06.05.2011

Bio-Palmöl aus Kolumbien

Die in „Report Mainz" im März 2010 gegen die Firma Daabon erhobenen Vorwürfe haben wir sehr ernst genommen und gemeinsam mit unseren Herstellerpartnern sofort umfassend geprüft Die Arbeit der Firma auf ihren Bio-Plantagen kann als sehr gut bewertet werden. In der von den Vorwürfen betroffenen Region ist die Lage unübersichtlich. Mittlerweile hat sich Daabon von dort zurückgezogen.

 

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Die ARD-Sendung „Report Mainz“ erhob im März 2010 in einer Reportage schwere Beschuldigungen gegen den kolumbianischen Bio-Palmölproduzenten Daabon: Das Unternehmen sei für Landvertreibung, Regenwaldabholzung und Umweltzerstörung in dem Betrieb Las Pavas in der Region Süd-Bolivar verantwortlich.

Das Bio-Palmöl für deutsche Bio-Produkte stammt allerdings nicht von dort, sondern von   Bio-Plantagen im Norden Kolumbiens.

Alnatura hat keine direkten Geschäftsbeziehungen zu Daabon, kauft auch Bio-Palmöl nicht selbst ein. Bio-Palmöl ist jedoch Zutat in verschiedenen Alnatura Produkten. Wir legen allergrößten Wert darauf, dass die Bio-Rohstoffe für unsere Produkte zertifiziert biologisch erzeugt, darüber hinaus nachhaltig und mit größtmöglicher Rücksichtnahme auf Mensch und Umwelt angebaut und verarbeitet werden.

Deshalb haben wir die in dem Bericht erhobenen Vorwürfe sehr ernst genommen und gemeinsam mit unseren Herstellerpartnern sofort umfassende Maßnahmen eingeleitet: Mehrere Expertengruppen sind nach Kolumbien gereist, haben direkt vor Ort recherchiert und in Gesprächen mit den Betroffenen und den verschiedenen Interessengruppen die Vorfälle zu rekonstruieren versucht.

Das Ergebnis der Untersuchungen in Kürze: Die Arbeit der Firma Daabon auf ihren Bio-Plantagen im Norden Kolumbiens kann unter ökologischen und sozialen Aspekten als sehr gut bewertet werden (Untersuchungsberichte weiter unten im Text). In der Region Süd-Bolivar (Las Pavas) ist die Lage um die Landnutzungsrechte äußerst komplex und reicht weit in die Geschichte Kolumbiens zurück. Eine Tochterfirma von Daabon hatte dort Land mit offenbar ungeklärten Eigentumsverhältnissen gekauft, um es zu bewirtschaften. Ungelöste Konflikte um die Landnutzung brachen wieder auf. Daabon bekundete mehrfach nachdrücklich seinen Willen, gemeinsam mit den Betroffenen eine einvernehmliche Lösung zu finden. Da dies nicht möglich war, hat sich Daabon im Oktober 2010 entschieden, die Bewirtschaftung von Las Pavas nicht fortzuführen. Man hat das fragliche Landstück im Süden Kolumbiens im Frühjahr 2011 wieder verkauft (siehe Pressemitteilung von Daabon weiter unten im Text).

Die Untersuchungen im Detail:

April 2010: Außerordentlicher Kontrollbesuch der Öko-Kontrollstelle EcoCert auf den Bio-Plantagen der Firma Daabon im Norden Kolumbiens. Von dort stammt das Bio-Palmöl, das für Bio-Produkte verarbeitet wird. Außerdem Kontrollbesuch auf der konventionell bewirtschafteten Fläche im mehrere hundert Kilometer entfernten Gebiet in Süd-Bolivar, wo der kritische Beitrag von Report Mainz gedreht worden war. Auch unser Herstellerpartner Rapunzel entsandte eine Mitarbeiterin zur Überprüfung der Vorwürfe nach Kolumbien.

Ergebnis: Die Kontrollstelle und die Rapunzel-Mitarbeiterin bewerten den Anbau aus ökologischer Sicht als sehr gut.

Rapunzel: Umfangreiche Informationen, Ergebnisbericht und Stellungnahme

 

 

 

 

April – Mai 2010: Beauftragt von Alnatura, recherchiert ein unabhängiger Experte in Las Pavas (Süd-Bolivar) und auf den Bio-Plantagen von Daabon in den Bezirken Magdalena und La Guajira. Der Agraringenieur kennt sich in Kolumbien sehr gut aus: Er spricht Spanisch, hat mehrere Jahre in Kolumbien gelebt und war dort in der Entwicklungshilfe im Agrarbereich tätig.

