Was es kostet, den Planeten zu retten

Die Erkenntnisse aus dem fünften Weltklimabericht vom April 2014

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Der Klimawandel wird gerne als Panikmache abgetan. Öffentlichkeit und Medien erscheint das Thema unbeliebt oder umstritten – und als Aufruf zu ungerechtfertigten, uns teuer zu stehen kommenden Maßnahmen. Doch was steckt wirklich hinter all dem? Ist alles aussichtslos? Will man uns einreden, dass wir nicht zu retten sind oder Atomkraft brauchen?

Mit diesem Beitrag soll etwas Licht in die Sache gebracht werden und – hoffentlich – eine aufgeschlossenere Einstellung zur Wissenschaft und ihrer Rolle bei der Entscheidungsfindung geschaffen werden. Denn nur in Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeit und den Entscheidungsträgern ist es möglich, gangbare Strategien auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu entwickeln und umzusetzen. Ottmar Edenhofer, Direktor des "Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change" (MCC), zugleich Vorsitzender der dritten Arbeitsgruppe des Weltklimarats (IPCC), hat Mitte April an der TU Berlin den letzten Teil des fünften Sachstandsberichts zur Klimaentwicklung vorgestellt. Dieser Bericht befasst sich mit den Maßnahmen, die zur Verfügung stehen, um die Klimawandel-Folgen zu mindern oder zu vermeiden. Diese Über­sicht über den Stand neuester Forschung wurde von 235 Autoren aus 58 Ländern zusammengestellt, ausgewertet und synthetisiert. Dabei wird der Bericht selbst von den Wissenschaftlern unabhängig geschrieben, die Zusammenfassung aber von allen Regierungen abgestimmt und geteilt, sodass sie zu einer gemeinsamen Wahrnehmung des Klimaproblems kommen. Das ist hilfreich für die weiteren politischen Verhandlungen.

Dennoch werden Inhalt, Zweck und Ziel der Übung immer wieder angezweifelt. Dies scheint unter anderem auf zwei Umstände zurückzuführen zu sein: Zum einen sind dies Zusammenhänge, die sich ohne wissenschaftlichen Hintergrund schwer erschließen lassen. Es sollte daher mehr Zeit und Mühe darauf verwendet werden, diese transparent zu machen. Zum anderen werden anscheinend wissenschaftliche Erkenntnisse gern von der Hand gewiesen, wenn sie nicht mit dem eigenen Wertesystem übereinstimmen oder der Handlungsspielraum, den die Wissenschaftler aufzeigen, als Einschränkung der eigenen Freiheit empfunden wird. Mitnichten macht der Weltklimarat jedoch Vorschriften.

Der Bericht stellt fest, dass die Treibhausgasemissionen im­mens gestiegen sind. Dies bedeutet nicht, dass alles zu spät ist und wir den Planeten nicht mehr retten können. Es heißt auch nicht, dass wir bei einer gerade noch beherrschbaren Erwärmung um zwei Grad Celsius kaum mehr tragbare Kosten auf uns nehmen müssen. Vielmehr fasst Professor Edenhofer die Erkenntnisse seiner Arbeitsgruppe zu diesen Fragen kurz und prägnant zusammen: "Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten." In Zahlen übersetzt handelt es sich um eine Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums um 0,06 Prozent bis Ende des Jahrhunderts. Verglichen mit den – teilweise schwer bezifferbaren – Kosten, die durch Klimafolgen in einem Szenario mit einer Erwärmung von vier Grad Celsius zu erwarten sind, ist dies in der Tat nicht "die Welt". Die Erreichung des Zwei-Grad-Celsius-Ziels liegt also nicht außerhalb unserer Reichweite und ist auch tragbar, was die Kosten betrifft.

Doch internationale Kooperation ist nötig, um eine kostenwirksame und verteilungsgerechte Lösung umzusetzen. Was machbar ist und wie das Maßnahmenpaket im Falle eines jeden Staates geschnürt sein sollte, dazu macht allerdings der Bericht keine Vorschriften. Im Gegenteil, jeder Staat sollte individuell prüfen, was "kosteneffizient" und "verteilungsgerecht" ist.

Weiterhin kommt der Bericht zu der Erkenntnis, dass zur Erreichung dieser Klimastabilisierung alle Optionen auf den Tisch gelegt werden müssen. Diese beinhalten auch Technologien wie Atomkraft, CO2-Abscheidung und -Speicherung und die Nutzung von Bio-Energie, die sich in vielen Ländern nur geringer Beliebtheit erfreuen. Dies bedeutet keineswegs, dass die Verfasser Staaten vorschreiben wollen, beispielsweise wieder in Kernkraft einzusteigen. Im Gegenteil zeigt der Bericht verschiedene Handlungspfade und die damit verbundenen Kosten und Risiken auf und überlässt es den Staaten, die für sie gangbaren Lösungswege zu wählen. Wenn ein Land aus guten Gründen Abstand von gewissen Technologien nehmen möchte, können andere (wenngleich teurere) Optionen herangezogen werden.

Das Problem besteht darin, dass das Nicht-Handeln bei gleichzeitigem Steigen des CO2-Ausstoßes den Handlungsspielraum immer teurer macht oder ihn einschränkt. Längeres Warten bringt es mit sich, dass sich das Fenster der Möglichkeiten schließt.

››› Gastbeitrag Sabine Fuss, Leiterin der Arbeitsgruppe Ressourcen und Internationaler Handel, MCC Berlin

Das MCC kurz gefasst

Das MCC erforscht nachhaltiges Wirtschaften sowie die Nutzung von Gemeinschaftsgütern wie globalen Umweltsystemen und sozialen Infrastrukturen vor dem Hintergrund des Klimawandels. Fünf Arbeitsgruppen forschen zu den Themen Wirtschaftswachstum und -entwicklung, Ressourcen und internationaler Handel, Städte und Infrastrukturen, Governance sowie wissenschaftliche Politikberatung. Das MCC, eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), erstellt Landkarten des Wissens über die Chancen und Risiken der unterschiedlichen Pfade zur Nachhaltigkeit.