Urlaub vom Auto

Eva Liebelt, Mitarbeiterin der Abteilung Kommunikation bei Alnatura, war zu Besuch im österreichischen Werfenweng. Der Alpenort ist Mitglied im Verband Alpine Pearls, der sich für nachhaltigen Tourismus einsetzt.

Immer häufiger hört man von grünen Hotelanlagen und nachhaltigen Reiseveranstaltern: Der sogenannte Öko-Tourismus liegt voll im Trend und bietet viele neue Möglichkeiten, einen umweltfreundlichen Urlaub zu verbringen. Eine Initiative, die 2006 von den sechs Alpenstaaten Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Slowenien und Schweiz gegründet wurde, bietet unter dem Dachverband "Alpine Pearls" sanften Tourismus an. Mittlerweile sind 24 Alpenperlen beteiligt.

Meine Reise führt mich nach Werfenweng, dem ersten österreichischen Modellort für nachhaltigen Tourismus und perfekt geeignet für einen Test, was "nachhaltiger Urlaub" überhaupt bedeutet, wie konsequent dieser umgesetzt wird und welche Chancen damit verbunden sind. Ich entscheide mich bereits im Vorfeld für eine autofreie Anreise und werde fünf Minuten nach meiner Ankunft am Bahnhof Bischofshofen vom "Werfenwenger Shuttle", einem mit Erdgas betriebenen Kleinbus, abgeholt. Gemeinsam mit fünf weiteren Personen – zum Teil Einheimische, zum Teil Touristen – werde ich direkt vor meinem Hotel abgesetzt. Auf den ersten Blick sieht alles nach einem typischen Alpenort aus – hübsche, urige Hotels, regionstypische Restaurants und ein einmaliges Bergpanorama.

Doch bereits mein Weg zum Tourismus-Amt führt mich an einem ungewöhnlichen Fuhrpark vorbei. Fünf farbenfrohe Autos namens "Grashüpfer" teilen mir mit: "Ich fahre mit Bio-Gas aus Gras". Ich erkundige mich bei der Touristen-Auskunft, was es mit diesen Autos auf sich hat. Jeder Tourist sowie auch Einheimische können die bunten Mobile für zehn Cent pro Kilometer mieten. Eine Testfahrt lasse ich mir nicht entgehen und bin von den bunten Grashüpfern begeistert.

Generell finden sich in Werfenweng zahlreiche Alternativen zum gewöhnlichen Auto. So bekommt jeder Gast, der mit der Bahn anreist oder seinen Autoschlüssel beim Tourismus-Amt abgibt, den Sanfte-Mobilität-Pass (SAMO-Pass), ein Gutschein- Heft, welches das Auto wirklich überflüssig macht. Man kann kostenlos den Ausflugsbus nutzen, der zum Beispiel nach Salzburg fährt. Es besteht die Möglichkeit, Fahrräder zu leihen, Kutschfahrten zu buchen und vieles mehr. Ein Highlight ist die kostenlose Nutzung der verschiedenen Elektro- Fahrzeuge mitten auf dem Gemeindeplatz. Vom Elektro- Scooter bis zum "Biga". Das Angebot findet regen Zuspruch und der Strom für sämtliche Mobile kommt aus dem Solar- Turm direkt neben dem E-Mobil-Verleih. Auf meiner Erkundungstour mit meinem Biga (siehe großes Bild) entdecke ich die kleinen Solardächer der Straßenlaternen. Selbst das Licht kommt hier also direkt aus der Natur.

Am nächsten Tag treffe ich mich mit Werfenwengs Bürgermeister Dr. Peter Brandauer. Er ist Vorstand von Alpine Pearls und Mitgründer des sanften Alpen-Tourismus. Sein Büro zieren zahlreiche Urkunden, die Werfenweng großes Engagement in Sachen Nachhaltigkeit bescheinigen. "Was zunächst als wirtschaftliches Projekt gedacht war, wird nun immer mehr zum Umweltschutzprojekt", erklärt Peter Brandauer. Trotz anfänglicher Skepsis in der Gemeinde, setzte er den sanften Tourismus in Werfenweng um und steigerte innerhalb von vier Jahren die Zahl der Übernachtungen von 162.000 auf 212.000 pro Jahr. Stolz berichtet er, dass früher lediglich sechs Prozent der Gäste mit der Bahn anreisten, heute sei es jeder vierte. Für Peter Brandauer ist Mobilität mehr als Urlaub vom Auto. Er hat weitere Pläne, um seinen Ort noch nachhaltiger zu machen: "Es sollen zum Beispiel mehr regionale Produkte, die keinen weiten Weg hinter sich gebracht haben, in den Restaurants ange boten werden". Inzwischen sind die meisten Betriebe auf Kurs und rund 70 Prozent der Gästebetten gehören zum SAMOKonzept. Besonders wichtig ist Brandauer die stetige Weiterentwick lung des Konzepts für alle 24 Alpenperlen. Dabei bleibt er rea listisch und räumt ein, dass ein völlig autofreier Ort "politisch nicht durchsetzbar ist". Doch er glaubt an die Zukunft der sanften Mobilität: "Es geht stets mit vielen kleinen Schritten voran. Sanfte Mobilität soll nicht nur autofrei bedeuten, sondern in allen Bereichen sichtbar sein. Auch die Einheimischen sollen davon profitieren, wenn sie nachhaltig mobil sind."

Nach drei Tagen in Werfenweng und zahlreichen, ohne Benzin zurückgelegten Kilometern im und um den Ort, habe ich mein Auto nicht ein einziges Mal vermisst. Wohlgetan hat mir nicht nur die Alpenluft, sondern auch mein gutes Gewissen, weil ich der reinen Bergluft in den letzten Tagen fast keinerlei Kohlendioxid zugemutet habe.

Weitere Infos zu Alpine Pearls und nachhaltigem Reisen finden Sie unter www.alpine-pearls.com