Bio-Vorurteile

Stimmt das? – Alnatura klärt gängige Öko-Vorurteile auf.

 

Bio - nur ein Trend um schnell Geld zu verdienen!
 

 

Der ökologische Landbau blickt auf eine über 80-jährige Geschichte zurück. Er entstand als Antwort auf die ökologischen und ökonomischen Krisen in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Landwirte hatten bereits damals mit Problemen wie Bodenmüdigkeit, Schädlingsbefall und Pflanzenkrankheiten zu kämpfen und sorgten sich um die Qualität der erzeugten Lebensmittel.

1924 hielt Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie, auf Gut Koberwitz bei Breslau acht Vorträge zum Thema »Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft« und gab damit den Impuls für die Gründung der biologisch-dynamischen und überhaupt der ökologischen Landwirtschaft in Europa.

Die Lebensmittelqualität und eine ganzheitliche Arbeitsweise unter Berücksichtigung der Stoff- und Naturkreisläufe standen im Fokus der Bio-Pioniere – und sind auch heute Leitbild des Öko-Landbaus und einer nachhaltigen Wirtschaftsweise.

Bio-Siegel - Wenn Bio drauf steht, muss noch lange nicht Bio drin sein!
 

 

Richtig ist: Wo Bio drauf steht, muss Bio drin sein. Seit 1991 regelt die EU-Verordnung Öko-Landbau präzise und detailliert, wann ein Produkt als „bio“ oder „öko“ oder gleichsinnig bezeichnet werden darf. Die Einhaltung der Bestimmungen wird regelmäßig in allen Öko-Betrieben von Fachleuten kontrolliert. Das deutsche Öko-Landbau-Gesetz legt harte Strafen bei Verstößen fest.
Pflanzenschutz - Bio-Lebensmittel werden auch gespritzt.
 

 

Bio-Bauern betreiben vor allem vorbeugenden Pflanzenschutz, in erster Linie durch Bodenbearbeitung und Fruchtfolge, aber auch, indem sie Nützlinge schützen. Die üblichen organo-synthetischen Pestizide des konventionellen Landbaus setzt die Bio-Landwirtschaft nicht ein und hat sie nie eingesetzt. Bio-Bauern dürfen mit einer sehr eng begrenzten Palette von Pflanzenschutzprodukten arbeiten, die sich in sehr langer Tradition bewährt haben und die weitestgehend aus natürlichen Komponenten gewonnen werden.

Gegen sogenannte „Un“kräuter spritzen Bio-Bauern gar nicht. Hier arbeitet man mit der Hacke. Einige wenige Mittel, aus Naturstoffen gewonnen, werden im Obst- und Weinbau sowie bei einigen Gemüsekulturen gegen unerwünschte Insekten eingesetzt, dies auch mit dem Spritzgerät – der Bio-Bauer spricht dann von „Spritzen“, benutzt aber ganz andere Mittel als ein konventioneller Landwirt.

Gegen Pilzerkrankungen - Mehltau und Schorf beispielsweise - gehen Bio-Bauern im Obst- und Weinbau mit Schwefel- und Kupferpräparaten vor. Man arbeitet dabei mit „Geringkupfermitteln“: Die ausgebrachten Mengen an Kupfer sind heute sehr klein. Es laufen zudem kontinuierliche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, damit die Bio-Obst- und -Weinbauern in Zukunft mit Mitteln ohne Kupfer arbeiten können.

Regionalität - Regionale Lebensmittel sind genauso gut wie solche aus ökologischer Erzeugung.
 

 

Alnatura liegt die Zusammenarbeit mit regionalen Bio-Herstellern und die Förderung des Bio-Lebensmittelhandwerks in der jeweiligen Region sehr am Herzen. Die Vorteile sprechen für sich: Kurze Wege sichern die Frische von Backwaren, Obst, Gemüse und Co. Die Produkte sind authentisch, ihre Herkunft ist transparent, und Anbieter aus der Region werden partnerschaftlich unterstützt. Frisches regionales Obst und Gemüse zum Beispiel erkennen Sie in den Alnatura Filialen an dem Schild »aus der Region«.

Regionalität bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Produkt besonders nachhaltig produziert wurde. Konventionelle »Eier aus der Region« etwa können auch vom Legehennen-Großbetrieb »um die Ecke« stammen.

