter und Auslauf, außerdem die aufmerksame Pflege durch den Bio-Landwirt.
Ebenso jedoch steht Bio heute für sorgsam und gekonnt verarbeitete, leckere Produkte, die rundherum »alltagstauglich« sind. Sie enthalten möglichst wenige Zusatz- und Hilfsstoffe, kommen ohne künstliche Farb- und Konservierungsstoffe aus, sind nicht künstlich aromatisiert. Sie lassen sich rasch und vielfältig zubereiten, und sie sind im Preis erschwinglich.
Wer Vollkorn mag, findet dafür die Zutaten. Wer es feiner möchte, wird ebenfalls rasch fündig.
Auch in weiter entfernt liegenden Ländern sichern Bauern ihren Lebensunterhalt durch Bio-Landwirtschaft auf eine für sie und die Natur gesunde Weise. Überall auf der Welt müssen Bio-Bauern, -Verarbeiter und -Händler strenge Vorschriften beim Umgang mit Bio-Lebensmitteln einhalten. Das wird regelmäßig kontrolliert.