Ergebnis: Der unabhängig gewonnene Eindruck ist ebenfalls, dass die Firma Daabon im Bio-Palmölanbau ökologisch und sozial eine gute Arbeit leistet. Die Situation in Süd-Bolivar beschreibt der Experte als diffizil. Der Konflikt um die Landnutzungsrechte auf Las Pavas reicht weit in die Geschichte zurück. Eine Verhandlungslösung wird empfohlen.

 

 

 

 

Juni 2010: Treffen der Alnatura Herstellerpartner und Berichte der Experten über ihre Recherchen in Kolumbien.

Ergebnis: Die Arbeit der Firma Daabon im Norden Kolumbiens wird unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten als sehr gut bewertet. In der Region Süd-Bolivar (Las Pavas) stellt sich die Lage um die Landnutzungsrechte als äußerst komplex dar. Neben der juristischen Klärung wäre eine Verhandlungslösung der Konfliktparteien sinnvoll.

Ende Juli 2010: Abschlussbericht von vier unabhängigen Experten, beauftragt von der britischen Nichtregierungsorganisation Christian Aid, die die Bauern in Las Pavas vertritt, sowie dem britischen Unternehmen Body Shop: Die umfangreiche, fast 80 Seiten umfassende Studie erläutert die Nutzungsgeschichte der Flächen um die Las-Pavas-Farm, die bis in die 1920er-Jahre zurückreicht. Die sehr komplizierte und bis heute nicht abschließend klare Historie der Landnutzungsrechte und Landtitel dieser Flächen wird detailliert geschildert. Der Bericht enthält außerdem eine ausführliche Analyse der grundlegenden geografischen und naturräumlichen Gegebenheiten der gesamten Region Isla Papayal sowie der schwierigen sozialen und wirtschaftlichen Situation der Bauern in diesem entlegenen Gebiet.

Die Studie zeigt Entwicklungsmöglichkeiten für die Region und befürwortet ausdrücklich einen Ansatz, der alle Beteiligten einbezieht. Differenzierte und sehr grundsätzliche Handlungsaufforderungen an die unterschiedlichen Beteiligten des Konflikts schließen den Bericht ab.

Zum Download der Studie 

Daabon würdigt den grundlegenden Bericht und bekennt sich ausdrücklich zur umfassenden Verantwortung des Unternehmens bei der weiteren Arbeit in der Region. Daabon bekundet nachdrücklich seinen Willen, gemeinsam mit den Betroffenen das weitere Vorgehen abzustimmen.
Die Handelspartner von Daabon in Deutschland begrüßen diese Selbstverpflichtung des Unternehmens.

Ende Oktober 2010: Uns erreicht die Nachricht, dass sich Daabon aus der Region um Las Pavas zurückziehen wird (siehe Pressemitteilung von Daabon).

März 2011: Inzwischen wurde das fragliche Landstück im Süden Kolumbiens verkauft.

Mai 2011: Die Situation in Las Pavas ist noch immer nicht endgültig geklärt. Die Entscheidung über die Eigentumsverhältnisse liegt nun bei den kolumbianischen Behörden. Ein wichtiger Zwischenschritt: Das kolumbianische Verfassungsgericht hat entschieden, dass die Landräumung seinerzeit nicht rechtens war.

 

 

 

 

 

Wofür wird Palmfett verwendet?
Für Bio-Produkte werden hochwertige pflanzliche Öle verwendet. Pflanzliche Öle sind in der Regel jedoch flüssig und daher für einige Rezepturen, zum Beispiel pflanzliche Aufstriche oder Schokocremes, nicht einsetzbar. Für die Herstellung solcher Produkte wird ein Fett benötigt, das bei Zimmertemperatur fest ist.

Eine Möglichkeit, flüssige Öle in einen festen Zustand umzuwandeln, ist das sogenannte Härten von Fetten, das zum Beispiel für die Herstellung von konventioneller Margarine unter Einsatz chemischer Mittel genutzt wird. Dieses Verfahren ist jedoch für Bio-Produkte nicht zugelassen. Man verwendet stattdessen gerne Palmfett/Palmkernöl, da es das einzige pflanzliche Fett ist, das bei Zimmertemperatur eine feste Konsistenz aufweist. Palmfett ist besonders hitzestabil und überall dort ideal zu verwenden, wo hohe Temperaturen erreicht werden, wie beim Backen, Braten und Frittieren.

Palmfett bringt zudem keine fremde Geschmacksnote ins Produkt. Außerdem wird es nicht so schnell ranzig – beides erwünschte Qualitäten in verarbeiteten Produkten.

 

 

 

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