In den vergangenen Monaten ist Bio-Kraftstoff durch die steigenden Lebensmittelpreise von allen Seiten massiv in die Kritik geraten. Dennoch ist es unangebracht, diese Energieform zu verteufeln.
« Aufgrund der sich abzeichnenden Erdölknappheit und des Klimawandels hatte sich Bio-Kraftstoff als Energieträger in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit erfreut. Die Befürworter argumentieren: So lassen sich der Klimawandel bekämpfen und die Abhängigkeit von Erdöl reduzieren. Insbesondere als Treibstoff für Autos gilt Bio-Kraftstoff als Alternative zu Mineralölprodukten. Die Vereinigten Staaten zum Beispiel planen daher bis 2017 15 Prozent ihres herkömmlichen Kraftstoffverbrauchs durch Bio-Kraftstoff decken zu können, die Europäische Union bis 2020 10 Prozent. Entsprechend werden weltweit immer größere Mengen an Soja, Mais, Zuckerrohr, Palmen und Castor für diesen Zweck angebaut, ohne dass dies Anstoß erregt. Doch nun erleben wir einen grundsätzlichen Wandel der öffentlichen Meinung, dessen Ursache in den weltweit steigenden Lebensmittelpreisen zu suchen ist.
Unstrittig ist, dass weltweit immer größere Anbauflächen für Bio-Kraftstoff in Anspruch genommen wurden, oftmals motiviert durch staatliche Subventionen. So hat in Brasilien Ethanol auf Zuckerrohrbasis einen Marktanteil von fast 45 Prozent bei Kraftstoff, während die Vereinigten Staaten rund 20 Prozent ihrer Maisernte für die Herstellung von Ethanol verwenden.
Soja wird nicht nur als Getreide, sondern als Energierohstoff ebenfalls stetig stärker nachgefragt.
Welche Berechtigung hat Bio-Kraftstoff in Zeiten wachsenden Hungers überhaupt noch? Schließlich erfordert die Herstellung von Bio-Kraftstoff erhebliche Energiemengen, die bei Düngung, Transport und Verarbeitung anfallen. Zudem ist der Flächenbedarf enorm. So wird für die Produktion von einem Kilogramm Bio-Kraftstoff eine Fläche von fast 10 Quadratmetern benötigt. Während die beim Verbrennungsvorgang freigesetzten Emissionen tatsächlich CO2-neutral sind, wird dieser Vorteil zu einem Teil durch den oben genannten Energiebedarf wettgemacht. Schließlich setzt chemischer Dünger erhebliche Mengen an Kohlendioxid (CO2) und Methan frei und trägt – zusammen mit Monokulturen – zur Auslaugung der Böden bei. Hinzu kommt die Vernichtung von Regenwäldern in Südamerika, aber auch in Asien.
Waldvernichtung in der dritten Welt mag manchen Europäern abstrakt erscheinen. Auf steigende Lebensmittelpreise trifft dies sicherlich nicht zu. Die derzeit schärfste Kritik am Bio-Kraftstoff bezieht sich folglich auf die Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau bzw. die Konkurrenz bei der Verwendung. Während in deutschen Supermärkten die Preise steigen, schätzt das UN-Welternährungsprogramm WFP, dass 100 Millionen Menschen vom Hunger bedroht sind, da es keine ausreichenden Mittel für den Ankauf von Nahrungsmitteln mehr hat.
Die steigenden Preise sind aber auch für die Produzenten von Bio-Kraftstoff eine Herausforderung, weil der notwendige Rohstoff – sofern er für den menschlichen Verzehr geeignet ist – immer teurer wird. Nur mit Hilfe von Subventionen und Steuererleichterungen lassen sich die Preise kontrollieren, was weder im Sinne des Marktes noch der Konsumenten ist.
Palmöl verdrängt auf dem Weltmarkt zunehmend Raps als Energie-rohstoff, da es preiswerter ist.
Dr. Manon Haccius, studierte Agrarwissenschaftlerin und ist seit April 2000 bei Alnatura für Qualitätsmanagement und Verbraucherservice zuständig.