Im Reich der Düfte

Ätherische Öle schmeicheln nicht nur unserer Nase, sondern wirken sich auch auf unser gesamtes Wohlbefinden aus.

 

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Wenn im Winter eisiger Wind durch die kahlen Bäume fegt und die Tage über ein trübes Grau nicht hinauskommen, dann wächst das Bedürfnis, uns drinnen zu verwöhnen. Heißer Tee, warmes Kerzenlicht und feine Düfte haben jetzt Hochkonjunktur. Aromatisierte Kerzen und Duftlampen, mit ein paar Tropfen feiner ätherischer Öle versetzt, schaffen eine behagliche Atmosphäre und stimmen uns heiter und entspannt. Die Verwendung ätherischer Öle reicht bis in die Antike zurück: Schon Griechen und Römer wussten um die Wirkung der duftenden Essenzen und badeten in den ätherischen Ölen. Ätherisch leitet sich von dem griechischen »aither« ab, was so viel bedeutet wie Himmelsduft und den flüchtigen Zustand der Öle beschreibt. Im Gegensatz zu den fetten Ölen verdampfen die ätherischen Essenzen vollständig. Sie setzen sich aus vielen verschiedenen fettlöslichen Verbindungen zusammen, Fett selbst ist jedoch nicht darunter.

Gebildet werden ätherische Öle in den Öldrüsen der Blüten, Blätter, Samen, Fruchtschalen, Wurzeln, Harze, Rinden sowie im Holz der Pflanze. Die Wirkung dieser Essenzen verdanken wir den sogenannten sekundären Pflanzeninhaltsstoffen. Sie dienen beispielsweise dazu, Insekten zur Bestäubung anzulocken, Schädlinge fernzuhalten und sich gegen Krankheiten zu schützen, die z. B. durch Bakterien oder Pilze hervorgerufen werden. Die kostbaren Extrakte werden meist per Wasserdampfdestillation, manche auch per Kaltpressung gewonnen. Um nur einen einzigen Tropfen ätherisches Öl zu erhalten, braucht man große Mengen an Pflanzen. So ergeben etwa 30 Rosenblüten ein Tröpfchen kostbares Rosenöl, das unserer Nase schmeichelt. Diese erreichen während etwa 23.000 Atemzügen pro Tag unendlich viele Duftmoleküle. Dennoch können wir zwei- bis viertausend verschiedene Gerüche unterscheiden.

Da die meisten ätherischen Öle Haut und Schleimhäute reizen, dürfen sie nie pur, sondern nur stark verdünnt angewendet werden. Zur Pflege mischen Kosmetikhersteller sie deshalb oft in Pflanzenöl, z. B. Mandel- oder Jojobaöl. Allergiker sollten beachten, dass bei einer Reaktion auf eine bestimmte Pflanze auch Reaktionen auf die entsprechenden ätherischen Öle zu erwarten sind. Entscheidend für die Wirksamkeit der Öle sind Qualität und Reinheit. So besteht ein naturidentisches Rosmarinöl aus circa elf Bestandteilen, während das naturbelassene ätherische Öl circa 150 Inhaltsstoffe hat. Bio-Läden bieten deshalb ausschließlich naturreine ätherische Öle aus kontrolliert biologischem Anbau oder Wildwuchs an. So groß wie die Vielfalt an Pflanzen ist auch der Reichtum an ätherischen Ölen und entsprechend breit ihr Wirkungsspektrum. Es reicht von anregend (Bergamotte, Eukalyptus) über entkrampfend (Lavendel), entzündungshemmend (Kamille), die Atmung erleichternd (Eukalyptus, Fichtennadel, Thymian) bis hin zu beruhigend (Mimose, Orange) und schlaffördernd (Wacholder).

Besonders intensiv erleben wir die wohltuende Wirkung der ätherischen Öle in einem Vollbad. Da wirken die Essenzen sowohl auf unseren Geruchssinn als auch über die Haut. Im warmen Wasser öffnen sich die Poren, sodass die Haut die Substanzen noch besser aufnehmen kann. Da sich das ätherische Öl schnell verflüchtigt, sollte man erst das Wasser in die Wanne einlassen und anschließend das Öl hinzufügen. Seifen oder andere Badezusätze zerstören die pflegende Wirkung der ätherischen Öle, deshalb besser nicht beides gleichzeitig verwenden. Für ein optimales Wohlgefühl sollte die Raumwärme im Badezimmer bei 25 bis 30 °C liegen. Ideal ist eine Badedauer zwischen fünf und 20 Minuten. Der Körper benötigt etwa fünf Minuten, um die Wirkstoffe von Badezusätzen aufzunehmen. Bäder, die länger als 20 Minuten dauern, belasten den Kreislauf und greifen den Säureschutzmantel der Haut an.

Am wirkungsvollsten ist das Ölbad vor dem Schlafengehen: Das Öl zieht über Nacht ein, und die Haut fühlt sich am nächsten Morgen zart und samtweich an. Nach dem Bad die Haut nicht abrubbeln, sondern sanft abtupfen, damit der wohltuende Ölfilm lange erhalten bleibt.

 

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