Auf großem Fuß
Stelzen bringen uns aus dem gewohnten Gleichschritt. Sie machen Kinder groß und lassen Erwachsene über sich hinauswachsen.
Stelzen erfüllen Träume: den Traum, einmal so groß zu sein wie einst der freundliche Riese im Märchen. Den Traum, dem Himmel ein Stück näher zu sein. Den Traum, einmal über allem zu stehen. Stelzen bringen uns aus dem gewohnten Gleichschritt und lassen die Standfesten plötzlich auf wackligen Füßen stehen. Sie machen Kinder groß und lassen Erwachsene über sich hinauswachsen.
Früher schnallten Maler und Künstler spezielle Stelzen unter die Füße, um bei ihrer Arbeit nicht auf Leitern kraxeln zu müssen. Schäfer beobachteten auf hölzernen Stelzen ihre Schafe, Bauern staksten mit ihnen über Gräben, wenn sie die Nachbarn besuchen wollten. Und natürlich bringt erst ein Clown auf Stelzen das Zirkus-Publikum in Hochstimmung.
Wer gekonnt auf großem Fuß daherkommen will, hat freilich einen schwierigen Aufstieg vor sich. Er beginnt ganz simpel mit einer Mauer als Rückendeckung. Die Stelzen schräg anlehnen und vorsichtig aufsteigen, die Stelzenstiele dabei hinter die Achseln klemmen. Verkleinern Sie den Winkel zur Wand, bis Sie frei stehen. Erst dann die ersten Schritte wagen. Sie werden sehen, wie viel Spaß das macht. Um diesen zu steigern, können Sie Freunde und Gäste zu einem Stelzen-Wettrennen überreden. Oder sie starten ein rasantes Hindernisrennen, wobei alle dem ersten Läufer über Stock und Stein folgen müssen. Ein weiterer Tipp: Hängen Sie an langer Leine leckere Süßigkeiten auf, die jeder Stelzenläufer mit dem Mund pflücken muss. Wetten, dass Sie so dem müdesten Partygast Beine machen?
Damit die Stelzen nicht das Langweiligste an diesem Spaß sind (einfache Holzstelzen können Sie in Baumärkten und im Internet ab 30 Euro kaufen), entwarf Schreinermeister Florian Widmer ein Paar Pferdekopf-Stelzen aus Buchenholz. Sie sehen nicht nur originell aus, sondern können auch als Steckenpferde geritten werden. Außerdem sind sie nicht sehr hoch, sie lassen sich also auch von Anfängern leicht besteigen. Die langen Holzbeine besitzen eine breite Fußablage, die wichtig für die Balance ist, und sind einfach zu bauen. In knapp zwei Stunden sind sie fertig.
Wir sind nicht sicher, ob Sie mit diesen Stelzen den Rekord des legendären französischen Bäckers Sylvain Dornon brechen können, der 1891 in 58 Tagen von Paris nach Moskau stelzte. Aber bei Gästen und Kindern kommen Sie mit ihnen groß raus. Ganz sicher.
So geht’s:
Schablone
Zeichnen Sie die Umrisse des Pferdekopfs oder eines anderen Motivs auf ein Stück Pappe. Sie können den Pferdekopf frei entwerfen; achten Sie dabei auf die Proportionen. Schneiden Sie die Zeichnung aus. Benutzen Sie die ausgeschnittene Schablone, um mit einem Bleistift den Umriss des Kopfs auf Multiplex-Holz zu zeichnen. Markieren Sie mit einem Körner oder Spitzbohrer die Augen des Pferdes.
Aussägen
Der kniffligste Teil: Sie müssen mit einer Stichsäge (Profis benutzen eine Bandsäge) den Pferdekopf aussägen. Dabei immer genau an der Markierung bleiben. Anschließend die Sägekante mit mittelgrobem bis feinem Schleifpapier glatt schmirgeln. Zum Schluss die Nut anzeichnen und aussägen. Sie wird als Eingriff benötigt, wenn die Stelze als Steckenpferd geritten wird. Nach demselben Prinzip das Trittbrett auf Holz anzeichnen und aussägen. Augenlöcher des Pferdes mit einem Forstner-Bohrer ausbohren.
Farbe und Verzierung
Die Ohren aus einem Stück Leder oder Gummi schneiden und mit einem Akkuschrauber per Schraube am Kopf befestigen. Sollen die Stelzen farbig werden, vor dem Befestigen der Ohren das Holz lackieren oder bemalen (Bild 2).
Stelzenstiele
Der Pferdekopf wird mit vier 2 cm langen Dübeln in der Leiste verankert. Dafür Löcher bohren: 2 cm tief, Durchmesser 8 mm. Bohren Sie so gerade wie möglich; kleine Schiefen müssen nachgeschliffen werden. Leimen Sie die Dübel ein und befestigen Sie den Pferdekopf am Stelzenstiel. Nach demselben Prinzip den Tritt dübeln und an der gegenüberliegenden Seite der Leiste befestigen. Während der Leim trocknet, das Holz für mindestens eine Stunde in eine Zwinge spannen.
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