Von Bienen und Menschen

Seit Jahrtausenden hält der Mensch Bienen. Sie liefern uns die süße Kostbarkeit Honig, und sie bestäuben die Pflanzen, die wir anbauen. Nun ist ihre Existenz bedroht, und damit auch unsere Ernährung.

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Die Honigbiene ist nach Rind und Schwein unser wichtigstes Nutztier. Dabei geht es um bedeutend mehr als Honig: Unsere Nahrungsmittelproduktion hängt ganz direkt von der Biene ab, denn ohne ihre systematische Bestäubungsarbeit fiele ein Drittel der gesamten Welternte aus. Ohne sie gäbe es keine Äpfel, keine Gurken, keine Sojabohnen.

Seit ein paar Jahren sterben die Bienen – weltweit. Im vergangenen Winter waren es in Deutschland und den USA fast ein Drittel der Bienenvölker. In einigen Regionen der Schweiz haben sogar 70 Prozent von ihnen den Winter nicht überstanden. Manche sterben im Stock an Seuchen und Parasiten, andere verschwinden einfach, kehren nicht mehr vom Sammel- und Bestäubungsflug zurück. Imker, Wissenschaftler und Naturschutzverbände schlagen Alarm. Doch was sind die Ursachen für das Phänomen, und wie ist diese Entwicklung abzuwenden?

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Markus Imhoof, Regisseur eines preisgekrönten Dokumentarfilms sowie Koautor des gleichnamigen Buchs zum Thema Bienensterben (Markus Imhoof, Claus-Peter Lieckfeld: "More Than Honey. Vom Leben und Überleben der Bienen", orange-press, Freiburg 2012), hat dem Schicksal der Honigbiene mehrere Jahre gewidmet, seine Recherchen führten ihn auf vier Kontinente.

Die Bilder und Erkenntnisse, die er von den Reisen mitgebracht hat, sind nicht nur äußerst eindrucksvoll, sondern auch aufschlussreich. Seiner Auffassung nach liegt das zentrale Problem beim Menschen selbst: "Die Bienen sterben am Erfolg der Zivilisation. Sie sterben am Menschen, der aus Wildbienen gefügige Haustiere gemacht hat." Wer seinen Film gesehen hat, kann den Gedanken nachvollziehen.

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In den USA sind im Frühjahr drei Viertel aller Bienenvölker auf rund 3.000 Quadratkilometer großen Mandelplantagen unterwegs. In den darauffolgenden Monaten werden die Bienen kreuz und quer durchs Land gefahren, nach einem genauen Terminplan, von Obstbaumblüte zu Obstbaumblüte. Was für die Großimker ein Millionengeschäft ist, ist für die Bienenvölker eine Tortur. Nur ein Bruchteil von ihnen überlebt am Schluss den Pestizid-Einsatz auf den Plantagen und den Stress tagelanger Reisen in überhitzten Trucks. Achtzig Prozent aller weltweit verzehrten Mandeln kommen aus Kalifornien.

Dass es überhaupt möglich ist, Insekten so generalstabsmäßig einzusetzen, liegt zum einen in der Natur der Tiere selbst: Bienen lassen sich volkweise in Kisten transportieren, darin chemisch behandeln und schließlich sogar im großen Stil, fast wie am Fließband, vermehren – was angesichts der massiven Verluste auch notwendig ist.