29.06.2009

Bienenschutz: Umdenken gefragt

Insider wissen schon länger, dass auch deutscher Honig immer häufiger mit Spuren von Pflanzenschutzmitteln belastet ist.

 

Visual
Spätestens seit der Januarausgabe des Magazins »Öko-Test« ist dies einer größeren Öffentlichkeit bekannt. In fünf von sechs deutschen Honigen wurden Insektizidspuren gefunden. Zudem waren elf von achtzehn Importhonigen durch Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen verunreinigt. Die gefundenen Mengen sind jedoch sehr gering, und auch bei starkem Honigverzehr ist für Menschen keine Gesundheitsbelastung zu erwarten. Neue, wasserlösliche Wirkstoffe synthetischer Pflanzenschutzmittel haben das Problem verschärft. Deren Hersteller werben sogar damit, dass diese Mittel in die Blüte, also die Bienenweide, gespritzt werden können. Folglich ist auch das so genannte Bienenbrot, der in den Wabenzellen des Bienenstocks durch die Bienen »eingestampfte« Vorrat von Blütenpollen, belastet. Untersuchungen im Rahmen des deutschen Bienenmonitorings haben 2008 in 105 Pollenproben Spuren von 42 verschiedenen Wirkstoffen nachgewiesen. Lediglich 25 der Proben waren frei von Pestizidspuren. Zu den gefundenen Stoffen gehört auch Coumaphos, der Wirkstoff des für Bio- Imker nicht erlaubten Arzneimittels Perizin (Bayer) zur Behandlung der Varroamilbe, einem gefährlichen Bienenschädling. Dieser Stoff ist wachslöslich, reichert sich also im Bienenwachs an und gelangt von da aus in das Bienenbrot, welches in den Wabenzellen gelagert wird.

 


Visual Die winzigen Eier und Bienenlarven in den Brutzellen sind für das bloße Auge schwer zu sehen.
Die Bienenbrut entwickelt sich ebenfalls in den Wachszellen, sodass sie den Giftstoffen ausgesetzt ist. Bei allen diesen Stoffen sind die jeweiligen Mengen extrem gering. Die Gesundheitsbelastung hängt jedoch vom Verhältnis zum Körpergewicht ab. Eine ständige Belastung der winzigen Bienenlarven ist anders zu beurteilen als der Verzehr von Honigbroten durch den Menschen, der unproblematisch ist.

 


Visual Bienenschwärme auf der Suche nach einem neuen Wohnplatz sammeln sich zunächst an einem Ast.
Glücklicherweise treten die Imkerverbände nun endlich die Flucht nach vorne an. In Abstimmung der verschiedenen Verbände wurde eine Erklärung erstellt, welche Landwirtschaftsministerin Aigner informiert, kurzund langfristige Maßnahmen vorschlägt und eine Stellungnahme verlangt. Dem Verein Mellifera e.V. geht es bei derartigen Initiativen in besonderem Maße darum, nicht nur auf Einzelprobleme zu reagieren. Wir fordern zu einem konsequenten Umdenken in der Agrarpolitik auf. Imker, Bauern und Verbraucher sollten nicht nur in Bezug auf Gentechnik unbelastete Lebensmittel fordern und sich beim Einkauf entsprechend verhalten.

 


Visual Bienen ernähren sich von süßen Pflanzensäften, vor allem Blütennektar, sowie von Blütenpollen.
Das eigentliche Problem der Landwirtschaft ist die destruktive Art unserer gegenwärtigen Kultur, Probleme »lösen« zu wollen. Die Kontrolle von Unkraut und Schädlingen wird durch deren Unterdrückung und Vernichtung angestrebt. Tragfähige und auf Dauer fruchtbare Konzepte für die Erzeugung unserer Lebensmittel hingegen gehen davon aus, dass Pflanze, Tier und Mensch Partner in einem Lebensraum sind.

››› Imkermeister Thomas Radetzki, www.mellifera.de

 

 

Kommentar
Große Unglücke entstehen durch eine Abfolge von für sich genommen unwesentlichen Versäumnissen. Das Zusammenwirken von durchschnittlich sieben solchen Fehlern kann zu Katastrophen führen. Das fanden Experten heraus, die akribisch untersucht haben, wie es zu Unglücken mit komplexen technischen Geräten kam, die man sich zunächst nicht erklären konnte. Im Umkehrschluss bedeutet das: Viele wach, entschieden und beharrlich in die richtige Richtung unternommene kleine Handlungen wirken heilsam und aufbauend. Auf die Konsequenz und die Zahl derer, die etwas tun, kommt es an: 72.000 Saatgut-Portionen »Bienen schmaus« haben Sie – die Alnatura Kunden – in diesem Jahr erworben. Auf mehr als 25 Hektar Fläche haben Sie den Bienen damit eine Blumenwiese bereitet (zum Vergleich: 125 Tonnen Bio-Weizen hätte man von der Fläche ernten können). Die Arbeit von Mellifera e.V. unterstützen Sie dadurch mit dem Betrag von 36.000 Euro.

››› Dr. Manon Haccius, bei Alnatura u. a. für Qualitätsmanagement und Verbraucherservice zuständig.

 

 

 

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