Mit dem Bio-Siegel gekennzeichnete Lebensmittel werden nach den strengen Rechtsvorschriften der EU-Öko-Verordnung produziert und kontrolliert – das Bio-Siegel garantiert eine ökologische Produktion mit artgerechter Tierhaltung. Die Bio-Landwirtschaft nutzt unsere Ressourcen nachweislich besonders schonend.

Technik - Bio-Bauern sind technikfeindlich.
 

 

Bio-Bauern schätzen Tradition und althergebrachtes Wissen. Sonst könnten sie ihre verantwortungsvolle Arbeit an und mit der Natur nicht machen. Aber Bio-Bauern sind auch innovativ, entwickeln neue Technik und nutzen diese mit Erfolg, z. B. eine Hackbürste, mit der das Unkrautjäten auch innerhalb der Pflanzenreihen eines Ackers, nicht nur dazwischen gelingt; oder einen großen »Staubsauger«, um der Kartoffelkäferplage auf dem Feld ohne Giftspritze Herr zu werden; oder mittels klassischer Züchtungsmethoden entwickelte Weinrebensorten, die pilzresistent sind – ein Segen für die Winzer in den pilzgefährdeten feuchten Weinlagen, wie sie für Deutschland typisch sind.
Tierhaltung - Bio-Eier sind unhygienisch.
 

 

Ein Vorurteil, auf das sich Gegner alternativer Legehennen-Haltungsformen viele Jahre beriefen: Bio-Hühner hätten größere Probleme mit krankheitserregenden Keimen wie Salmonellen und Listerien als ihre konventionell im Stall gehaltenen »Kolleginnen«. Legebatterien wären wesentlich hygienischer.

Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) haben dieses Argument nachhaltig widerlegt. In einer Studie nahmen sie Proben von Hühnerkloake und Eiern wiederholt unter die Lupe. Das Ergebnis: Hennen und Eier aus ökologischer Freilandhaltung sind nicht keimbelasteter als die aus konventionellen Betrieben.

Zudem wiesen die Forscher bei Bio-Hühnern weniger Resistenzen gegenüber Antibiotika nach. »Somit leistet die ökologische Tierhaltung nicht nur einen Beitrag zum Tierschutz, sondern trägt darüber hinaus auch wesentlich zur Sicherung der weiteren Wirksamkeit von Antibiotika bei Mensch und Tier bei«, so Prof. Johann Bauer vom TUM-Lehrstuhl für Tierhygiene. 

Tierhaltung – Bio-Fleisch stammt auch aus Massentierhaltung.
 

 

In der Bio-Landwirtschaft gibt es größere und kleinere Höfe und Tierbestände, aber es gibt keine Massentierhaltung. Ein Beispiel: 3.600 Hühner, die in drei Abteilungen zu je 1.200 Tieren gehalten werden, sind im Vergleich zum konventionell Üblichen sehr kleine Bestände; so schreibt es auch das Bio-Gesetz vor.

Im Fokus der Bio-Tierhaltung steht der artgerechte Umgang mit Rind, Huhn und Co. Die Tiere haben deutlich mehr Platz zur Verfügung – auch im Freien –, als ihnen in der konventionellen Landwirtschaft gegönnt wird. Sie bekommen Bio-Futter zu fressen, und zwar weitgehend vom eigenen Betrieb. Ein Bio-Bauer lässt seine Tiere medizinisch dann behandeln, wenn sie einmal krank werden, nicht vorbeugend ganze Bestände. Nach einer Medikation muss er doppelt so lange warten wie sein konventioneller Kollege, bevor die tierischen Produkte wieder verwendet werden dürfen.

Tierhaltung - Bio-Rinder verursachen mehr CO2-Ausstoß als konventionelle.
 

 

Bio-Rinder leben länger, daher verursacht ein einzelnes Rind absolut gesehen eine höhere CO2-Freisetzung. Aber: Die Bio-Rinderhaltung ist wesentlich extensiver als die konventionelle, d. h., es werden erheblich weniger Tiere pro Fläche gehalten. Im Gesamtvergleich ist die CO2-Emission dadurch geringer.

Durch das Grasen auf den Weiden tragen die Bio-Kühe außerdem dazu bei, Kulturflächen zu erhalten. Und: Bio-Kühe machen nicht nur aus Gras und Klee Milch, sondern versorgen auch die Felder mit wertvollem Dünger und schließen so den Nährstoffkreislauf des Bio-Bauernhofs. Ökologisch gedüngte Böden binden mehr CO2 als konventionell mineralisch gedüngte.

Eine Studie des Öko-Instituts (www.oeko.de) zeigt, dass die Lebensmittelproduktion (einschließlich Verarbeitung und Handel) nur mit 45 Prozent zu klimarelevanten Emissionen beiträgt, der größere Rest entfällt vor allem auf die Lagerung und Zubereitung. Den Einkauf zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erledigen, im energiesparenden Kühlschrank zu lagern und mit Gas statt Elektrizität zu kochen, kann die CO2-Bilanz eines Lebensmittels erheblich verbessern. Bei allen betrachteten Lebensmitteln schnitten übrigens die Bio-Produkte jeweils leicht besser ab als die entsprechenden konventionellen Lebensmittel.

Tierhaltung - die "artgerechte Haltung" von Bio-Legehennen ist nur ein Verkaufsargument.
 

 

Der artgemäße Umgang mit Nutztieren ist Leitbild der ökologischen Landwirtschaft. Natürlicher Lebensraum von Hühnern ist das Unterholz. Ökologisch gehaltenen Legehennen steht daher Auslauf im Freien zur Verfügung: Bei gutem Wetter kratzen, scharren und picken die Hennen draußen – außer es herrscht Vogelgrippealarm. Das fördert Muskelaufbau, Immunsystem und Vitamin-D-Synthese.

Runde Sitzstangen im Stall laden zum »Aufbaumen« ein. Die Tiere können drinnen oder draußen sandbaden. Ställe mit mehreren Ebenen fördern unterschiedlichste Verhaltensweisen. Die Hennen haben auch im Stall ausreichend Platz, ihre Eier legen sie in Nestern ab.

Das Beschneiden der Schnäbel, in der konventionellen Haltung häufig durchgeführt, ist bei Bio-Hühnern nicht erlaubt. Bio-Hennen finden stets auch ganze Körner im Futter, nicht nur sogenanntes Legemehl, denn: Ein Huhn ist kein Staubsauger!

Bio-Geflügelbestände werden nicht vorbeugend mit Antibiotika behandelt, im Fokus steht stattdessen die vorbeugende Gesunderhaltung durch geringe Herdengröße, robuste Tiere, gutes Futter und Auslauf, außerdem die aufmerksame Pflege durch den Bio-Landwirt.

Vielfalt - Bio ist Körnerfutter.
 

 

Bio als Körnerfutter ist ein althergebrachtes Vorurteil. Es hat heute keine Grundlage mehr. Vor 25 Jahren mag es berechtigt gewesen sein. Heute steht Bio für Genuss, und zwar sowohl aufgrund ursprünglichen Geschmacks, vor allem bei frischem Obst und Gemüse sowie auch bei anderen, bewusst nur wenig verarbeiteten Produkten.

Ebenso jedoch steht Bio heute für sorgsam und gekonnt verarbeitete, leckere Produkte, die rundherum »alltagstauglich« sind. Sie enthalten möglichst wenige Zusatz- und Hilfsstoffe, kommen ohne künstliche Farb- und Konservierungsstoffe aus, sind nicht künstlich aromatisiert. Sie lassen sich rasch und vielfältig zubereiten, und sie sind im Preis erschwinglich.

Wer Vollkorn mag, findet dafür die Zutaten. Wer es feiner möchte, wird ebenfalls rasch fündig.

Vielfalt - kann es so viel Bio-Produkte überhaupt geben, wie heute verkauft werden?
 

 

Ja, denn die Öko-Anbaufläche nimmt weltweit kontinuierlich zu, wenn auch in Deutschland eher langsam. Sie wächst auch in den umgebenden europäischen Ländern, schneller sogar, als sich dort die Absatzmärkte entwickeln, die wiederum in Deutschland rascher wachsen als die heimische Bio-Produktion.

Auch in weiter entfernt liegenden Ländern sichern Bauern ihren Lebensunterhalt durch Bio-Landwirtschaft auf eine für sie und die Natur gesunde Weise. Überall auf der Welt müssen Bio-Bauern, -Verarbeiter und -Händler strenge Vorschriften beim Umgang mit Bio-Lebensmitteln einhalten. Das wird regelmäßig kontrolliert.

 

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